Franz-Robert Liskow
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kollegen! Wir alle wissen, dass die Schule heute mit einer Vielzahl von Erwartungen überfrachtet wird. Sie soll Wissen vermitteln, Werte lehren, Integration leisten, Inklusion umsetzen, Digitalisierung vorantreiben, Demokratie stärken, Medienkompetenz fördern und am besten noch Persönlichkeitsbildung, Konflikttraining und Klimaschutz gleich mitliefern. (Zuruf von Horst Förster, AfD) Wenn aber junge Erwachsene die Schule verlassen und nicht in der Lage sind, einen Miet- oder Kreditvertrag richtig zu verstehen, eine Steuererklärung auszufüllen oder die Grundzüge ihrer Altersvorsorge zu begreifen, dann haben wir als Gesellschaft natürlich ein Problem, und dem kann sich auch das System Schule nicht entziehen. Denn sonst unterschreiben Menschen Verträge, die sie nicht verstehen, sie lassen sich von vermeintlich kostenlosen Angeboten locken, tappen in die Schuldenfalle. Sie wissen nicht, was brutto oder netto bedeutet, was ein Dispokredit kostet oder wie Rentenpunkte entstehen. Das ist alles kein individuelles Versagen, das ist ein strukturelles Bildungsdefizit, und dieses Bildungsdefizit wird uns natürlich auch teuer zu stehen kommen in Form von Überschuldung, Abhängigkeiten, falschen Konsumentenentscheidungen oder Vertrauensverlust in Institutionen. Deshalb ist es richtig und notwendig, ökonomische Bildung und Lebenskompetenz stärker im Schulalltag zu integrieren. Nun ist es aber nicht so, dass die Aspekte wirtschaftliche und finanzielle Bildung in den Rahmenlehrplänen der Schule bislang nicht vorhanden sind. Empirisch ist jedoch festzustellen, dass die ökonomische Bildung in anderen Ländern, beispielsweise in Skandinavien, besser ist als bei uns. Deshalb ist es auch aus Sicht meiner Fraktion sinnvoll, auf eine Fortführung der Initiative Finanzielle Bildung hinzuwirken. Schule kann zwar nicht jedes gesellschaftliche Problem lösen, die Verantwortung für Lebenskompetenz liegt natürlich in erster Linie beim Elternhaus, aber dort, wo familiäre Unterstützung fehlt, darf Schule nicht wegsehen. Schule kann Grundlagen legen: Wie funktioniert ein Konto? Was bedeutet ein Zinssatz? Warum lohnt es sich, frühzeitig vorzusorgen, statt alles zu konsumieren? Was passiert, wenn man Kredite nicht bedienen kann? Wir begrüßen ausdrücklich, wenn Wirtschaft und Finanzen als Querschnittsthemen fächerübergreifend gestärkt werden. Es geht nicht darum, die Schule zur Sparkasse zu machen oder den Unterricht zur Steuerberatung, sondern darum, dass jeder Jugendliche wenigstens einmal gehört und verstanden und auch geübt hat, was eine Steuererklärung ist, wie man einen Mietvertrag prüft und welche Versicherungen wirklich gebraucht werden. Das kann man im Fach Sozialkunde vermitteln, in Projektwochen, in AWT oder auch in Kooperation mit Kammern und Verbraucherzentralen. Wichtig ist, dass es überhaupt passiert. Wir haben in Mecklenburg-Vorpommern bereits gute Ansätze, beispielsweise in Zusammenarbeit mit den Sparkassen. Es steht aber auch fest, in der Praxis des Schulunterrichts sollte es noch umfangreicher als bisher vermittelt werden und vor allem flächendeckend und verbindlich. Denn wer die Grundlagen wirtschaftlicher Zusammenhänge versteht, fällt nicht so leicht auf populistische Versprechen herein. Wer weiß, das Zinsen, Preise und Löhne zusammenhängen, lässt sich nicht von einfachen Parolen abspeisen. Ökonomische Bildung ist deshalb auch politische Bildung, sie schützt vor Manipulation, sie stärkt Eigenverantwortung und sie fördert den Realitätssinn. Gerade in einer Zeit, in der in den sozialen Medien Gurus und Influencer Finanzratschläge geben, brauchen junge Menschen solide Grundlagen, keine Mythen. Am Ende geht es doch um eines: Wir wollen, dass junge Menschen stark, eigenständig und selbstbewusst ins Leben gehen, dass sie verstehen, was sie unterschreiben, dass sie ihre Rechte kennen, ihre Pflichten, dass sie ihr Geld, ihre Zukunft und ihr Leben in die eigene Hand nehmen können. Deswegen stimmen wir dem Antrag zu! – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktion der CDU und der Gruppe der FDP)
