Steffi Pulz-Debler
Ja, Frau Präsidentin, Liebe Kolleg/-innen, vorab einmal herzlichen Dank für die Debatte, die doch in den meisten Zügen sehr von Empathie getragen wurde! Ich glaube, das wird diesem Thema auch einfach nur gerecht. Noch einmal zur AfD und auch zur CDU, die so ein bisschen – was soll das Ganze hier eigentlich jetzt, und Schaufenster hin und Schaufenster her: Nein, der Antrag ist, wie bereits die Kollegin Shepley erwähnt hat, aus dem Juli, und die Unterstützung stand sehr wohl auf der Kippe, das habe ich erwähnt. Und die Betroffenen waren bis Mitte letzten Monats in Unsicherheit, weil der Bundeshaushalt einfach nicht beschlossen war. Von daher ist der Antrag und die Initiative zu diesem Antrag, glaube ich, begründet – ohne „glaube ich“ begründet, sie ist begründet. Ich möchte abschließend aber den Fokus noch einmal darauf lenken, dass sich der Familienbegriff auch in der Bundesrepublik Deutschland weiterentwickelt hat und natürlich weitergedacht werden muss, und das einfach deshalb, weil sich das Leben, die Lebenswirklichkeit vieler Menschen hier in unserem Land ganz einfach weiterentwickelt. Menschen sollen sich frei von Existenzangst und Diskriminierung entfalten können, Menschen sollten sich frei für Kinder entscheiden können. In vielen Ländern Europas, selbst im katholischen Irland und darüber hinaus in Großbritannien, Portugal, Spanien, Belgien, Dänemark, Schweden, Finnland und den Niederlanden, ist die Kinderwunschbehandlung für alleinstehende Frauen und lesbische Paare erlaubt, in Österreich gilt dies für lesbische Paare, in Griechenland, für Kroatien, Ungarn, Lettland und Estland gilt dies auch für alleinstehende Frauen. Bei der Weiterentwicklung und der Förderung des Kinderwunsches und seiner Erfüllung sollten wir also sowohl die Benachteiligung unverheirateter Paare beenden als auch den Kreis der zu fördernden erweitern. Denn wir wollen ein Kinderland sein, und wir sollten allen Paaren, aber auch alleinstehenden Frauen gleichberechtigt die Möglichkeit eröffnen, sich den Wunsch zu erfüllen, ein Kind zu bekommen. Ich möchte noch einmal abschließend auf die Ursachen eingehen, die einem unerfüllten Kinderwunsch zugrunde liegen können. Etwa 50 Prozent der Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch haben Endometriose. Die monatliche Empfängnisrate gesunder Paare liegt bei 15 bis 20 Prozent, bei Endometriosebetroffenen je nach Schwere bei maximal 4,5 Prozent. Dabei sind Endometriose oder auch andere verwandte Problematiken nicht nur im Kinderwunsch, sondern auch im Alltag einschränkend, Stichwort „starke Schmerzen“. Leider ist die Forschung in diesen Gebieten massiv unterfinanziert. Das Bekenntnis zum besseren Verständnis dieser Krankheiten hat die Bundesebene in ihrem Koalitionsvertrag abgegeben, wir wollen gemeinsam mit unserer Bundestagsfraktion hier aber auch genau hinschauen und uns für Endometrioseforschung einsetzen. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, Die Linke und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Dr. Daniel Trepsdorf, Die Linke: Wichtiges Thema.) Zusammenfassend: Es gibt noch einiges zu tun. Wir bleiben dran und stehen an der Seite der Betroffenen. – Danke schön! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, Die Linke und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
