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Thomas de Jesus Fernandes

AfD 19.03.2026 Sitzungen 8/128

Frau Präsidentin, meine Damen und Herren, die Geburt eines Kindes gehört zu den prägendsten Momenten im Leben einer Familie. Sie ist ein hochsensibles Ereignis – medizinisch, emotional und gesellschaftlich. Gerade deshalb verdient dieses Thema eine sachliche, differenzierte und verantwortungsvolle Debatte. Der vorliegende Antrag fordert eine respektvolle und selbstbestimmte Geburtshilfe in Mecklenburg-Vorpommern. Das ist zunächst einmal ein Ziel, dem niemand widersprechen wird. Respekt, Aufklärung, Einwilligung und eine gute Betreuung sind grundlegende Prinzipien moderner Medizin. Und selbstverständlich gilt: Wenn Frauen während der Geburt negative Erfahrungen machen, müssen wir hinschauen und prüfen, wo Verbesserungen möglich sind. Gleichzeitig sollten wir in dieser Debatte auch Maß halten. Der Antrag stellt das Thema „Gewalt in der Geburtshilfe“ stark in den Mittelpunkt. Natürlich dürfen respektloser Umgang oder mangelnde Aufklärung keinen Platz haben. Das steht außer Frage. Aber wir müssen auch bedenken: Eine Geburt ist kein planbares Routineereignis wie ein Arzttermin – und sie ist auch kein Kaffeekränzchen. Eine Geburt ist eine medizinisch anspruchsvolle Situation. Sie ist körperlich fordernd, sie kann emotional belastend sein, und sie kann in manchen Momenten auch hektisch und dramatisch verlaufen – weil Entscheidungen manchmal schnell getroffen werden müssen, um Mutter und Kind zu schützen. Wer diese Realität kennt, weiß: Nicht jede medizinische Intervention, die im Nachhinein vielleicht als unangenehm oder belastend empfunden wird, ist automatisch „Gewalt“. Manchmal ist sie schlicht medizinisch notwendig und verlangt auch die Bereitschaft, sich auf eine Situation einzulassen, die sich nicht immer vollständig planen oder kontrollieren lässt. Wer so tut, als ließe sich eine Geburt wie ein perfekt inszeniertes Wellness-Event gestalten, der entfernt sich von der Realität medizinischer Versorgung. Besonders problematisch ist, dass dieser Antrag indirekt ein Bild zeichnet, als seien respektlose oder gewaltförmige Praktiken in der Geburtshilfe ein strukturelles Problem. Meine Damen und Herren, ich halte das für eine grobe Pauschalisierung. Unsere Hebammen und Ärzte leisten in Mecklenburg-Vorpommern tagtäglich hervorragende Arbeit. Sie begleiten Familien in einer der sensibelsten Situationen ihres Lebens – häufig unter enormem Zeitdruck, bei Personalmangel und unter schwierigen strukturellen Rahmenbedingungen. Und trotzdem sorgen sie jeden Tag dafür, dass Tausende Kinder sicher zur Welt kommen. Statt diese Leistung anzuerkennen, zeichnet dieser Antrag ein Bild des Misstrauens gegenüber denjenigen, die Verantwortung tragen. Das halte ich für falsch. Die echten Probleme werden in diesem Antrag nur am Rand erwähnt. Denn die tatsächlichen Herausforderungen der Geburtshilfe liegen ganz woanders. In ganz Deutschland ist die Zahl der Geburtskliniken in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zurückgegangen. Wirtschaftlicher Druck, steigende Anforderungen und Personalmangel führen dazu, dass Standorte geschlossen oder zusammengelegt werden. Auch der wachsende Druck auf die Beleghebammen führt zur Aufgabe deren Selbstständigkeit. Gerade in einem Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern bedeutet das: längere Wege, größere Einzugsgebiete und steigende Belastung für das Personal. Das sind die Fragen, über die wir sprechen müssen: – Wie sichern wir ausreichend Hebammen? – Wie finanzieren wir Geburtshilfe so, dass Kliniken sie dauerhaft vorhalten können? – Wie gewährleisten wir Versorgungssicherheit im ländlichen Raum? Diese strukturellen Fragen sind entscheidend. Doch der Antrag verliert sich stattdessen in allgemeinen Forderungen nach Monitoring, Fortbildungen und digitalen Angeboten. Das mag alles sinnvoll sein – aber es löst nicht die grundlegenden Probleme der Geburtshilfe. Ein weiteres Beispiel ist die starke Betonung digitaler Angebote. Ja, digitale Beratung kann hilfreich sein. Ja, Online-Informationen können Familien unterstützen. Aber eines muss klar sein: Eine App ersetzt keinen Kreißsaal. Die entscheidende Frage ist und bleibt: Wo gibt es ausreichend Personal, ausreichend Infrastruktur und ausreichend Kapazitäten, um sichere Geburten zu gewährleisten? Meine Damen und Herren, Geburtshilfe ist ein hochsensibler Bereich. Sie verdient Aufmerksamkeit, Unterstützung und gute Rahmenbedingungen. Aber sie verdient auch eine ehrliche und sachliche Debatte. Dramatisierende Begriffe wie „Gewalt“ helfen dabei nicht weiter – vor allem dann nicht, wenn sie ohne klare Definition und ohne belastbare Zahlen verwendet werden. Unsere Hebammen und Ärzte in Mecklenburg-Vorpommern leisten tagtäglich respektvolle, verantwortungsvolle Arbeit. Statt pauschaler Verdächtigungen brauchen sie vor allem eines: bessere strukturelle Rahmenbedingungen, ausreichend Personal und eine verlässliche Finanzierung der Geburtshilfe. Darauf sollten wir unsere politische Energie konzentrieren. Vielen Dank.

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