Stephan J. Reuken
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Nicht nur in den neuen Bundesländern, auch in den alten Bundesländern weiß man die Produkte des VEB Fahrzeugbau- und Jagdwaffenwerkes „Ernst Thälmann“ aus Suhl zu schätzen. (Beifall Jens-Holger Schneider, AfD) Die Rede ist selbstverständlich von der Simson. Als Jugendlicher hatte ich selbst das Vergnügen, zwei Simson zu fahren. Ich hatte erst eine Schwalbe und dann eine S51. Jeder, der selbst mal Schwalbe gefahren ist oder S51, wird sie gleich am Geräusch oder am Geruch erkennen. Sehr geehrte Damen und Herren, mit unserem Antrag wollen wir sicherstellen, dass auch die seinerzeit für den Export gebauten Simson-Modelle die gleichen Rechte in Bezug auf die Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h in der Bundesrepublik genießen und auch bei der Zulassung keine unnötigen Steine in den Weg gelegt bekommen. Und auch wenn die Simson in Mitteldeutschland sogar noch weiter verbreitet ist als hier bei uns, so ist sie wohl bei uns am notwendigsten, denn hier sind die Wege am weitesten, die Busverbindungen sehr, sehr spärlich und der Bedarf an individueller Mobilität einfach riesengroß. Die Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen, ist für Heranwachsende unverzichtbar, und dazu gehört natürlich auch die Fortbewegung. Das erste Mal selbst mit der Simson zur Schule, zum Sport oder zum Kino fahren, das ist schon was ganz Besonderes. (Heiterkeit bei Thore Stein, AfD) Es gibt einem das Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD – Jens-Holger Schneider, AfD: Jawoll!) Gleichzeitig kommt hinzu, dass der Besitz eines Mopeds natürlich auch Verantwortung mit sich bringt – einerseits der Umgang mit dem Fahrzeug selbst, zum anderen will es auch instandgehalten und betankt werden. Als Nächstes ist nicht zu unterschätzen, welche Gemeinschaftsstrukturen sich um das Thema Simson bilden beziehungsweise schon gebildet haben. Das Schrauben im kleinen Freundeskreis oder auch die eingetragenen Vereine bereichern das Leben vieler Menschen bei uns im Land. Technisches Verständnis und Problemlösungen werden hier in der Praxis vermittelt. Mit dem Wissen der Älteren und den einschlägig bekannten Handbüchern wird die Simson wohl noch lange Zeit im Straßenbild präsent sein, und das freut mich auch persönlich sehr. (Beifall Jens-Holger Schneider, AfD: Jawoll!) Und damit bin ich schon bei meinem dritten großen Argument. Ich möchte nicht versäumen, hier zu betonen, wie nachhaltig das Produkt Simson tatsächlich ist. Fahrzeuge, die vor 40 oder 50 Jahren gebaut wurden, befahren noch heute die Straßen. (Dr. Daniel Trepsdorf, Die Linke: Sozialistische Qualität!) Und sicherlich werden Ersatzteile heutzutage nachgebaut, aber jeder, der schon mal selbst geschraubt hat, weiß, ein originales Ersatzteil ist im Vergleich unschlagbar. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD – Thore Stein, AfD: Genau!) In Zeiten von geplanter Obsoleszenz und immer schneller veraltenden technischen Standards setzen die Mopeds der Marke Simson tatsächlich einen Kontrapunkt, der zeigt, dass es auch anders geht, (Thomas Krüger, SPD: Ist das hier eine Werbeveranstaltung?) und daran können sich viele moderne Produkte ein Beispiel nehmen. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD – Zuruf von Jens-Holger Schneider, AfD) Sehr geehrte Damen und Herren, unser Antrag ist auf den 29. Oktober dieses Jahres datiert. Die Landesregierung teilte dann am 11. November per Pressemitteilung mit, dass sie sich des Themas per Kabinettsbeschluss widmen wolle. Den Punkt des Kulturguts spart die Landesregierung leider aus, was schade ist, denn ich möchte den Antrag eigentlich folgendermaßen verstanden wissen: Nicht nur die Initiativen, die die Pflege des Mopeds zum Ziel haben, sondern auch die Initiativen, die die Simson in den Stand eines Kulturgutes heben möchten, sollten Unterstützung finden. Die Landesregierung, (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) die Landesregierung soll sich ja nicht selbst aktiv für das Kulturgut Simson einsetzen. Das geschieht durch die Liebhaber der Simson von ganz alleine. Sehr geehrte Damen und Herren, das Thema lädt mich zumindest geradezu zum Schwärmen ein, und ich könnte noch reichlich Lobgesänge hier singen. Wir möchten mit unserem Antrag aber vor allem eine unnötige bürokratische Hürde beseitigen. Eine 1988 in Suhl gebaute Simson, die in der DDR zugelassen wurde, darf heute maximal 60 km/h fahren. Ein nahezu baugleiches Modell, das zur gleichen Zeit gebaut, aber in Tschechien zugelassen wurde, darf in Deutschland nur 45 km/h fahren. (Zuruf von Thore Stein, AfD) Und nur mit großer Mühe und einer Einzelprüfung ist ein Heraufsetzen der Geschwindigkeit möglich. Das ist unnötig und unfair, aber laut Kabinettsbeschluss sehen Sie das genauso. Man hätte im Kabinett noch einen Schritt weiter gehen können und der Simson als ostdeutsche Ingenieurskunst Wertschätzung zukommen lassen, indem man ihr einen Platz in der Ehrengarage gewährt hätte. (Beifall Jens-Holger Schneider, AfD) Das haben Sie nicht getan, aber da die Kernforderungen unseres Antrags umgesetzt werden, nämlich die Zulassung und die Höchstgeschwindigkeit, will ich es an dieser Stelle bewenden lassen und ziehe den Antrag zurück. – Herzlichen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD – Zuruf von Thore Stein, AfD)
