Jeannine Rösler
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Abgeordnete! Lassen Sie mich gleich am Anfang sagen, wir wissen, wie wichtig finanzielle Bildung ist. Selbstverständlich sollen und müssen Kinder und Jugendliche lernen, verantwortungsvoll mit Geld umzugehen. Sie sollen verstehen, wie wirtschaftliche Zusammenhänge funktionieren, und sie sollen befähigt werden, ihre eigenen Entscheidungen kritisch zu hinterfragen, vom ersten Taschengeld bis zu den großen Finanzfragen im Erwachsenenleben. Darüber sind wir uns, glaube ich, alle einig. Aber, meine Damen und Herren, die Notwendigkeit Ihres Antrags sehen wir nicht. Der Finanzminister hat seinerseits auf bestimmte Maßnahmen und Aktivitäten hingewiesen, und ich möchte das gerne noch mal im Hinblick auf die Rahmenpläne von Mecklenburg-Vorpommern tun. Dort finden wir nämlich schwarz auf weiß, finanzielle Bildung ist längst Teil des Unterrichts, systematisch, verbindlich, altersgerecht. Schon in der Grundschule im Sachunterricht heißt es, die Schülerinnen und Schüler beschreiben Möglichkeiten des Kaufens und Verkaufens und setzen sich mit der Bedeutung des Geldes auseinander. Das klingt abstrakt, aber in der Praxis heißt das, Kinder reden darüber, warum man nicht alles kaufen kann, was man sich wünscht. Sie überlegen, wofür man sein Taschengeld ausgibt, für ein neues Spielzeug oder für ein Eis. Und weiter heißt es, sie beschreiben, wie Werbung wirkt, und reflektieren ihr eigenes Konsumverhalten. Das bedeutet, Grundschülerinnen und Grundschüler analysieren Werbespots, die ihnen das neueste Spielzeug oder den süßesten Riegel verkaufen wollen, und lernen, es ist auch nicht alles Gold, was glänzt. In Klasse 7 erklären die Schülerinnen und Schüler Bedürfnisse, Ausgaben und Konsumverhalten und erarbeiten einfache Formen der Preisbildung. Das passt direkt in ihre Lebenswelt. Warum kostet der neue Sneaker plötzlich 120 Euro, wenn er vor einem halben Jahr noch 90 Euro gekostet hat? (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Oder warum ist der Döner so teuer.) Warum ist das Handy im Onlineshop teurer als im Sonderangebot im Geschäft? In Klasse 8 unterscheiden sie Einkommensarten, erstellen einfache Haushaltspläne und beurteilen Möglichkeiten der Schuldenprävention. Das ist hochaktuell. Jugendliche lernen zu rechnen, was kommt durch einen Nebenjob rein, was kostet das Deutschlandticket nächstes Jahr – wenn sie das dann schon wissen können –, was geben sie für Streaming-Abos aus und wie schnell summieren sich kleine Beträge zu großen Löchern im Budget. In Klasse 9 heißt es dann, die Schülerinnen und Schüler erläutern den Wirtschaftskreislauf, vergleichen Aufgaben von Banken und beurteilen Rechte der Verbraucherinnen und Verbraucher. Das bedeutet ganz praktisch, sie schauen sich an, was passiert, wenn sie einen Handyvertrag unterschreiben, sie prüfen, welche Rechte sie haben, wenn der Anbieter plötzlich die Preise erhöht. Und weiter in Klasse 10: Sie beschreiben Funktionen von Versicherungen und Steuern und diskutieren wirtschaftliche Folgen der Globalisierung. Hier diskutieren Jugendliche zum Beispiel, braucht man eine Haftpflichtversicherung, wenn man einen E-Scooter fährt, oder warum sind T-Shirts aus Asien so billig, und welche globalen Folgen hat das. Auch an den Regionalen Schulen sind diese Themen fest verankert. In Klasse 7 analysieren die Schülerinnen und Schüler eigenes Konsumverhalten und beurteilen einfache Entscheidungen zur Haushaltsführung. In Klasse 9 erklären die Schülerinnen und Schüler Chancen und Risiken von Krediten und analysieren Ursachen von Schuldenfallen, und in der Sekundarstufe II heißt es, die Schülerinnen und Schüler erläutern die Funktionen des Geldes als Tauschmittel, Recheneinheit und Wertaufbewahrungsmittel. Lehrpläne sind Ländersache, sie werden stetig weiterentwickelt und Mecklenburg-Vorpommern kriegt das gut hin. Meine Damen und Herren, wenn all das längst im Unterricht vorkommt, dann muss man fragen, warum dieser Antrag. Wir haben in Mecklenburg-Vorpommern ein umfassendes Curriculum. Wir als Linke legen Wert auf eine Finanzbildung, die stark macht, stark gegen Schuldenfallen beim Handyvertrag, stark gegen Streaming-Abo-Kostenfallen, stark gegen Konsumzwänge in Onlinespielen, stark für kritisches Denken, für soziale Sicherheit und für ein Leben, das nicht Rendite, sondern Gerechtigkeit in den Mittelpunkt stellt. – Herzlichen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und Die Linke)
