Jeannine Rösler
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Wenn die CDU heute wieder „Bildungsnotstand“ ruft, dann klingt das dramatisch, ich würde sagen, dramatisierend. Die CDU spricht von einem Fehlstart für die junge Generation, und damit suggeriert sie, als würde in Mecklenburg-Vorpommern eine ganze Generation am Startblock straucheln, als würde ein jugendlicher Jahrgang nach dem anderen stolpern und fallen und niemand finge sie auf. Ich sage Ihnen, dieses Bild ist falsch. (Beifall vonseiten der Fraktion Die Linke und Philipp da Cunha, SPD – Michael Noetzel, Die Linke: Richtig!) Es ist überzeichnet und es entspricht nicht der Realität in Mecklenburg-Vorpommern. Wer so redet, der hat entweder die eigenen Zahlen nicht gelesen oder er hat ein politisches Interesse daran, das Land schlechtzureden, (Michael Noetzel, Die Linke: Genau!) aber vielleicht auch beides. (Zuruf von Enrico Schult, AfD) Wir wollen nicht über das CDU-Katastrophentheater reden, sondern über das, was tatsächlich passiert. Und ja, wir haben Herausforderungen. Fangen wir bei den Zahlen an. Ja, wir haben viele Jugendliche ohne Abschluss, 1.516 im vergangenen Schuljahr. Das ist eine Zahl, die auch uns besorgt. Nach aktuellem Bildungsmonitor 2025 liegt im Übrigen die Schulabbrecherquote im CDU-geführten Sachsen-Anhalt deutlich darüber. (Enrico Schult, AfD: Ach, das ist ja lustig!) Sie ist nämlich die höchste im Vergleich aller Bundesländer. Aber was Sie verschweigen, Mecklenburg-Vorpommern hat in den letzten Jahren den stärksten Rückgang der Abbrecherquote bundesweit geschafft. Und der aktuelle Anstieg, der passiert in allen Bundesländern und nicht nur bei uns, und darüber haben wir auch im Bildungsausschuss gesprochen. Bundesweit sind es mehr als 50.000 Jugendliche ohne Abschluss. Und wer da so tut, als hätte Mecklenburg-Vorpommern das Problem allein gepachtet, betreibt keine Aufklärung. (Beifall vonseiten der Fraktion Die Linke – Dr. Daniel Trepsdorf, Die Linke: Genau! – Zuruf von Enrico Schult, AfD) Und wissen Sie, wer besonders betroffen ist? Das sind Jugendliche, die erst seit Kurzem in Deutschland sind, die mit Sprachbarrieren kämpfen, mit traumatischen Fluchterfahrungen, mit sozialen Brüchen, vorwiegend Jugendliche, die vom Krieg in der Ukraine betroffen sind. Der Anteil von Jugendlichen mit nicht deutscher Herkunftssprache bei der Abbrecherquote ist gestiegen. Und wenn man das benennt, dann sollte man ihnen nicht gleichzeitig das Leben schwermachen, indem man im selben Atemzug gegen Migration hetzt. (Torsten Renz, CDU: Wer hat das denn gemacht? Wer hat das gemacht?) Das ist nicht glaubwürdig, und stattdessen gilt es hier zu differenzieren, ein Aspekt, dass viele von ihnen einen ukrainischen Schulabschluss absolvieren (Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) und dieser, wie wir wissen, hierzulande eben nicht anerkannt ist. Und jetzt kommen wir zu dem Teil, den Sie konsequent unterschlagen: (Sebastian Ehlers, CDU: Na, dann mal los!) Es gibt Erfolge, sogar große Erfolge. (Michael Noetzel, Die Linke: Richtig! – Zuruf von Torsten Renz, CDU) Ein sehr großer Teil der Jugendlichen schafft weiterhin einen anerkannten Abschluss, und zwar erfolgreich. (Zuruf von Torsten Renz, CDU) 2025 haben rund 4.600 Schüler/-innen das Abitur bestanden. Der landesweite Durchschnitt liegt bei 2,3. (Zuruf von Wolfgang Waldmüller, CDU) Bei der Mittleren Reife haben etwa 5.600 Jugendliche ihre Prüfung absolviert mit einem Durchschnitt von 2,5. Die Prüfungsleistungen 2025 zeigen erneut, dass die Qualität durchaus stimmt. Genau diese differenzierte Realität sollten wir zur Grundlage unserer Debatten machen und nicht ein einseitiges Untergangsbild. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und Die Linke) Genauso wenig, wenn es um Wiederholungen geht: Die Wiederholerquote ist auf 2,9 Prozent gesunken, das niedrigste Niveau seit Jahren. (Zuruf von Enrico Schult, AfD) Das Frühwarnsystem, das wir eingeführt haben, das wirkt. Die Schulen erkennen früher, wenn es brennt, (Torsten Renz, CDU: Was haben denn Frau Hesse und Frau Martin vorher alles gemacht?) wenn es brennt, und löschen, bevor es eben lodert. Das ist präventive Bildungspolitik. Aber klar, Erfolgsmeldungen passen nicht zur Untergangsfolklore der CDU. Und ein anderes Beispiel, das freiwillige zehnte Schuljahr: 320 Jugendliche nutzten es 2023/24, und 83 Prozent von ihnen haben danach ihren Schulabschluss geschafft. Wenn vier von fünf Jugendlichen, die fast am Rand standen, zurückkommen und ihren Schulabschluss schaffen, dann ist das kein Notstand, sondern eine Erfolgsgeschichte, und zwar eine, die Zukunft schreibt. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und Die Linke) Auch praxisorientierte Wege funktionieren. 669 Jugendliche erreichten ihren Abschluss über produktives Lernen oder Berufsreife dual. Das ist Bildung zum Anfassen und für viele eine sehr wichtige Erfahrung, nämlich ich kann etwas. Und jetzt zum Lieblingsthema der CDU, (Torsten Renz, CDU: Ja.) zum Unterrichtsausfall. (Torsten Renz, CDU: Ja.) 96,7 Prozent des Unterrichts wurden erteilt, (Zuruf von Torsten Renz, CDU) 96,7 Prozent des Unterrichts wurden erteilt, der Ausfall liegt bei 3,3 Prozent und ist im Vergleich zum Vorjahr gesunken. (Heiterkeit bei Michael Noetzel, Die Linke: Das ist ja unerhört! – Heiterkeit und Zuruf von Enrico Schult, AfD – Zuruf von Torsten Renz, CDU) Mehr Vertretungslehrkräfte, längere Einsatzzeiten, bessere Vergütung, Stundenkonten, digitale Landesschule, multiprofessionelle Teams – das wirkt. Punkt! Und jetzt kommt die Passage, die Ihre ganze Notstandsinszenierung zum Einsturz bringt, die Lehrkräftegewinnung. Zum Schuljahr 2025/26 wurden 675 neue Lehrkräfte eingestellt. Das sind sieben Prozent mehr als noch im Vorjahr und die zweithöchsten Einstellungszahlen der letzten zehn Jahre. Zusätzlich haben wir 674 Referendarinnen und Referendare im Vorbereitungsdienst. (Der Abgeordnete Torsten Renz bittet um das Wort für eine Anfrage.) Zusammen mit rund …
