Philipp da Cunha
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren Abgeordneten! Der vorliegende Antrag, Rechenzentren in Mecklenburg-Vorpommern – Ansiedlungsoffensive, ist verspätet, will ich mal so sagen. Der Minister hat es gesagt, das Ministerium selbst ist längst auf dem Weg, ist dabei, in diesem Quartal die Ergebnisse vorzustellen. Und worüber sprechen wir eigentlich? Rechenzentren kennen wir alle aus vielen Geschichten. Was verbirgt sich da alles hinter? Wir hören von kleinen und großen Rechenzentren, wir hören über die Entwicklung. Die Entwicklung, wenn man sich die aber anschaut, ist tendenziell vor allem bei den sehr, sehr großen Rechenzentren deutlich über fünf Megawatt, das, was wir in den letzten 15 Jahren als Entwicklung hatten und haben, und dementsprechend sind es auch nicht die Kleinen, von denen wir jetzt manchmal sprechen. Wir haben ja auch die Schwierigkeit, auch zwischen den Kommunen, auch die kommunalen Leistungen, die angeboten werden, müssen irgendwo gehostet werden. Wir haben viele kleine Firmen, die unterwegs sind. Wir haben aber in Deutschland einen Bereich, dort bündeln sich, und das bündelt sich, ich glaube, fast die Hälfte der deutschen Kapazität, das ist nämlich der Raum Frankfurt, rund um Hessen mit dem großen Internetknoten. Denn was brauchen Rechenzentren? Rechenzentren brauchen Strom, natürlich, aber die Daten müssen rausgehen, und dementsprechend ist der Hotspot, einer der größten oder der größte Internetknoten der Welt, der Frankfurt DEX – jetzt habe ich den Namen vergessen – 1, wie auch immer, der ist sozusagen der, der tatsächlich dort die Leistung abfließen lässt, sodass man auch zugreifen kann, sodass man seine Daten adressieren kann, nicht irgendwo in der Warteschlange liegt. Was sehen wir aber in den letzten Jahren? In den letzten Jahren sehen wir auch eine Veränderung hierbei. Rechenzentren haben sich früher vor allem dort an diesem Internetknoten angesiedelt, dort haben sie aber auch Platzprobleme. Deswegen weichen sie aus, weichen in andere Bundesländer, gehen auch nach Rheinland-Pfalz und dergleichen. Und wo haben wir daran gearbeitet in den letzten Jahren? Wir haben daran gearbeitet, dass an vielen Stellen dieses Bundesland attraktiv für Investitionen ist, wir haben massiv in den Glasfaserausbau investiert, wir haben im Bereich der erneuerbaren Energien uns zur Vorreiterrolle aufschwingen lassen (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) und stellen heute dar, dass wir, dass wir tatsächlich grünen Strom in großer Verfügbarkeit haben und auch, und das ist auch eher ein neues Phänomen, dass die Internetkonnektivität tatsächlich einen riesigen Anstieg hinter sich hat in den letzten Jahren. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Das ist Ihr Verdienst!) Wir haben, wenn man sich anschaut, ist es sozusagen im Land, kennen wir das mit Glasfaser, aber diese normalen Glasfaserkabel, über die wir da sprechen, die sind jetzt nicht von Belang. Das heißt, nur weil wir jetzt einen Glasfaserausbau irgendwo haben, werden wir dort kein Rechenzentrum in der Fläche hinbauen können. Was tatsächlich spannend ist, sind die ganz großen Backbones, und wir haben bisher die Schwierigkeit gehabt, dass vor allem die Anschlüsse auch über Norddeutschland Richtung Skandinavien teils 20 Jahre alt sind. So, und 2016 ist die „C-Lion1“ dazugekommen, eine sehr große Glasfaserleitung, die von Rostock nach Finnland geht. Ich weiß gar nicht, wie hoch die Kapazität ist, 16 Adern, ich weiß es gar nicht genau. Ich weiß, dass sich ein ganz großer deutscher Rechenzentrenbetreiber dort 2 Adern, und wenn man davon spricht, 16 Adern hat sie, 2 davon hat sich ein sehr großer Anbieter geholt, um in Helsinki sein Rechenzentrum zu betreiben, und dann weiß man, was dort geht. Das heißt, auch zu dem Zeitpunkt musste auch alleine dieser Anschluss Rostock ausgebaut werden. Und dazugekommen ist von GlobalConnect 2024 die gigantische Anbindung in Sassnitz. Das ist ein Kabel, ich glaube, über 800 Kilometer in der Ostsee lang, dort sind 96 Adern oder so gebaut, die dort zur Verfügung stehen. Und wenn man sich anschaut, was dort in Sassnitz ankommt, dann kann man dort an diesem Anschluss, also wenn man sich an den Glasfaseranschluss dort ranpackt, könnte man eine Milliarde Netflix-Streams parallel gucken. