Horst Förster
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Zunächst, Herr Domke, ein Dank für Ihre Rede, die sich auch angenehm abhebt gegenüber den anderen Reden, die überwiegend Agitation sind! Frau Hoffmeister, an Sie möchte ich noch ein paar Worte richten, weil Sie mich gleichgesetzt haben in gewisser Weise – wahrscheinlich aus Gleichstellungsgründen – mit der Agitation von Herrn Noetzel. Sie haben hervorgehoben oder mir unterstellt, ich hätte die Einmaligkeit bestritten. Nein, das haben wir nicht getan, das habe ich auch in der Rede nicht getan. Natürlich, diese sozusagen fabrikmäßige Vernichtung von Menschen hat eine gewisse Einmaligkeit. (Julian Barlen, SPD: Aber nur eine gewisse.) Aber darauf so unendlich oft abzustellen, halte ich, (Thomas Krüger, SPD: Eine gewisse Einmaligkeit.) halte, halte ich für falsch, weil zahlenmäßig, wie schlimm auch das alles ist, immer ist es einzelnes, individuelles Leid, immer ist es einzelnes, individuelles Leid, auch wenn es sechs Millionen sind und auf der anderen Seite 1.000 oder wie viele auch immer. Also diese Einmaligkeit, die wir überhaupt nicht bestreiten, da aber alleine drauf abzustellen hier bei diesem Thema „Gedenken der Opfer des Nationalsozialismus“, das ist auch mehr als der reine Holocaust, viele dieser Opfer waren ja deutsche Juden und es waren ja auch nicht nur Juden, die darunterfallen. Und ich sage Ihnen, mein Vater, der in den letzten Tagen des Krieges gefallen ist, der ist für mich auch ein Opfer des Nationalsozialismus. Denn ich weiß von meiner Mutter, dass er alles andere als freudig in diesen Krieg zog und dann eben auch am Ende gefallen ist. Und diesen Fall der Kinder, dieser vielen Kinder dieses Schiffes, vollgepackt, 10.000 Menschen, überwiegend Frauen, Kinder, Flüchtlinge und über die Hälfte waren, glaube ich, Kinder, und da gibt es eine erschütternde Berichterstattung einer Krankenschwester, die zu den Überlebenden zählte und davon berichtet, dass sie das Lied „Alle meine Entchen“ nicht mehr hören kann, weil es sie daran erinnert, an die Tausenden toten Kinder, die mit dem Po nach oben, weil die Köpfe ja relativ schwer sind bei dem Alter, da in der See schwammen. Jedes einzelne Leid ist schrecklich, und das muss man hier auch in dem Sinne vergleichen und erwähnen dürfen. Und mein Gedanke ist eben nur in der öffentlichen Wahrnehmung, dass man, gerade in diesen Tagen, wo uns ein Krieg wieder nahegebracht wird, liegt nichts näher, als auch durch dieses Bildnis hinzuweisen auf das und wie unendlich schrecklich Krieg und die Folgen sind. Und, Herr Barlen und Frau Oehlrich, was soll ich dazu sagen? Sie haben bestätigt, was ich ja kritisiert habe, dass Sie die Toten benutzen für Ihren Machterhalt. Sie unterstellen alles Mögliche. Allein der ethnisch-kulturelle Volksbegriff, der nichts anderes bedeutet, als dass wir ein Volk auch schon vor 1871, vor der Reichsgründung waren und darauf abstellen, dass ein Volk, das durch Geschichte, Sprachkultur als Schicksalsgemeinschaft sich so empfunden hat, dass das nichts Verwerfliches ist, für Sie reicht das aus, ein Verbotsverfahren hier zu unterstützen. Sie sind Juristin und wissen ganz genau, dass die Voraussetzungen für ein Verbotsverfahren nicht da sind, denn sonst wäre es längst gestellt worden. Sie stellen sich hier hin und fordern das ganz primitiv auf dem Marktplatz, als ob Sie Birnen verkaufen. Das ist Ihre Rechtsauffassung. Meine Damen und Herren, ich habe mir das eigentlich anders vorgestellt. Sie, das linke Lager, haben hier diesen Tag auch heute hier missbraucht, indem Sie uns auf ekelhafte Weise alles Mögliche unterstellt, Aussagen verdreht haben. Und Sie haben eines deutlich gemacht – ich wiederhole es –: Sie benutzen die Toten für Ihren Machterhalt. (Torsten Koplin, Die Linke: Das weisen wir entschieden zurück.) Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD – Thore Stein, AfD: Ja, kannst ja machen.)
