Anne Shepley
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Abgeordnete der demokratischen Fraktionen! Es wurden heute hier schon sehr, sehr viele Themen angesprochen. Ich möchte jetzt nicht alles wiederholen. Ich danke meinen Vorrednerinnen von den Linken und von der SPD und auch von der CDU für die Ausführungen – wir haben also das Thema Einsamkeit schon von sehr vielen Seiten heute betrachtet – und der Ministerin natürlich auch. Erlauben Sie mir, noch ein paar Punkte starkzumachen, die teilweise auch schon erwähnt wurden. Aber vorwegschicken möchte ich auf jeden Fall, dass wir uns als Fraktion genau wie viele hier in diesem Raum sehr einig sind, dass es von der Koalition richtig war, das Thema Einsamkeit anzugehen, und dass auch dieser Runde Tisch dazu einberufen wurde, das fanden wir eine sehr, sehr gute Sache und können das nur unterstützen. Einsamkeit ist gerade hierzulande, und das hat meine Kollegin Frau Schmidt bereits gesagt, auch ein massives Problem für junge Menschen, nicht erst, aber verstärkt seit den Einschränkungen der Corona-Pandemie. Das erfahren wir immer wieder in den Anhörungen aus dem Beteiligungsprozess der parallel arbeitenden Enquete-Kommission. Vor allem in unseren strukturschwachen ländlichen Gebieten, aber auch in unseren sozial tief gespaltenen urbanen Quartieren stehen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene allzu häufig vor den gleichen Teilhabeeinschränkungen wie viele Senior/-innen. Wo das Einkommen, die Mobilität, die Digitalisierung fehlt oder zu schwach ist, da droht und grassiert Einsamkeit. Bei jungen Menschen kommt gegenüber den Alten noch hinzu, dass sie die deutlich kleinere Gruppe sind, daher noch weiter verstreut leben, eine kleinere Lobby haben und mit den seelischen, körperlichen und sozialen Folgen ihrer Einsamkeit noch ein ganzes vor ihnen liegendes Leben zu kämpfen haben. Auch der neue Landesverband der Kinder- und Jugendräte, der Landesschülerrat und der Landesjugendring müssen daher künftig am Runden Tisch gegen Einsamkeit Platz nehmen können. Junge Menschen dürfen gerade in dieser Frage nicht schon wieder vergessen werden. Einsamkeit ist hier wie weltweit überwiegend weiblich und in besonders hohem Maße queer. Mädchen, Frauen, intersexuelle, nonbinäre, trans- und asexuelle Personen sind nach wie vor im patriarchalen Mainstreaming klar unterrepräsentiert und folglich von Einsamkeit am meisten bedroht und betroffen. Also müssen auch Institutionen wie der Landesfrauenrat und die queeren Verbände mit an den Tisch gegen Einsamkeit. Einsamkeit hat gerade in MV einen Migrationshintergrund. Deshalb müssen wir Zugewanderte umfassend, schneller und besser integrieren. (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Die Migrant/-innennetzwerke gehören damit mit in die Runde. Und dort, wo eine mehrfache Betroffenheit von Migration, Geschlecht, Orientierung, Alter, Bildung, Einkommen, Wohnlage, was auch immer, mehrfache Einsamkeitsrisiken birgt, da müssen wir auch besonders aufmerksam hinschauen. Mein letzter Punkt, und auch das ist heute schon angeklungen, wie geht es denn jetzt weiter. Der Runde Tisch hat Handlungsempfehlungen vorgelegt, die es nun in konkrete Maßnahmen umzusetzen gilt. Und da bin ich natürlich auch bei der Kollegin von der CDU, wir dürfen ja hier jetzt nicht stehen bleiben. Und ich freue mich sehr zu hören, dass bereits erste Schritte jetzt bald gegangen werden. Wir sagen ganz klar, es braucht eine integrierte, fortgeschriebene Landesstrategie gegen Einsamkeit, basierend auf fünf jährlichen Berichten, (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Oh ja!) unter Beteiligung der Betroffenen, wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Und das wäre unsere Antwort, wie es weitergehen kann. Werte Kolleg/-innen, damit niemand in MV sich allein und einsam fühlt, müssen wir die Menschen in der ganzen Vielfalt mitdenken und an einen Tisch bringen, denn egal, wie alt ich bin, wen ich liebe oder woher ich komme, Einsamkeit kann uns alle treffen. Es ist unsere Aufgabe als Politik und als Gesellschaft, allen einsamen Menschen die Hand zu reichen. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, Die Linke und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Liebe Kolleg/-innen, lassen Sie uns also nicht nur Berichte und Aussprachen beraten, sondern auch Strategien und Anträge zur Bekämpfung von Einsamkeit beschließen! – Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall vonseiten der Fraktionen Die Linke und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
