Horst Förster
Ja, vielen Dank! Herr Miraß, alles, was Sie gesagt haben zu Ihren Erfahrungen und der persönlichen Kontakte und des guten Verhältnisses, da rennen Sie bei uns offene Türen ein. Aber Sie haben gefragt, wieso, was wir überhaupt kritisieren an dem Antrag. Wenn Sie den Antrag lesen, schriftlich, wie er da verfasst ist, und wie Herr Krüger ihn eingebracht hat, ist ein großer Unterschied. Nach diesem Antrag gibt es nur einen Buhmann – Deutschland, wie immer. Und Herr Krüger – und ich glaube nicht, dass er das, ohne unseren Änderungsantrag das gemacht hätte – hat zum ersten Mal hier auch die andere Seite, die russische Seite mit ins Feld geführt. (Thomas Krüger, SPD: Träumen Sie weiter!) Das macht schon einen wesentlichen Unterschied. (Julian Barlen, SPD: Keine Bildung ist auch eine Bildung, ne?!) Also das, wie Sie hier reden, ist nicht der Geist dieses schriftlichen Antrags. Und die Grenze – Sie schildern die Ängste der Polen, ja, es geht ja nur darum, auch das noch im Kopf zu haben als historische Wahrheit –, diese Grenze hatte natürlich für die Polen immer diese Unsicherheit. Das habe ich auch … Ich war nach der Wende mehrfach in Polen, und man hat auch gesehen, wie es sich so veränderte, (Zuruf von Rainer Albrecht, SPD) insbesondere wenn man dann dorthin fuhr, wo die Vorfahren mal gelebt haben. Da haben wir ja heute schon mal drüber gesprochen, völlig klar. Aber es ist ja wirklich auch eine ganz besondere Grenze. Es ist, glaube ich, in der europäischen Geschichte einmalig, dass eine solche Grenze entsteht aufgrund einer Vertreibung in dieser Größenordnung. Und dass dadurch bei den Polen diese Unsicherheit bestand, ist doch völlig klar. Aber dass diese Ängste auch waren, das ist Folge der Vertreibung, aber doch nicht uns… Also gut, man kann es empfinden, aber dafür müssen wir uns doch nicht entschuldigen. Und deshalb ist dieser Grenzvertrag wichtig, weil man Realitäten irgendwann nicht mehr leugnen kann und weil wir alle in Frieden leben wollen. Aber das ist doch alles, diese Grenze ist nicht irgendwie die Folge einer Volksabstimmung oder eines gerechten Interessenausgleichs. Es ist die Folge eines von Deutschland begonnenen Krieges mit fürchterlichen Folgen. Und das ist das Diktat, das ist das Ergebnis, die Belohnung oder die Strafe. Aber wir können doch nicht so tun, als ob das irgendwo eine gewachsene, vernünftige Grenze wäre. Es ist die Grenze der Anerkennung einer riesigen, in der europäischen Geschichte einmaligen Größenordnung von Vertreibungen. Und das muss man, darf man im Kopf …
