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Jeannine Rösler

Die Linke 12.11.2025 Sitzungen 8/118

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Abgeordnete! Die AfD hinterlässt den Eindruck, als stünde das gesamte Bildungswesen in Mecklenburg-Vorpommern vor dem völligen Zusammenbruch. Was für ein Unsinn! Festzustellen ist, dass Ihr Antrag vollkommen leer bleibt, weil er nicht auf Fakten basiert, sondern auf Schlagworten und, wie wir gerade hörten, auf einem Zurück zum Kaiserreich. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und Die Linke – Dr. Daniel Trepsdorf, Die Linke: Richtig, so siehts aus.) Meine Damen und Herren, es geht hier einzig und allein um reine Stimmungsmache, um Schuldzuweisungen und Herabsetzungen von Jugendlichen und Lehrkräften. Selbstverständlich wissen wir, dass die Herausforderungen groß sind, auch bei den Basiskompetenzen und der Ausbildungsreife. Und genau deshalb handelt die Landesregierung sehr verantwortungsvoll, und dazu komme ich gleich noch. Vorher lassen Sie mich aber etwas zu den Äußerungen aus dem AfD-Prüfungsvideo sagen. Herr Schult nimmt sich aus der gesamten Deutschprüfung zur Mittleren Reife eine Einstiegsaufgabe heraus, bewusst niedrigschwellig, didaktisch so konzipiert, dass Schülerinnen und Schüler in eine Prüfung hineinkommen. Und darüber macht er sich lustig. Wer sich mit Prüfungsdidaktik auskennt, weiß, jede gute Prüfung beginnt mit etwas leichteren Aufgaben, damit alle einen Einstieg finden. Das senkt Prüfungsangst und erlaubt eine erste Orientierung. (Zuruf von Tilo Gundlack, SPD) Danach folgen Analysen journalistischer Texte, Argumentationsaufgaben, (Heiterkeit bei Enrico Schult, AfD: Und weitere Ankreuzaufgaben.) Stilmitteluntersuchungen, die Auswertung von Grafiken und so weiter. Bewertet werden sprachlicher Ausdruck, Orthografie, Kohärenz und Kreativität. Das ist alles andere als ein Spaziergang. Wer sich also nur die erste Frage herauspickt und das gesamte Niveau lächerlich macht, beweist eines: Er hat die Prüfung nicht verstanden oder er will sie bewusst diskreditieren. (Heiterkeit bei Dr. Daniel Trepsdorf, Die Linke) Das ist, als würde man ein Fußballspiel nach dem Aufwärmen abpfeifen und dann behaupten, na sehen Sie, die können ja nichts. Und noch schlimmer, Sie machen sich über Schülerinnen und Schüler lustig, die in einer der wichtigsten Prüfungen ihres Lebens stehen, Jugendliche, die oft unter schwierigen Bedingungen lernen, die Prüfungsangst haben. Sie verspotten genau diejenigen, die wir ermutigen und unterstützen müssen. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Wir verspotten gar keinen.) Das, Herr Schult, das ist keine Bildungspolitik, das ist Verachtung und Verzerrung. Gleichzeitig fordern Sie verbindliche Mindestanforderungen, härtere Prüfungen, mehr Selektion. Aber härtere Prüfungen allein heben keine Kompetenzen. (Zuruf von Stephan J. Reuken, AfD) Gute Bildung misst sich nicht an der Häme über eine Einstiegsfrage, sondern an der Förderung aller Kinder. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und Die Linke) Und deshalb gibt es eine verstärkte Sprach- und Leseförderung bereits in der Kita: Vorlesen, Sprachspiele, gezielte Programme. Wir schauen hin, wir hören auf die Fachleute und wir handeln. In den Grundschulen haben wir in Deutsch und Mathe jeweils eine Stunde mehr in Klasse 3 und 4. Das ist wertvolle Zeit für Sprachförderung, fürs Lesen, für das sichere Schreiben und für das Festigen der Grundrechenarten. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Anscheinend hecheln Sie den Problemen aber hinterher, weil sie immer größer werden.) Wir haben ein tägliches Leseband eingeführt, 20 Minuten fünfmal pro Woche, und auch das muss man nicht madig machen. Schon in den Klassen 1 und 2 können zusätzlich bis zu zwei Stunden für Deutsch oder Mathe eingesetzt werden. Das bedeutet frühe Hilfe, bevor Defizite überhaupt groß werden. Und an den weiterführenden Schulen gibt es mehr Gewicht für die Kernfächer. Elf Stunden sind künftig fest für Deutsch, Mathematik und Englisch vorgesehen. Schulen können eine dieser Stunden sogar gezielt für individuelle Förderung nutzen. Meine Damen und Herren, das sind ganz konkrete Maßnahmen. Das ist Politik, die in den Klassenzimmern ankommt. Und ganz klar, Basiskompetenzen zu stärken, heißt nicht, Kinder scheitern zu lassen. Es heißt, sie so zu fördern und zu motivieren, dass sie bestehen können. Das ist unser Weg, und das unterscheidet uns fundamental von Ihnen. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD, und Enrico Schult, AfD: Klatschen! – Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und Die Linke) Und auch die Ausbildungsreife entsteht nicht im luftleeren Raum. Jugendliche müssen sehen, wofür sie lernen. Das neue Konzept „Alle werden gebraucht!“ zur schulischen Berufsorientierung ist ein ganz gewaltiger Schritt nach vorn. Wir sprechen hier über Praxislerntage, Wochen mit externen Partnern, verbindliche Projekttage, verbindliche Koordinator/-innen an jeder Schule und die Pflicht, ein BO-Konzept zu entwickeln. Also, wir arbeiten hier an echten Lösungen: Förderung statt Ausgrenzung, Unterstützung statt Selektion. Und deshalb lehnen wir selbstverständlich diesen Antrag entschieden ab. – Herzlichen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und Die Linke – Dr. Daniel Trepsdorf, Die Linke: Konsequent.)

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