Anne Shepley
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Lassen Sie mich voranstellen ein Wort in Richtung Frau Federau, die jetzt nicht mehr da ist. Also, sich hier hinzustellen und zu sagen, dieser Antrag ist ja völlig aus der Zeit gefallen und den brauchen wir nicht mehr, da wäre ich ja vielleicht die Erste, die auch als Oppositionspolitikerin da irgendwie auch sagen würde, ja, aber bei diesem Antrag, den wir jetzt, glaube ich, zum dritten Mal auf der Plenarsitzung haben, der leider die letzten Male immer runtergefallen ist, (Torsten Koplin, Die Linke: Überläufer, Überläufer.) jetzt zu sagen, ist doch alles schon im Haushalt – tut mir leid, also da müssen Sie mal auf die Daten gucken, ja! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, Die Linke und Dr. Harald Terpe, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Das funktioniert so leider nicht. Aber lassen Sie uns vielleicht jetzt inhaltlich sprechen! Wir haben es heute schon gehört, ungewollte Kinderlosigkeit ist kein Randphänomen, sie betrifft in Mecklenburg-Vorpommern zahlreiche Paare, quer durch alle gesellschaftlichen Gruppen, und sie ist eine Belastung, emotional, körperlich und nicht zuletzt auch finanziell. Darum unterstützen wir als bündnisgrüne Fraktion ausdrücklich diesen Antrag. Er ist ein wichtiges Bekenntnis zu einer solidarischen und gerechteren Familienpolitik. Denn der Wunsch nach einem Kind, der darf nicht am Kontostand scheitern, meine Damen und Herren. (Beifall Dr. Harald Terpe, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, und Sandy van Baal, fraktionslos) Schon jetzt leistet das Land – genau, bitte gerne Applaus dafür –, schon jetzt leistet das Land einen wertvollen Beitrag, indem es gemeinsam mit dem Bund Kinderwunschbehandlungen bezuschusst, und das nicht nur für Ehepaare, sondern auch für Paare in dauerhaften Lebensgemeinschaften. Das ist gut, das ist notwendig und das muss unbedingt fortgeführt werden. Gleichzeitig möchte ich betonen, aus grüner Sicht ist Familienpolitik nicht nur konservative Reproduktionsförderung. Es geht um Selbstbestimmung, um Vielfalt und um Gerechtigkeit. Gesundheitspolitisch bedeutet das konkret: Erstens, Zugangsgerechtigkeit stärken. Der Zugang zu reproduktionsmedizinischen Angeboten muss unabhängig von Wohnort und von der Lebensform sichergestellt werden. Es darf einfach nicht sein, dass Behandlungen nur dann möglich sind, wenn das Paar heterosexuell, verheiratet und wirtschaftlich gut gestellt ist. Deshalb begrüßen wir, dass auch Behandlungen in angrenzenden Bundesländern gefördert werden. Gleichzeitig fordern wir langfristig eine bundesweite Lösung, die auch alleinstehende und queere Menschen mitdenkt. (Beifall Dr. Harald Terpe, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, und Sandy van Baal, fraktionslos) Zweitens, zweitens, Aufklärung und Prävention ausbauen. Wir brauchen mehr Sensibilisierung für reproduktive Gesundheit, das ist heute auch schon angesprochen worden, vor allem in der Schule und auch für Männer. Der Zugang zu Informationen darf keine Hürde sein, denn wer Entscheidungen treffen will, braucht nicht nur Geld, sondern auch das entsprechende Wissen. Und drittens, psychosoziale Begleitung sichern. Kinderwunschbehandlungen sind oft sehr kräftezehrend. Neben der medizinischen Versorgung braucht es wohnortnah kostenlose psychosoziale Beratungsangebote, meine Damen und Herren. (Beifall Dr. Harald Terpe, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Liebe Kolleg/-innen, wir leben in einer Zeit, in der politische Kräfte wieder stärker über die Definition von Familie streiten, oft rückwärtsgewandt, häufig ausgrenzend. Umso wichtiger ist es, dass wir hier in diesem Haus heute darstellen und klarstellen, Familienvielfalt ist Realität. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, Die Linke und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Und unser gemeinsames Ziel ist es, allen, die sich für Kinder entscheiden, mit Respekt, mit Unterstützung und mit Fairness zu begegnen. Dieser Antrag tut genau das, und deshalb stimmen wir ihm als bündnisgrüne Fraktion sehr gerne zu. – Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, Die Linke und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
