Harm Rykena
Entwicklungsmöglichkeiten durch mehr Freiräume - Schulen zukunftsfähig aufstellen, Beteiligte entlasten
Vielen Dank, Herr Präsident. - Sehr geehrte Damen und Herren! Im Antrag geht es darum ‑ und jetzt zitiere ich ‑: „Schulen dabei zu unterstützen, gute Lösungen für die unterschiedlichen Aufgaben zu finden. Dafür benötigen Schulen Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeiten im Sinne der eigenverantwortlichen Schule.“ Und weiter: „Um Schulen als Lern- und Lebensorte weiterzuentwickeln, sollten ihnen mehr organisatorische und personelle Eigenverantwortung sowie pädagogische Freiräume ermöglicht werden.“ Und schließlich: „Das Ziel muss sein, Schulen mehr zu ermöglichen statt zu verordnen.“ Mmh, das ist ja interessant. Nun, dann überlegen wir uns mal ein paar fiktive Beispiele. Zum Beispiel könnten in Stade am Ende der dritten Klasse mehr als die Hälfte der Kinder nicht sinnentnehmend lesen. Die Schulleitung entscheidet sich, von nun an alle Kinder die Klasse wiederholen zu lassen - und zwar im Einzelfall so oft, bis alle lesen können. Ich würde sagen: Freiraum genutzt, ganz im Sinne von Frau Hamburg. Anderes Bespiel: Eine Oberschule in Harburg nutzt die Freiraumregelung und bildet mit den Kindern mit festgestelltem Förderbedarf Lernen eine Förderschule-Lernen-Extraklasse. Ich meine: Freiraum kreativ eingesetzt, und Frau Hamburg ist bestimmt hoch erfreut darüber. Ein anderes Beispiel: Eine Grundschule in Hannover führt aus pädagogischen Gründen Noten ab Klasse 2 wieder ein, so wie es das ganz früher einmal gab. Auch dort wurde der Freiraum vorbildlich umgesetzt, und Frau Hamburg kann sich vor Begeisterung kaum noch halten. Das könnte man noch eine ganze Weile so weiterführen, und ich glaube, es ist klar, worauf ich hinaus will. Aber, halt, einen habe ich noch, den möchte ich Ihnen nicht vorenthalten: An einer Oberschule in Emden werden auf vielfachen Wunsch der Schüler die Bundesjugendspiele mit Ehren- und Siegerurkunden wieder eingeführt. Die wertlosen Teilnehmerurkunden dagegen gibt es nicht mehr. Und bestimmt wurde auch hier der Freiraum für das genommen, für das er laut Antrag gedacht war, und Frau Hamburg ist vor Freude außer sich und schlägt diese Schule für einen Schulpreis vor. Sie glauben das nicht? - Ja, ich auch nicht. Es zeigt aber, dass dieser Antrag das Papier nicht wert ist, auf dem er gedruckt wurde. Wenn die Grünen, immerhin die Verbotspartei Nummer eins, von „zu ermöglichenden Freiräumen“ spricht, so ist das zumindest zutiefst verliebt in die eigene Erzählung. Mit Realität hat das aber auch gar nichts zu tun. Es handelt sich nämlich nicht um wirkliche Freiräume. Frei erlaubt soll lediglich das sein, was der weiteren Umsetzung der rot-grünen Agenda einer leistungsfeindlichen Einheitsschule für alle dient, und sonst gar nichts. Das ist zumindest unehrlich. Wir lehnen den Antrag ab. Vielen Dank.
