Anne Shepley
Und ich möchte die letzten paar Minuten meiner Redezeit dafür nutzen, Ihnen ein Gespräch weiterzugeben, was ich mit einem jungen Mann geführt habe: „Dann gab es Mittag, wir standen alle da und haben auf Suppe gewartet. Und ich habe mich mit einem jungen Mann unterhalten, der vorher ans Mikro getreten war, was sehr viel Mut erfordert hat in einem Raum von hundert Leuten.“ (Vizepräsidentin Elke-Annette Schmidt übernimmt den Vorsitz.) „Können Sie sich vorstellen, Sie sind langzeitarbeitslos und Sie treten da ans Mikro, das ist eine ganz große, schwierige Situation gewesen. Und der hatte erzählt, er ist jetzt wahrscheinlich bald in Arbeit nach mehreren Jahren der Suche. Und ich habe ihn gefragt, was hat es denn gebraucht? Und er hat gesagt, es hat eine Person gebraucht, und das hatte er auch vorher in seinem Wortbeitrag gesagt, eine Person, die ihm geholfen hat, die ihn an die Hand genommen hat und die gesagt hat, du brauchst keine Angst zu haben, ich mache dir Mut, ich helfe dir auf dem Weg, denn es gibt ganz viele psychologische Hürden.“ Und ich muss mal ganz ehrlich sagen, wahrscheinlich keine Person in diesem Raum weiß überhaupt, was das heißt, langzeitarbeitslos zu sein. Wir haben alle überhaupt keine Ahnung. Und deswegen möchte ich Sie ermuntern, gerade Sie, Herr Peters – und ich nehme Ihnen wirklich ab, dass Sie vielleicht auch die soziale Spaltung in diesem Land irgendwie bekämpfen wollen, das kann ich Ihnen nicht absprechen hier –, aber gehen Sie zu den Leuten (Jens Schulze-Wiehenbrauk, AfD: Wir sind bei den Leuten!) und hören Sie denen mal zu! (Zuruf von Jens Schulze-Wiehenbrauk, AfD) Und diese Frage, die ist ja heute auch schon gekommen: Mit wie viel Bürgergeldempfänger/-innen haben Sie denn gesprochen? Und ich ziehe mir den Schuh auch sehr gerne selber an, weil wir leben alle in unseren Bubbles. Aber wir werden doch die sozialen Probleme dieser Zeit, diese Spaltung, die angesprochen ist, diese Umverteilung, die wir dringend brauchen ... Deswegen verstehe ich auch nicht, warum Sie das Argument von Herrn Noetzel nicht einfach mal nehmen. (Beifall vonseiten der Fraktion Die Linke) Das gehört sehr wohl zusammen, dass die Reichen immer reicher werden und die Armen immer ärmer und dass der Struggle einfach mal real ist für die meisten Leute in diesem Land. Und dann müssen Sie auf die Leute zugehen (Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) und Sie müssen auch mal zuhören.
