Vanessa Behrendt
Bildbasierte sexualisierte Gewalt
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Man müsse sie aufhängen und öffentlich kastrieren. Das fordert die feministische Influencerin Leonie Plaar in Reaktion auf den Fall Fernandes. Sie ist Spiegel-Autorin, nennt sich queer, hat ein Anti-AfD-Buch geschrieben na klar und gilt als gern gesehene Gästin im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Alle Männer wir haben es hier heute schon gehört seien das Problem, sagt sie. Wer von der Unschuldsvermutung spricht, dem solle gewaltsam „Täterschützer" auf die Stirn tätowiert werden. Im Hintergrund ihres Videos klebt dazu die „Progress"-Flagge, dieselbe Flagge, die auch vor den Amtsgebäuden der Landesregierung wehte. Das Video der Influencerin ist ein gutes Beispiel dafür, in was für eine Besinnungslosigkeit Ihre Narrative viele Menschen treiben. Es ist klar ersichtlich, das hier nicht aus Versehen, sondern vorsätzlich und massiv die fundamentalsten rechtsstaatlichen Prinzipien übertreten werden: öffentliche Folter, De-facto-Hinrichtungen auf dem Marktplatz für digitale Handlungen. Wer so etwas fordert, hat sich moralisch disqualifiziert, meine Damen und Herren. Verstehen Sie mich nicht falsch! Ich glaube auch, dass Christian Ulmen widerliche Dinge getan hat. Das ist überhaupt nicht die Frage. Aber wenn er eine Straftat begangen hat, dann ist er dafür zu verurteilen - nicht von queeren Aktivisten auf dem Marktplatz, sondern von einem Gericht. Frau Behrendt, entschuldigen Sie, es gibt den Wunsch nach einer Zwischenfrage von Frau Camuz. Möchten Sie die zulassen? Nein, danke. Ich möchte gerne fortführen. Collien Fernandes kann einem leidtun, ihre Tochter kann einem leidtun, und ja, auch Christian Ulmen kann einem irgendwie leidtun, der offenbar schon früh in eine immer krankhaftere Pornosucht und in perverse Fetische abgedriftet ist. Egal, ob es sich nun exakt so oder doch anders abgespielt hat - in keinem Fall sollten wir deshalb einen digitalen Polizeistaat einführen. Doch jedes Mal, wenn es Ihnen oder Ihren Parteifreunden in Berlin gelegen erscheint, werden die Rufe nach Überwachung und Kontrolle insbesondere im Netz laut. Mir fällt es offen gestanden schwer, an Ihre ritterliche Selbstlosigkeit zu glauben. Denn genauso spannend und auch so traurig wie das, was Sie sagen, ist das, was Sie verschweigen. Wo ist zum Beispiel Ihre Empörung über Gruppenvergewaltigungen, ein Phänomen, das bis vor wenigen Jahren nahezu unbekannt war? Frau Behrendt, es gibt einen weiteren Wunsch nach einer Zwischenfrage: von Frau Prell. Möchten Sie die zulassen? Nein, auch hier nicht, danke. Ich möchte gerne ausführen. Erst vor wenigen Wochen hat sich eine Kollegin aus Ihrer SPD im EU-Parlament zu der Aussage verstiegen, es gebe gar keine Gruppenvergewaltigungen. Das scheint sich die AfD nur ausgedacht zu haben. Statt lauter Empörung, Distanzierung, Rücktrittsforderungen oder bunten Straßenprotesten mit allem, was die 34 Tabellenseiten lange NGO-Liste zu bieten hat, Schweigen im Walde. Das ist nichts Neues, und wir müssen gar nicht erst bis zur Silvesternacht zurückgehen. In Berlin-Neukölln wurde erst kürzlich eine Gruppenvergewaltigung vor der Polizei vertuscht, um neun arabischstämmige Tatverdächtige nicht zu stigmatisieren. ‑ Das ist kein Rassismus, das ist die Wahrheit! Und was ist mit dem Fall in Sachsen? Hier wurden Minderjährigen im Rahmen einer Projektwoche Pornos gezeigt. Die größte Sorge bei SPD und Grünen: Hoffentlich wählen die Menschen deshalb nicht die AfD. Ich glaube, es ist genau diese Doppelmoral, wegen der sich immer mehr Bürger von Ihnen abwenden. Denn wenn es stimmen würde, dass Sie Frauen schützen wollen, dann würden Sie diese Themen eben nicht aussparen, dann würden Sie geltendes Recht konsequent durchsetzen und tatsächliche Gesetzeslücken schließen, anstatt jeden Fall zu instrumentalisieren, um eine freiheitsfeindliche Agenda voranzutreiben. Opfer verdienen Gehör und Hilfe. Täter verdienen ich denke, da sind wir uns alle einig selbstverständlich einen Prozess und harte Strafen. Wir brauchen aber weder eine Hierarchie der Opfer noch der Täter. Und in beiden Richtungen haben Sie leider versagt. Vielen Dank. Um Ihnen ein bisschen Zeit zur Abgabe von weiteren
