Horst Förster
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Zunächst vielen Dank für die überwiegend sachliche Debatte! Herrn Professor Northoff und den Abgeordneten Noetzel muss ich, den muss ich natürlich dabei herausnehmen, komme ich gleich noch drauf zurück. (Torsten Koplin, Die Linke: Das war unsachlich, total unsachlich.) Zunächst mal geht es doch wirklich – das war ja auch von den anderen Rednern hier klargestellt – um eine ganz sachlich bezogene Frage, die wirklich, wenn man das etwas ernsthaft betreibt, nichts mit Rassismus zu tun hat. Also wenn man sich ein bisschen damit befasst, (Zuruf von Michael Noetzel, Die Linke) dann ist es natürlich richtig, dass dieses Merkmal für sich genommen nicht unbedingt dann den Durchbruch bringt. Aber das ist komplett viel zu kurz, das habe ich jedenfalls gelesen, es ist wohl wirklich herrschendes Wissen, dass die Vielfalt, die Vielzahl der Merkmale, das Ineinanderwirken der Merkmale, das ist der springende Punkt. Und auch diese biogeografische Herkunftsanalyse bringt dann Ergebnisse, die sich bei den anderen auch in ihrer Verlässlichkeit auswirken. Jedenfalls wird das so auch beschrieben, und das scheint mir auch logisch zu sein. Immer wieder, je mehr Merkmale, desto genauer sind sie in ihrer Gesamtbetrachtung und in ihrer Aussagekraft. Die DNA-Analyse, die geht noch viel weiter. Sie können also damit – die Amerikaner machen das schon – oft in die Verwandtschaft kommen. Sie haben also einen Treffer und dann wissen Sie genau, er ist nicht der Täter, aber der Täter ist in diesem Bereich zu suchen, weil die Merkmale ganz dicht dran sind. So, das ist zum Beispiel nicht erlaubt. Sie können auch Krankheiten damit ermitteln und wissen, jetzt überspitzt mal, der hat einen chronischen Husten – dürfen Sie auch nicht verwerten. Also es ist ja schon begrenzt. Und bei diesem Merkmal sind ja, gehen die Gegner auch ja gar nicht von verfassungsrechtlichen Bedenken aus, das wird am Rande in allgemeiner Form erwähnt, ohne das wirklich zu vertiefen, das sind ja auch nicht die Gründe, sondern es sind ausschließlich die Gründe Angst vor Diskriminierung. Nun sehen wir es uns doch mal praktisch an. Nehmen wir an, da kommt raus, es ist ein Südeuropäer. So, dann haben Sie doch schon einen Blickwinkel in die Richtung, da steht dann in der Zeitung, der Täter ist ein Südeuropäer, und alle Spanier und Portugiesen sind dann die Verdächtigen, sondern dann wissen die Ermittler, haben eine Zielrichtung und gehen dann in diese Richtung. Das ist doch keine Diskriminierung. (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) Das ist doch künstliches Herbeireden von Problemen, die eigentlich gar nicht da sind, wenn Sie sich vorstellen, es geht wirklich um schlimmste Verbrechen, und wenn man diese Beispiele sieht, zum Beispiel mit dem Mädchen in den Niederlanden, 11-jährig, wo dann auch die biogeografische Analyse in die richtige Richtung gezeigt hat. Und selbst, das habe ich auch schon mal überlegt, die NSU-Morde sind eigentlich ein klassischer Fall, wo sie hätten helfen können. Wenn ich richtig informiert bin, dann ist die Problematik bei den NSU-Morden ja auch die, dass man bis zuletzt kein Spurenmaterial von den wirklichen Tätern gefunden hat. Man hat in eine völlig falsche Richtung über Jahre ermittelt. Nun stellen Sie sich vor, man hätte – das ist ja das Ungewöhnliche, dass man die nicht hat –, man hätte irgendwo Spurenmaterial von den wirklichen Tätern gefunden, dann hätte man noch viel früher, nur als fiktives Beispiel, viel früher in eine völlig andere, nämlich richtige Richtung ermittelt. Also diese biogeografische Analyse ist von der Sache her völlig neutral (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) und nicht diskriminierend und gar nichts. Sie gibt nur ein wichtiges Merkmal her. Und da kann die Bevölkerung so durchmischt sein, wie sie will, das vererbt sich auf ganz erstaunliche Weise, bestimmte Faktoren. Und ich vermute mal, obwohl ich das jetzt nicht konkret geprüft habe, (Zuruf von Dr. Harald Terpe, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) dass auch, wenn der Vater von dort kommt, die Mutter von dort, dass auch das sich da widerspiegelt. So! Also von daher ist das allgemeine Meinung, dass es nützen kann, dass es ein Merkmal ist, das für sich vielleicht nicht sehr viel sagt, im Einzelfall aber auch der entscheidende Faktor sein kann für den Durchbruch bei den Ermittlungen. Aber im Gesamtspiel dieser Merkmale zusammen hat es seine Bedeutung. Bleibt also übrig, ob das nun wirklich diskriminierend ist oder ob wir uns da nicht was vormachen. Und, Herr Professor Northoff, wie Sie dann da plötzlich da ausweichen mussten und mit völkisch-nationalistisch, all diesem ganzen Kram anfangen und dann wieder das so ganz einfach hinwerfen, ob das alles schon verfassungswidrig sei – wissen Sie, Staaten, die ethnisch-kulturell relativ homogen sind, die haben, da brauchen Sie sich nur die Weltkarte anzugucken, da ist relative Ruhe im Karton. (Dr. Monique Wölk, SPD: Was?!) Und Staaten, wo Multikulti herrscht, gucken Sie im Balkan, fahren Sie in die Balkanländer, was die Ihnen da erzählen, und verfolgen Sie mal den Balkankrieg, was da gelaufen ist! Da, wo Sie nicht eine relative Homogenität haben und völlig fremde Kulturen ... Die Schweizer sind ein anderes Beispiel, die haben ja da ein lange gewachsenes, aber dort, wo Kulturen miteinander auskommen können, die Probleme miteinander haben, in ihrer Art zu leben, in ihrem Glauben, also das kann ethnisch, es kann religiös, sonst wie begründet sein, in Indien bringen plötzlich die Hindus die Moslems um und was weiß ich alles. Da sage ich nichts Neues. Sie können nicht so tun, als ob es keine Probleme gäbe und als ob es schon verwerflich sei zu sagen, wir sind ein Land, das lange Zeit relativ ethnisch-kulturell homogen war, wo wir auch Zuwanderung haben, und selbst wir sagen, da ist ja grundsätzlich gar nichts gegen zu sagen, wenn das im rechten Maße passiert, aber Sie wollen doch, das ist eine Zielrichtung, Sie wollen doch ganz gezielt die Nation kaputt machen, zerstören ... (Thomas Krüger, SPD: Das ist doch Schwachsinn!) Natürlich, brauchen Sie nur mal ... Selbst der Bundespräsident in seinem Büchlein „Wir“ (Heiterkeit bei Michael Noetzel, Die Linke: Ja, genau!) hat es durch die Blume sehr deutlich gesagt, dass an die Nation längst dieses neue Wir getreten ist. Nur ...
