Vanessa Behrendt
Queeres Leben in Niedersachsen sichtbar machen, Akzeptanz schaffen, Diskriminierung abbauen - Maßnahmen zur Anerkennung sexueller und geschlechtlicher Vielfalt
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ja, was soll ich sagen? Ich freue mich wirklich sehr darüber, dass Sie unser Antrag aus dem September-Plenum so sehr beschäftigt hat, dass Sie sich nun wochenlang in Ihren Stuhlkreisen zusammengesetzt haben, um ein Gegenstück dazu zu entwerfen. Damit bieten Sie mir nun die Gelegenheit, Ihnen die ideologische Maske abzunehmen. Sie wollen also die Queerfeindlichkeit bekämpfen. Zunächst eine Klarstellung: Die meisten Menschen durchschauen es noch nicht, aber „queer“ ist nichts anderes als ein politischer Kampfbegriff. Dieser ist nicht klar definiert, und das ist wichtig für Sie. - Nein, ich lasse keine Frage zu. Denn bei der gesamten Debatte hier geht es um Deutungshoheit. Fragt man jemanden auf der Straße, was „queer“ heißt, wird er vermutlich sagen: homosexuell. Doch wie erklären Sie sich dann zum Beispiel die schwule Protestbewegung „Just gay, not queer“? Schwule und Lesben wachen auf und wehren sich verstärkt gegen ihre Vereinnahmung. Ihre Ideologie hierzu hat Homosexuelle in Geiselhaft genommen. Sie beinhaltet vor allem den Trans-Glauben und die damit zusammenhängende Leugnung von Biologie. Fakt ist aber: Jeder Mensch gehört einem von zwei Geschlechtern an. Menschen können sich von Vertretern ihres eigenen, des anderen oder von beiden Geschlechtern angezogen fühlen. Die Notwendigkeit des Queer-Begriffs ergibt sich erst, wenn man die Existenz von Geschlechtern leugnet. Da, wie gesagt, die Deutungshoheit darüber, was queer ist, bei Ihnen liegen soll, ist folglich auch alles queerfeindlich, was Ihnen nicht in den Kram passt. Deshalb schreien Sie auch nicht „queerfeindlich“, wenn der IS Homosexuelle von Dächern schmeißt. Sie schreien „queerfeindlich“ zum Beispiel dann, wenn eine lesbische Frau keine Transfrau daten möchte, weil diese ein biologischer Mann ist. Zum Thema Frauenrecht: Die Freiheit des einen endet da, wo die Freiheit des anderen anfängt. Doch genau diese Grenze wollen Sie verschieben. Fakten wollen Sie Gefühlen unterwerfen. Auch Gerichte gehen da nicht mit und haben jüngst die dramatisch aufgezogene Klage eines Trans-Aktivisten abgeschmettert, der gegen den Hashtag #DuBistEinMann geklagt hatte. Darauf läuft es hinaus. Die SPD hat getwittert: „Transfrauen sind Frauen.“ Den Satz „Nur Frauen sind Frauen“ halten Sie demnach für falsch. Spätestens da müssen die Alarmglocken läuten. Ich sage Ihnen hier als Frau: Mutige Frauen haben nicht für Frauenrechte gekämpft, bloß um sie jetzt an Männer in Stöckelschuhen und Kleidern zu verlieren. Sie lassen Männer in Schutzräume von Frauen und Mädchen eindringen. Sie wollen, dass Männer in Mädchenumkleiden dürfen, auf Frauentoiletten und in Damensaunas. Das ist keine Zivilisation, sondern das verschlägt einem die Sprache. Sie feiern es als mutig, wenn Männer im Frauensport antreten. Ich sage: Das ist feige. Frauen wurde viel Unrecht angetan. Man hat ihnen ihre Rechte, ihre Würde und ihre Freiheit abgesprochen. Ja, große Teile derer, die Sie ins Land gelassen haben und weiterhin lassen, sprechen ihnen sogar das Menschsein ab und erklären sie zum Besitz von Männern. Aber was noch keiner, weder das Mittelalter früher noch Islamisten heute, geschafft hat, das tun Sie jetzt und sprechen Frauen sogar ab, überhaupt zu existieren. Herzlichen Glückwunsch dazu! Dafür kann man sich nur schämen. Mir tun die Bäume leid, die für Ihren Antrag sterben mussten. Ihre Regenbogenanträge sind ein perfider Mix aus Selbstverständlichkeiten auf der einen und Ungeheuerlichkeiten auf der anderen Seite. Schauen wir mal hinter die Kulissen! Sie geben offen zu, dass Sie die normale Familie auflösen wollen, und Sie schämen sich noch nicht einmal dafür. Und dann wird es plötzlich bürokratisch. Anpassung des Abstammungs- und Familienrechtes nennen Sie das. Was Sie damit meinen, steht im Ampelkoalitionsvertrag. Es soll eine Mehrelternschaft eingeführt werden. Bis zu vier Mitmütter und Mitväter sollen sich gleichzeitig um ein Kind kümmern. Kinder brauchen aber keine Kommunen, sondern Familien. Sie haben ein Recht auf Mutter und Vater, nicht auf Elternteil 1, 2 oder jetzt bald auch noch 3 und 4. Noch mal zum Verständnis: Kinder brauchen Mutter und Vater. Das kann kein erfundener Begriff, kein erzwungenes Gesetz und kein neues Gendersymbol ändern. Was Sie hier vorhaben, ist die Trennung von Elternschaft und Biologie. Das ist nicht nur gefährlich, sondern geradezu niederträchtig. Sie degradieren Kinder zu Accessoires bei der Selbstverwirklichung von Erwachsenen. Was am Ende dabei herauskommt, konnten wir letztens in der britischen Daily Mail lesen: Jetzt fangen Transfrauen, also biologische Männer, an, harte Medikamentencocktails zu schlucken, um die Grenzen der Natur so zu biegen, dass ein paar Tropfen Milch aus der Brust fließen. „Menschenmilch“, wie Sie sagen würden, mit dem Ziel, Babys stillen zu können. - Ganz ehrlich, mir wird schlecht, wenn ich nur daran denke. Ärzte warnen davor, dass die darin enthaltende Chemiekeule sogar das Herz von Säuglingen schädigen kann. Aber das ist ja der Punkt: Das spielt für Sie gar keine Rolle. Sie sollten als Regierung Gesetze machen, die so etwas verbieten, statt es zu befördern! Als AfD-Fraktion lehnen wir Ihren Antrag selbstverständlich ab. Sie können jammern, beschließen, fördern und leugnen so viel Sie wollen - die Wahrheit ist: Von 8 Milliarden Menschen auf diesem Planeten wurde jeder einzelne von einer Frau geboren. Und wenn Archäologen eines Tages die Ruinen Ihrer bunten Republik ausgraben, werden Sie eindeutig sagen können, wer hier ein Mann und wer wirklich eine Frau war. Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
