Horst Förster
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Im Alter braucht man ein bisschen mehr Zeit, wie man schon gehört hat. (Heiterkeit vonseiten der Fraktion der AfD) Also das ist ein wichtiges Thema, das ist völlig klar. Aber um ganz an der Spitze das gleich zu sagen, es ist ein völliger Irrglaube, dass der Staat alles überall regeln muss. (Heiterkeit vonseiten der Fraktion der AfD) Zuletzt haben wir jetzt gehört, er muss nicht nur in die Altersarmut regulierend eingreifen, planen, er muss das über mehrere Jahrzehnte tun und muss sogar die jungen Leute, die vereinsamen, aus welchen Gründen auch immer, mit einbeziehen. Das zeigt im Grunde, dass das alles völlig überfordernd ist. Aber der Bericht, ich fange jetzt mal an, beschreibt umfänglich die Situation von einsamen oder von Einsamkeit bedrohten Menschen und legt eine Fülle von Handlungsempfehlungen vor. Damit werden Maßnahmen zur Prävention und zur Linderung der Einsamkeit vorgeschlagen. Die Handlungsempfehlungen und die vorgeschlagenen Maßnahmen mögen für sich betrachtet alle ganz sinnvoll sein, dennoch stellt sich die Frage, wie praktikabel und umsetzbar sie wirklich sind. Viele Forderungen sind nicht neu und werden bereits umgesetzt, wenn auch noch nicht im gewünschten Umfang, zum Beispiel Barrierefreiheit. Dann lesen wir von Informations- und Beratungsangeboten, von Gemeinschaftsräumen, von Mitfahrgelegenheiten, von Mobilität, ein Problem für alle auf dem Land, von Plauderbänken, ganz einfach, wenn sie denn auch genutzt werden, von sogenannten Wohnpartnerportalen, zum Beispiel Aufnahme von Flüchtlingen (Unruhe vonseiten der Fraktionen der SPD, CDU und Die Linke – Glocke der Vizepräsidentin) oder jungen Leuten gegen Hilfe im Haushalt, eine in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht Hochrisikoidee, dann Projekte, die sich überschneiden, zum Beispiel „Rollstuhlpilot“ und „Rollator-Walking ‚Raus aus dem Sessel – ran an den Rollator‘“. Ich sehe viele Projekte unkoordiniert nebeneinander, mit vielen Fördertöpfen und ganz viel Bürokratie. Und was die Ministerin eben hier in aller Breite ausgeführt hat, das ist ja alles richtig, aber es sind doch alles Probleme, die es jetzt schon in jeder Lebensphase gibt: – Wohnsituation für Eltern mit Kindern, bezahlbarer Wohnraum, für Alte noch schlimmer, – digitale Kenntnis oder Unkenntnis oder der Wunsch, digitale Kenntnisse zu erlangen – ja, da braucht man Hilfe, bei jungen, bei mittleren, überall –, (Elke-Annette Schmidt, Die Linke: Ja, eben.) – dann die Frage der ärztlichen Versorgung, speziell auf dem Land, – die Frage der Mobilität, Verkehr. Das sind alles Probleme, die es natürlich vorher gibt und wo es völlig falsch ist, jetzt den Blick auf die Alten zu werfen, die vereinsamen, und wo man jetzt mit all diesen Mitteln, also all diese Problemfelder, die es für alle schon vorher gibt, die jetzt hier speziell, denen eine spezielle Bedeutung gibt. Das ist der ganz große Fehler. Und im Übrigen, so viele Projekte, derer es bedürfte, um diese Gruppe, ein Drittel, von 50 bis 80 oder bis 90, um die alle entsprechend zu bedienen (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) und sozusagen aus ihren einsamen Löchern herauszuholen und ihnen jetzt bewusst zu machen, wie einsam sie sind, das überfordert jeden Staat, das ist völlig illusionär. Im Übrigen, Sie haben auch eine interessante – ich erinnere mich –, interessante Definition hier drin. Einsamkeit, glaube ich, ist das, wenn man im Grunde Kontakte wünscht und die aber nicht haben kann. In der echten Einsamkeit vieler alter Menschen ist genau die Situation so, dass die vielleicht noch ganz gut, die wollen gar nicht mehr raus irgendwo, und das kriegen sie auch nicht hin. Oder Sie müssten jedem dann noch eine lange Betreuung/Therapie geben. Also ich sehe in dem Bericht auch die Bestätigung dessen, was jeder weiß, die Situation im Alter ist wesentlich vorherbestimmt von dem Leben davor. Wer vorher seine Freizeit im Wesentlichen vor dem Fernseher oder mit seinem Smartphone verbracht hat, der wird sich im hohen Alter nicht umerziehen lassen. