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Dr. Sylva Rahm-Präger

SPD 27.06.2025 Sitzungen 8/110

Meine sehr verehrten Damen und Herren! Frau Präsidentin! Zuerst möchte ich voranstellen, dass ich den Unmut der Binnen- und Küstenfischer und der Angler unseres Landes in Bezug auf den wachsenden Druck der Kormoranpopulation nachvollziehen kann. (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) Das, was sie draußen täglich bei ihrer Arbeit beobachten, das ist und wird in verschiedenen wissenschaftlichen Studien bestätigt. Das Forschungsprojekt BODDENHECHT wurde vom 01.01.2019 bis 31.08.2023 von dem Europäischen Meeres- und Fischereifonds und dem Land Mecklenburg-Vorpommern – der Minister hat es hier schon erwähnt – finanziert. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt zwischen dem Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei. Koordinator war Professor Arlinghaus. Und natürlich wurde wurden die Einflüsse der Prädatoren auf die Hechtpopulation untersucht in diesem Projekt BODDENHECHT. Bei der Nahrungsauswertung der Kormorane machte der Hecht nur etwa ein Prozent der Nahrung aus. Bezogen auf die Anzahl der Tiere, die im Schnitt mit 23.000 angenommen wurden – also im Durchschnitt –, und einem Tagesbedarf von 460 Gramm Tagesbedarf Fisch für einen Kormoran, machte das zum Schluss 42 Tonnen Hechtbiomasse aus. Natürlich muss man davon ausgehen, dass die Kormorane nur Hechte zwischen einer Größe von, ich sage mal, 10 bis 30 Zentimetern aufnehmen und dass natürlich auch ein anderes natürliches, also das Sterben der jungen Hechte durch den Kormoran ist auch ein natürliches Sterben, aber es gibt auch noch andere natürliche Tode für diese Junghechte. Wenn man das mit reinrechnet, haben wir zum Schluss noch 29 Tonnen stehen. Die Entnahme durch die Fischerei und Angler lag im Jahr 2022 bei 72 Tonnen. Ein ähnliches Ergebnis wurde in Schleswig-Holstein in einer umfangreichen Studie erzielt, bezogen auf die Binnengewässer allerdings. Hier haben die Binnenfischer 97 Tonnen gefischt und die Kormorane 67 Tonnen. Das, was die Kormorane gefressen haben, waren Stint, Flussbarsch, Kaulbarsch, Dorsch, Plötze und Hecht, also Homo sapiens versus carbo sinensis. Aber die Anzahl der Brutpaare oder Brutkolonien ist nicht das alles Entscheidende. Genau das ist der Fehler in Ihrem Antrag, weil, er bezieht sich überhaupt nicht auf die Ursache. Der Kormoran ist ein klassischer Zugvogel. Die Zugrouten und das Zugverhalten der Kormorane haben sich seit der sprunghaften Entwicklung der Population verändert. Kalte Winter und zugefrorene Seen gibt es nicht mehr. Das sind eigentlich die ursächlichen Feinde der Kormorane, der kalte Winter, wenn sie nicht mehr fischen können. Seit den 1990er-Jahren überwintern bei uns Kormorane, die eigentlich bei uns nicht zu Hause sind. Es gibt 250.000 geschätzte Brutpaare im Ostseeraum. Wir sind Winterrastgebiet für die Kormorane geworden. In den Monaten August bis Oktober haben wir bei 80.000 gezählten Kormoranen hier bei uns in der Region, es können auch mehr sein, es sind nur die Gezählten, das sind die Zugvögel, die aus – und der Minister hat es ja auch schon gesagt –, die aus dem nordöstlichen Bereich der Ostsee kommen. Also das hat mit unseren Brutpaaren an sich wenig zu tun. Ich möchte dann vielleicht noch hinzufügen, dass man gucken muss, wo man denn die Kormoranpopulation bekämpfen kann, wenn man es denn auf diese Weise machen möchte, wie Sie es vorschlagen. Fast alle vorpommerschen Kormoranbrutkolonien liegen in Schutzgebieten, das sind FFH-Schutzgebiete, und in diesen Schutzgebieten haben wir keinen Zugriff auf die Kormorane. Und letztendlich ist das auch richtig so, dort ist ein solcher Eingriff nicht zulässig. Wir können es dort tun – und hier wurde schon die neue Verordnung genannt –, dass wir keine neuen Kolonien zulassen in Mecklenburg-Vorpommern, das ist der richtige Weg. Und es ist auch der richtige Weg, dass wir die Chance der Entnahme haben in den Gebieten, wo wir keinen Schutzstatus haben. Also das sind die Möglichkeiten, die wir haben. Und was ich noch sagen muss, es muss eine Koordinierung der Maßnahmen im Ostseeraum geben, weil es ist, es ist nicht unser Problem in unserem Land, wir haben diese Brutk… Das ist genau wie Dänemark – das ist auch schlichtweg falsch, was Sie sagen –, die Vögel, die in Dänemark sind und dort fischen, das sind nicht die, die von uns kommen und die bei uns brüten, das sind die Vögel, die auch genau wie bei uns einfliegen in diesen Monaten, die aus dem nördlichen Ostseeraum kommen. Also Sie müssen, wenn Sie das schon machen und so einen Antrag schreiben, erwarte ich, dass Sie das auch gründlich recherchieren und uns hier Vorschläge unterbreiten, die umsetzbar sind. Wir lehnen diesen Antrag ab. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)

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