Steffi Pulz-Debler
Sehr geehrte Frau Präsidentin! (Unruhe bei Horst Förster, AfD, und Sebastian Ehlers, CDU) Kolleg/-innen Abgeordnete! Als Mutter von zwei Kindern stehe ich heute hier und weiß aus Erfahrung, dass auch Kinder nach dem 12. Geburtstag, Jugendliche, häufig noch häusliche Fürsorge, Pflege und Betreuung im Krankheitsfall benötigen. Und ich sage deshalb, der uns vorliegende Antrag ist richtig und wichtig und nimmt die Lebensrealität von Familien, die Lebensrealität von Kindern und Jugendlichen hier in unserem Bundesland auf. Laut UNICEF-Bericht zur Lage der Kinder in Deutschland 2025, der gestern vorgestellt wurde, geht ganz deutlich hervor, dass Kinder und Jugendliche regelmäßig an gesundheitlichen Beschwerden leiden und ein großer Teil der Kinder und Jugendlichen die eigene psychische Gesundheit und Lebenszufriedenheit als nicht gut einschätzt. Das ist alarmierend, und das sollten wir ernst nehmen. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, Die Linke und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Sehr geehrte Frau Präsidentin, wenn wir über Familien reden, dann reden wir nicht über abstrakte Gruppen, wir reden über Mütter, wir reden über Väter, wir reden über Kinder und Jugendliche, ganz kurz gesagt, über Haushalte, die oftmals an der Belastungsgrenze ihren Alltag organisieren. Die Altersgrenze von Kinderkrankentagen von bisher 12 auf künftig 14 anzuheben, ist ein ganz konkreter Schritt in Richtung bedarfsgerechter Familienpolitik, der den Alltag von Familien in Mecklenburg-Vorpommern sieht und ernst nimmt und für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Berufsleben steht, denn wir wissen, auch bei älteren Kindern treten Krankheiten auf, die eine Betreuung zu Hause notwendig machen. Wir stehen mit dieser Auffassung im Übrigen nicht allein. So sagt die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, ich zitiere: „Die Altersgrenze von 12 Jahren ist aus kinderärztlicher Sicht nicht verständlich, denn auch ältere Kinder und Jugendliche brauchen im Krankheitsfall selbstverständlich häufig häusliche Betreuung und Pflege.“ (Horst Förster, AfD: Am besten bis 16.) Ich kenne das persönlich. Meine Kinder sind zwar nicht mehr im Kitaalter, sie sind in Schule und Studium, jedoch erinnere ich mich noch zu gut an Situationen in unserer gemeinsamen jüngsten Vergangenheit, zum Beispiel von plötzlich hohem Fieber und Magen-Darm-Infektionen, in denen ich meine Kinder natürlich nicht zu Hause auf sich allein gestellt auf der Couch oder im Bett liegengelassen habe. Ich kenne aber auch natürlich den Spagat im Kopf und die Fragen, die so eine Situation sofort auch auslöst: Wer bleibt zu Hause? Wer kann kurz sein Berufsleben unterbrechen? Muss ich Urlaub nehmen? Oder welche finanzielle Auswirkung kommt dadurch auf meine, auf unsere Familie zu? Sehr geehrte Frau Präsidentin! Kolleginnen und Kollegen! Der vorliegende Antrag erkennt genau diese Realität und die real existierenden Betreuungsbedarfe an. Wir wollen Familien nicht mit diesen Fragen alleinelassen. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, Die Linke und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Wir wollen, dass Eltern ihre Kinder im Krankheitsfall pflegen können – ohne schlechtes Gewissen und ohne existenzielle Konflikte. Und wir rücken das Wohlergehen unserer Liebsten in den Mittelpunkt, denn Krankheit oder Betreuung sollten nicht davon abhängig sein, ob jemand nach dem kalendarischen Alter noch Kind ist. (Beifall vonseiten der Fraktion Die Linke) Frau Präsidentin, Kolleg/-innen, lassen Sie uns bitte gemeinsam zeigen, dass Mecklenburg-Vorpommern ein Land ist, das Familien ernst nimmt – über die Altersstufen von Kindern hinweg. – Herzlichen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und Die Linke)