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Eben.) Und wer sein Leben aktiv gestaltet hat, bedarf auch im Alter nicht der staatlichen Betreuung. Das Problem des Alterns und der Einsamkeit im Alter ist ein Phänomen unseres natürlichen, endbestimmten Seins, das immer noch überwiegend in den Familien stattfindet. Und damit sind wir bei den Wurzeln des Problems, der teilweisen Auflösung der Familien. Die alten Menschen wurden früher von den Familien aufgefangen. Sie hatten dort auch nach dem Berufsleben noch Aufgaben. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Eben.) Sie halfen im Haushalt und kümmerten sich um die Enkelkinder. Das hat sich grundlegend geändert. Die natürlichen Bindungsstrukturen sind weitgehend weggebrochen, und dennoch sind die Familien immer noch die größte Stütze für die alten Menschen. Wir müssen uns auch auf diesem Gebiet von der Vorstellung lösen – ich sagte es bereits, aber ich wiederhole es hier noch mal –, dass der Staat für alles zuständig ist und alles richten kann. Zu Recht wird gefordert, dass ein jeder für sein Alter vorzusorgen hat. Ich vermisse in dem Bericht die These, dass zur Altersvorsorge auch die Vorsorge zur Vermeidung von Einsamkeit gehört. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Völlig tabuisiert wird in dem Bericht das Problem der Kinderlosigkeit. Kinderlosigkeit ist zweifelsfrei der größte Risikofaktor für Vereinsamung. Kinder und Enkelkinder sind für alte Menschen immer noch ein unersetzlicher Faktor sinnvoller und befriedigender Beschäftigungen. (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) Und sie sind am Ende oft der einzige Halt, den ein Mensch noch hat. Ich weiß, wovon ich rede. Meine Mutter wurde 91 Jahre alt und ich war ihr einziges Kind. Angesichts der katastrophalen demografischen Entwicklung wird sich die Problematik des Alleinseins im Alter und damit auch der Vereinsamung eher verschlimmern als verbessern. (Zuruf von Elke-Annette Schmidt, Die Linke) Und ich will es ganz deutlich sagen, wer in jungen Jahren im Kinderwagen seinen Hund ausgeführt oder um der Karriere willen auf Kinder verzichtet hat, der kann im Alter nicht den Staat um Hilfe gegen seine Vereinsamung anrufen. Apropos Hund: Ich vermisse in dem Bericht den Dackel. (Heiterkeit vonseiten der Fraktion der AfD) Ein Haustier ist nämlich eine wahre Wunderwaffe gegen Vereinsamung. (Zuruf von Martin Schmidt, AfD) Ein Haustier ersetzt sozusagen den fehlenden Partner und reduziert die Gefühle von Isolation und Einsamkeit. Zudem bringt es Struktur in den Tagesablauf (Heiterkeit bei Ministerin Stefanie Drese: Oh Gott!) und sorgt für Bewegung und Kommunikation mit anderen Tierhaltern. Aber da fehlt mir noch eins, was ich auch sagen wollte, es wächst ja auch vieles ganz alleine aus den Situationen heraus. Denken Sie nur an Ihre OMAS GEGEN RECHTS! (Heiterkeit bei Petra Federau, AfD) Was für eine tolle Institution! Das ist nicht staatlich geplant. (Heiterkeit und Zurufe vonseiten der Fraktion der AfD: Doch! Doch!) Das ist zwar staatlich gefördert wie so vieles, (Zuruf vonseiten der Fraktion der AfD: Bisschen!) aber es ist aus sich heraus gewachsen, und wir werden trotzdem (Elke-Annette Schmidt, Die Linke: Tolle Geschichte, find ich auch.) nicht die Gruppierung der Opas gegen links machen, weil wir so dumm nicht sind. (Zuruf von Jeannine Rösler, Die Linke) Vielen Dank! (Beifall und Heiterkeit vonseiten der Fraktion der AfD – Zuruf von Hannes Damm, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