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Das waren auch Sie. Nur wegen Ihnen!) Das heißt, man hat ein bisschen Kapazität, um dort vielleicht auch einen großen Streamingabend zu machen, aber vielleicht auch an der Stelle in Rechenzentren. Und man muss dazusagen, diese Leitungen gehen weiter, diese Leitungen gehen von dort nach Berlin, Rostock ist ja auch connected, und, da bin ich jetzt raus, wohin die Leitungen von Rostock gehen, möglicherweise Hamburg oder Berlin, würde ich jetzt tippen, sind die Großen, aber das heißt, wir entwickeln in diesem Land Stück für Stück die Konnektivität, die wir brauchen, (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Sie entwickeln?!) und wir haben die erneuerbaren Energien, was zwei der großen vier Treiber sind, will ich mal so sagen, was eine der Bitkom-Studien in diesem Jahr gezeigt hat. Das andere ist die wirtschaftliche Nutzung der Rechenzentren, die ist bei uns noch überschaubar. Und das Nächste ist die vorhandene Rechenzentreninfrastruktur, die ist bei uns auch überschaubar. Wenn man sich dann aber alleine bei der Bitkom anguckt, wie hoch dieses Potenzial ist, was wir haben, auch vor allem durch diese privatwirtschaftlichen Investitionen der letzten Jahre, weil wir die Rahmenbedingungen geschaffen haben, das ist immens. Und da sind wir hinter Hessen auf Platz zwei deutschlandweit. Wir haben in Deutschland, wir haben eben schon gehört, was der NDR berichtet hat, ein Rechenzentrum geplant, in Dummerstorf, hat der NDR geschrieben, 1.000 Megawatt Anschlussleistung, IT-Anschlussleistung. Das wird man jetzt schlecht bewerten können. Wenn man sich aber anschaut, dass deutschlandweit bisher 3.000 Megawatt Anschlussleistungen sind, dann sieht man, 33 Prozent sollen alleine in Dummerstorf dazukommen. Das ist schon etwas Gigantisches, und das hat wirklich damit zu tun, dass wir diese, in der Vergangenheit, hier die Rahmenbedingungen geschafft haben. Dann kommt dazu, und natürlich, dass werden Fragen, die wir klären müssen in der Zukunft, da geht es unter anderem, das wurde auch schon gesagt, um die Frage Kühlwasser unter anderem und vieles mehr. (Rainer Albrecht, SPD: Fernwärme, Fernwärmenetz!) Wir müssen einerseits abwarten, natürlich, was kommt vom Bund. Und der Minister hat es gerade gesagt, wenn alleine 76 Konsortien sich da auf den Weg, … (Der Abgeordnete Hannes Damm bittet um das Wort für eine Anfrage.) Ich beantworte keine Zwischenfragen. … wenn sich alleine 76 Konsortien jetzt hier in MV schon von Interesse zeigen, dass sie hier im Land etwas machen wollen, dann sehen wir, die Kapazitäten sind da, die Möglichkeiten sind da, wir haben sie entwickelt, und das Ministerium hat es halt in den letzten Jahren geschafft und hat jetzt sozusagen, wenn sie das jetzt in diesem Quartal vorstellen, dann bin ich auch sehr gespannt. Ich glaube, durch diese Rahmenbedingungen ist das halt extrem spannend und kann uns wirklich Wertschöpfung bringen. Die Frage, wie viele Arbeitsplätze da dranhängen, ist eine andere, weil am Ende in so einem automatisierten Rechenzentrum, das ist tatsächlich hochautomatisiert, hochgesichert. Das heißt, im ganzen Abstand, man kommt da nicht einfach rein, da geht man nicht einfach mit einem Kaffee irgendwie hin, geht irgendwie hin und tauscht eine Festplatte aus, sondern das sind sozusagen Spezialisten, das sind aber überschaubare, weil tatsächlich ein Großteil davon automatisch läuft. Also, wir werden den Antrag ablehnen. (Beifall vonseiten der Fraktion der SPD) Wir wissen, dass in diesem Quartal tatsächlich das Ergebnis kommt, und wir sind sehr gespannt, weil alle Vorzeichen, die wir da haben, zeigen, dass wir hier tatsächlich die letzten Jahre richtig gearbeitet haben und dann hoffentlich auch die Lorbeeren davon ernten und profitieren können. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und Die Linke)
