Petra Federau
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Wenn wir heute über Childhood-Häuser sprechen, dann sprechen wir nicht über irgendeine Einrichtung, nicht über irgendeine Verwaltungsstruktur, wir sprechen über Einrichtungen, die als kindgerechte Anlaufstellen für Opfer und Zeugen von Gewalt dienen. Wir sprechen also über Kinder und Jugendliche, die das Schlimmste erlebt haben, was man einem jungen Menschen antun kann, wir sprechen über Kinder, deren Vertrauen zerstört wurde, deren Sicherheit in einem einzigen Moment zerbrach, deren Kindheit, deren Leben nie wieder dasselbe sein wird. Es sind unfassbare Schicksale, über die wir hier reden: Gewalt, sexueller Missbrauch, tiefes seelisches Leid. Und jedes einzelne dieser Schicksale sollte uns als Abgeordnete, als Erwachsene, als Eltern, als Menschen in diesem Land bis ins Mark treffen. Ich wünsche mir, und ich glaube, das teilen wir hier alle, dass kein einziges Kind jemals Opfer solcher Gewalt werden müsste, dass kein Kind jemals dieses unendliche Leid erfahren sollte. Aber die Realität ist leider eine andere. Und weil die Realität existiert und die Zahl der Taten steigt, trägt die Politik Verantwortung, hier endlich zu handeln, und sie trägt Verantwortung, diesen Kindern wenigstens nach der Tat beizustehen, ihnen Wege zu eröffnen, die sie nicht tiefer verletzen, sondern ihnen helfen, ihr Leben weiterzuleben. Und genau hier setzen die Childhood-Häuser an. Sie sind hoch professionelle, fachübergreifende Einrichtungen, an denen Kinder nicht erneut traumatisiert werden, Orte, an denen medizinische, psychologische und kriminalistische Arbeit zusammenfließen – kindgerecht, im Sinne des Kindes. Sie schaffen eine Atmosphäre, in der ein verletztes Kind nicht als Fall behandelt wird, sondern als Mensch, der Schutz und Hilfe braucht. Ein Childhood-Haus kann die Tat, kann den Schmerz nicht ungeschehen machen, aber die professionelle Arbeit in dieser Facheinrichtung kann dafür sorgen, dass ein Kind nicht noch mehr leidet. Es kann ein Stück Würde zurückgeben und damit einen entscheidenden Beitrag für das weitere Leben des betroffenen Kindes leisten. Es kann dafür sorgen, dass das Kind nicht am Leben verzweifelt, dass es nicht später versucht, sein Trauma mit Drogen zu betäuben, dass es nicht sogar Suizid begeht. Und genau weil diese Einrichtungen so wichtig sind, ist es schlicht bedauerlich, dass die Landesregierung es versäumt hat, diese Einrichtungen im gestern beschlossenen Kinderschutzgesetz von MV gesetzlich zu verankern, obwohl dies im Rahmen der Beratung im Sozialausschuss als Antrag zu diesem Gesetz gefordert wurde. Die Childhood-Häuser gehören nicht an den Rand, nicht in eine Fußnote, nicht in freiwillige Projektförderung, sie gehören ins Zentrum des Kinderschutzes in MV. Meine Damen und Herren, der heutige Antrag gibt Ihnen eine Chance, die Chance, dieses Versäumnis zu korrigieren, die Chance, das nachzuholen, was gestern versäumt wurde, und vor allem die Chance, den Forderungen zu folgen, die direkt aus den Expertenanhörungen selbst kommen, aus der täglichen Praxis, aus der Erfahrung von Polizei, Richtern, Ärzten, Psychologen und Sozialbetreuern mit den missbrauchten Kindern, aus dem Wissen darum, was wirklich hilft. Wir brauchen eine landesweite Abdeckung, wir brauchen ein Childhood-Haus in jedem der vier Landgerichtsbezirke. Wir brauchen eine gesetzliche Verankerung für verbindliche, traumasensible, videogestützte Vernehmungen, damit Kinder nicht mehrfach ihr Leid erzählen müssen. Meine Damen und Herren, diese Punkte sind eine fachliche Notwendigkeit, und es wäre ein starkes Signal, wenn dieser Landtag das anerkennt. Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass kein Kind unnötig und zusätzlich leidet, obwohl durch solche Facheinrichtungen, wie die Childhood-Häuser es sind, nämlich nachweislich geholfen werden kann. Lassen Sie uns auf den Weg bringen, dass kein Kind weite Wege und belastende Prozeduren durchlaufen muss, nur, weil es in der falschen Region in MV lebt. Mit der richtigen Hilfe von Anfang an können wir dafür sorgen, dass es den missbrauchten Kindern möglich ist, ihr Trauma zu verarbeiten und doch noch später ein normales Leben zu führen. Stimmen Sie dem Antrag zu! – Danke! (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD)
