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Jeannine Rösler

Die Linke 12.12.2025 Sitzungen 8/123

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Abgeordnete! Mal ganz abgesehen, ob Plagiat oder nicht Plagiat, das Thema ist interessant und zugleich aber besonders sensibel, denn es geht ja um unsere Kleinsten, um die Kinder, die die Welt mit allen Sinnen entdecken durch Bewegung, durch Begegnung, durch Ausprobieren und durch ihre grenzenlose Neugier. Und nun sollen Künstliche Intelligenzen für Sprachförderung, für die Beobachtung und Dokumentation eingesetzt werden. Klar, auch wir wollen, dass pädagogische Fachkräfte weiter entlastet werden, aber die Kollegin Mandy Pfeifer, die ist darauf eingegangen, wie wichtig gute Sprachförderung gerade in den ersten Lebensjahren ist. Wenn KI dabei unterstützen kann, etwas zu vereinfachen, auch zu entlasten, dann kann das sicherlich hilfreich sein, aber der vorliegende Antrag der FDP, der geht weit darüber hinaus. Er fordert, KI-basierte Diagnosetools fest im Bildungs- und Förderkonzept der Kitas zu verankern, unter anderem zur frühzeitigen Erkennung von Sprachförderbedarf und zur individuellen Förderung besonders begabter Kinder. Das klingt erst mal ambitioniert, aber es ist gleichzeitig ein sehr großer Schritt in ein Feld, das eben wissenschaftlich noch in der Entwicklung ist. Und als Begründung wird ja das Projekt „Sprechen für die Zukunft“ genannt. Dort wird erprobt, ob KI Sprachaufnahmen aus dem Kitaalltag analysieren kann, um Auffälligkeiten im Spracherwerb frühzeitig zu erkennen. Die Idee erscheint erst mal faszinierend, eine Software hört mit, wertet kindliche Äußerungen aus, vergleicht Muster und gibt Fachkräften Hinweise. Und tatsächlich zeigen Pilotversuche, ja, es ist technisch machbar, ja, Datenschutz wurde auch streng beachtet, Zustimmung der Eltern eingeholt, und ja, Fachkräfte berichten auch, dass solche Systeme zusätzliche Perspektiven eröffnen können, besonders bei Lautbildung oder Satzstrukturen. Aber, und das ist entscheidend, diese Studien liefern bisher keine Wirksamkeitsnachweise, keine belastbaren Daten, die belegen, dass KI-basierte Systeme die Sprachentwicklung tatsächlich verbessern, Defizite schneller abbauen oder langfristig positive Effekte haben. Das Projekt befindet sich in der Erprobung. Es zeigt, was möglich ist, aber nicht, was pädagogisch sinnvoll oder wirksam ist. Und gerade in der frühkindlichen Bildung dürfen wir nicht vorlaufen, bevor wir wissen, wohin der Weg führt. Dabei ist das Land ja auch keineswegs untätig. Die Bildungsministerin hat über die Bildungskonzeption gesprochen. Die enthält ein eigenes Kapitel zur Medienbildung. Kinder sollen die Welt zuerst unmittelbar erfahren, durch Berührung, Bewegung, durch soziale Beziehungen, erst danach folgen sogenannte Sekundärerfahrungen durch Apps, Bilder oder digitale Medien. Diese Priorität schützt das, was frühe Bildung ausmacht, das eigene Erleben und Entdecken. Und auch bundesweit gibt es da keine flächendeckende Einführung von KI in Kitas. Überall gilt, erst erproben, dann auswerten und erst danach entscheiden. Also der FDP-Antrag will zu schnell zu viel, so will ich das mal sagen. Wo KI auf hochsensible Kinderdaten zugreift, müssen höchste Anforderungen gelten, Datenschutz, pädagogische Qualität und das Vertrauen der Eltern und Fachkräfte. Und was wird stattdessen benötigt? Erstens, glaube ich, klare, gut evaluierte Pilotprojekte in KI, freiwillig, eng begleitet und wissenschaftlich ausgewertet. Wir müssen wissen, entlastet KI tatsächlich die Fachkräfte, verbessert sie nachweislich die Sprachförderung. Und zweitens, wir benötigen ein belastbares Ethik- und Datenschutzkonzept, zugeschnitten auf die Frühpädagogik, mit Regeln zur Speicherung, Löschung, Weitergabe von Daten und natürlich zur Einwilligung der Eltern. Der Schutz der Kinder muss oberste Priorität haben. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, Die Linke und Constanze Oehlrich, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Dr. Daniel Trepsdorf, Die Linke: So ist das.) Und ich will vielleicht auch noch einen dritten Punkt nennen, der wichtig wäre: eine unabhängige Fachkommission, die Expertise bündelt, Pädagogik, Informatik, Datenschutz, Ethik und Kinderschutz. Gemeinsam muss der Mehrwert für Kinder bewertet werden. Und man könnte jetzt noch einen vierten Punkt anfügen: Forschung zur Frage, wie KI pädagogische Beziehungen beeinflusst. Ich glaube, keine noch so kluge Software darf diese Grundlagen der Pädagogik untergraben. Herzlichen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, Die Linke und Constanze Oehlrich, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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