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Jeannine Rösler

Die Linke 14.11.2025 Sitzungen 8/120

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Abgeordnete! Stellen Sie sich eine Sachunterrichtsstunde mit folgendem Thema vor: Wie verändert sich unser Alltag durch Technik? Die Kinder vergleichen Telefone von früher und von heute, blättern in alten Zeitungen und nutzen Tablets, um ihre Beobachtungen in kleine Präsentationen zu verwandeln und sie dann auch so zu präsentieren. Sie lernen dabei auch, Medien zu nutzen und zu reflektieren. Medienkompetenz in der Grundschule bedeutet, ein kleines Hörspiel aufzunehmen, ein kleines Erklärvideo zu drehen, Informationen von einer Kinderwebseite auch kritisch zu prüfen. Und all das, das ist geforderter und gelebter Rahmenplan. Ein pauschales Verbot digitaler Geräte, das selbst schulische, also schulisch bereitgestellte Tablets trifft, würde, glaube ich, solche Lernformen nicht möglich machen in diesem Sinne. (Beifall vonseiten der Fraktion Die Linke – Dr. Daniel Trepsdorf, Die Linke: So siehts aus. – Zuruf von Daniel Peters, CDU) Keine Handys, keine Tablets, keine Smartwatches in der Grundschule, Medienbildung soll bitte ohne Medien stattfinden. (Ann Christin von Allwörden, CDU: Das stimmt ja nicht.) Ich glaube, das funktioniert nicht. Schauen wir mal auf die Rahmenpläne, insbesondere für den Sachunterricht in der Grundschule. Diese fordern ausdrücklich den Erwerb von Medienkompetenz. Kinder sollen lernen, digitale und analoge Medien sachgerecht, kritisch und kreativ zu nutzen. Medienbildung ist dort eben kein Extra und nichts Zusätzliches, sondern sie ist ein Querschnittsthema, verankert unter der Überschrift „Bildung in der digitalen Welt“. Und da wäre die Frage, wie die CDU hier ihr Ansinnen einordnet. Dazu können Sie ja vielleicht noch mal was sagen. (Daniel Peters, CDU: Machen wir.) Auch in der Bildungskonzeption für Mecklenburg-Vorpommern wird sehr deutlich formuliert, dass Medienbildung ein durchgängiges Prinzip aller Bildungsprozesse ist, von der Kita bis zur Berufsschule. Wörtlich heißt es dort: „Bildung beginnt von Geburt an. In einer durch digitale Medien geprägten Welt müssen Kinder frühzeitig in ihrer Medienkompetenz gestärkt werden.“ Und dabei geht es ausdrücklich nicht darum, dass Zweijährige in der Kita oder in der Krippe Tablets oder Smartphones in die Hand bekommen, es geht darum, dass sie Medien bewusst erleben und mit pädagogischer Begleitung auch verstehen lernen. Beispielsweise nehmen sie Geräusche auf, um diese dann auch selber wiederzugeben, oder sie arbeiten mit digitalen Mikroskopen, um Käfer zu beobachten, oder gestalten Fotoprojekte zur Tierwelt im Kitagarten beispielsweise. Das sind erste Bausteine von Medienbildung, kindgerecht, kreativ und reflektiert. Und nun stellen wir uns vor, diese Kinder kommen dann mit sechs Jahren in die Schule, mit ersten Erfahrungen, durchaus auch im digitalen Erzählen, mit Neugier, mit Fragen. Und dann? Dann sagt die Schule, das geht jetzt nicht mehr, wir verbieten dir das. Ich glaube, das wäre pädagogisch nicht so sinnvoll. (Daniel Peters, CDU: Also das ist ja wirklich ein Skandal, was die Frau da erzählt.) Alle Bildungsphasen sollen ja auch aufeinander aufbauen. (Zuruf von Daniel Peters, CDU) Ich frage mich: Kann man wirklich Medienkompetenz ohne digitale Medien vermitteln, (Ann Christin von Allwörden, CDU: Nee, das ist auch nicht die Frage.) zumal Kinder im privaten Umfeld ständig mit ihrer digitalen Umwelt konfrontiert sind? Medienbildung beginnt früh und sie braucht pädagogische Begleitung, keine pauschalen Verbote. Es ist hier jetzt schon deutlich geworden, in der öffentlichen Anhörung im Bildungsausschuss im Mai wurde das genau so auch hervorgehoben. Dort äußerten sich die Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Schulleitungen, Elternschaft und Schülervertretungen klar gegen starre Verbote. Entscheidend für den Lernerfolg ist nicht das Ob, sondern das Wie der Mediennutzung. Und die Empfehlungen des Bildungsministeriums will ich hier auch gerne noch mal, einen Satz daraus, zitieren: „Weder Handys, Tablets oder Smartwatches sollten komplett verboten werden. Sinnvoller ist es, das Alter, den Umfang und die Art und Weise der Nutzung digitaler Geräte differenziert zu betrachten und schulinterne Regelungen zu treffen.“ Und genau das ist der richtige Weg. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, Die Linke und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Alle Reden von Jeannine Rösler Protokoll ↗