MUDr. PhDr. / Univ. Prag Jozef Rakicky
Die Zukunft der Medizin: geschlechtsspezifische Forschung und Versorgung stärken!
ist der Hauptgrund dafür. Die geschlechtsspezifische Forschung ist ein seit Jahren funktionierender intensiver Medizinforschungsbereich. Allein die Anfrage bei Google ergibt zu diesem Thema fast 90 000 Hinweise. Wir haben an der Charité ein Institut für Geschlechterforschung. Seit August 2004, also schon seit 21 Jahren, müssen in den klinischen Studien zur Zulassung eines Wirkstoffs auch geschlechtsspezifische Unterschiede untersucht und veröffentlicht werden. Wer mehr wissen will, kann das in der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Fraktion der Grünen, Drucksache 17/6634 vom Juli 2011, detailliert nachlesen. Es werden auch speziell für Frauen geeignete Medikamente entwickelt, wie zum Beispiel Romosozumab gegen Knochenschwund. Sie nennen Schweden als Vorbild auf diesem Gebiet anhand einer 14 Jahre alten Studie und vergessen, dass das für medizinische Forschung Ewigkeiten sind. Sie implizieren, dass die mangelnde geschlechtsspezifische Forschung bei bestimmten Erkrankungen etwa Endometriose, Lipödem, Prostatakrebs oft zu Fehldiagnosen und falschen Therapien führen würde. Dabei stimmt das überhaupt nicht. Den von Ihnen als Beispiel genannten Herzinfarkt mit geschlechtsspezifischen Unterschieden verstehe ich noch, auch wenn Sie hier mit Ihrem Antrag etliche Jahre zu spät kommen. Doch bei den anderen Beispielen läuft die Forschung sozusagen naturgemäß geschlechtsspezifisch. Prostatakrebs betrifft nur Männer, weil nun einmal nur sie die Prostata haben, und Endometriose die Frauen; Männer mit Endometriose sind statistische Ausreißer. Ja, die Endometriose gilt als Chamäleon der Gynäkologie, und die Diagnose ist oft schwierig und wird spät gestellt. Das hat aber nichts mit der Geschlechtsspezifität zu tun. Stärker geschlechtssensibel bei Endometriose und Prostatakrebs zu forschen, ist fachlich unsinnig und praktisch nicht möglich, weil Ihnen dafür schlichtweg der geschlechtliche Gegenpol fehlt. Lipödem betrifft fast ausschließlich Frauen, außer asiatische. Daher werden genetische Veranlagungen und der Einfluss der weiblichen Hormone seit Jahren intensiv erforscht. Die Forschungsschwerpunkte liegen daher nicht auf der Differenz zwischen den Geschlechtern. Die Geschlechtsspezifität liegt in der Erkrankung selbst, wie es auch in der von Ihnen erwähnten Liposuktionsstudie berücksichtigt wurde. Dort wurden nämlich nur Frauen aufgenommen. Zu Ihrem Antrag kann man also allgemein sagen, dass Sie damit dem Stand der Forschung erheblich hinterherlaufen. Heute muss eher der Gegenpol beachtet werden. Es gibt nicht nur einen Unterschied zwischen den Geschlechtern - es ist längst vielfach belegt, dass die intrageschlechtlichen Unterschiede oft viel größer sind als die intergeschlechtlichen. Das heißt: Zwei Frauen können eine Krankheit oft ganz anders erleben als Frauen und Männer als Geschlechtskategorien. Herr Rakicky, entschuldigen Sie! Bevor Ihre Redezeit gleich ganz zu Ende ist, noch mal die Nachfrage: Es gibt einen weiteren Wunsch nach einer Zwischenfrage: von Frau Prell von der Fraktion der SPD. Würden Sie sie zulassen? Ich würde jetzt lieber zu Ende reden. Und es gibt noch eine weiteren Wunsch nach einer Zwischenfrage: von Frau Schüßler. Na gut. Welche lassen Sie jetzt zu? Beide? Dann beide. Beide. Okay, super. Danke.
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