Paul-Joachim Timm
Nun, meine sehr geehrten Kollegen Abgeordnete, Frau Präsidentin, Hohes Haus, wenn Sie in Mecklenburg-Vorpommern an einer Kaikante stehen oder an einem Seeufer und eine blanke Rute aus dem Wasser ziehen, dann sind Sie wahrscheinlich ein unglaublicher Pechvogel oder aber der Kormoran war schneller. Was vor Jahren noch vereinzelt beobachtet wurde, hat sich heute zu einem flächendeckenden Problem ausgewachsen. Der Kormoran breitet sich ungebremst aus, und mit ihm stirbt parallel die Binnen- und Küstenfischerei. Gucken Sie, wo die Kormorankolonien sind, dann können Sie erahnen, wie das Bikini-Atoll in den 40er- und 50er-Jahren ausgesehen haben muss! Meine sehr geehrten Damen und Herren, ganze Berufszweige, die über Generationen unsere Kulturlandschaft geprägt haben, kämpfen heute ums nackte Überleben. Und was tun wir im Landtag? Wir schauen zu, oder schlimmer, wir reden uns mit EU-Recht und Artenvielfalt heraus, während die Realität draußen im Land völlig aus dem Ruder läuft. Ich war ja kurz hochatmig, weil ich dachte, dass dieser Antrag hier heute von der Tagesordnung runterfällt, er sollte ja schon in der vorangegangenen Landtagssitzung besprochen werden, die wir am 16. Mai … Das ist seitdem 43 Tage her. Ich habe mir mal die Zahlen angeguckt: 2023 – das ist das Frischeste, was ich gefunden hatte – hatten wir 25.600 erwachsene Tiere. Jedes Tier frisst am Tag in etwa 800 Gramm Fisch. Das sind bummelig 20 Tonnen pro Tag, das heißt 860 Tonnen Fisch seitdem. (Heiterkeit bei Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Sind wir Fischdosen?) Im Verhältnis dazu, 788 Tonnen Hering darf in der westlichen Ostsee gefangen werden. Ich denke, Sie werden die Verhältnismäßigkeit merken. Lassen Sie uns an dieser Stelle noch mal bitte über die Fangquoten reden, aber nicht über die Fangquoten der Fischer, sondern über die Fangquoten des Kormorans, der keine Schonzeit kennt. (Enrico Schult, AfD: Richtig!) Der Kormoran ist längst keine bedrohte Art mehr. Er ist ein Überlebenskünstler – clever, anpassungsfähig und gnadenlos effizient. Und er ist ein Problem, denn er frisst alles, was sich unter Wasser bewegt. Zander, Aal, Äsche und Arten, die ohnehin schon viel unter Druck stehen, haben gegen die stetig wachsenden Kormorankolonien keine Chance. Ganze Jahrgänge werden vertilgt, bevor sie überhaupt marktfähig werden. Die Folgen sind dramatisch: wirtschaftlich für unsere Fischer, ökologisch für unsere Gewässer und moralisch für uns als Gesetzgeber, wenn wir weiter untätig bleiben. Unser Antrag hier und heute setzt genau dort an, wo sich andere wegducken. Wir fordern ein landesweites Programm zur Bestandsregulierung des Kormorans, (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Seit Jahren!) und zwar mit einer Methode, die sowohl effektiv als auch tierschutzgerecht ist, der Behandlung von Eiern mit biologisch abbaubarem Öl, und das aus der Luft. Diese Maßnahme verhindert den Bruterfolg, ohne erwachsene Tiere zu töten, sie ist international anerkannt und wird in anderen Ländern wie Dänemark längst erfolgreich praktiziert. In Kombination mit moderner Drohnentechnik können Nester zielsicher erreicht und behandelt werden – schnell, präzise, kostengünstig und ohne das Risiko, sich den Knöchel zu verstauchen. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Und genau darum geht es uns. Es geht um Verhältnismäßigkeit, es geht uns um Vernunft und das Überleben eines uralten Handwerks in Mecklenburg-Vorpommern. Wir wollen diese Vogelart nicht in dieser Dimension. Wir wollen ein ökologisches Gleichgewicht, das diesen Namen auch verdient, ein Gleichgewicht, in dem nicht eine einzige Tierart auf Kosten ganzer Wirtschaftszweige und ganzer Fischbestände geschützt wird. Die Landesregierung redet viel von Nachhaltigkeit, aber echte Nachhaltigkeit heißt, wirtschaftliche Existenzen zu erhalten, die biologische Vielfalt zu sichern und natürliche Ressourcen nutzbar zu machen, und das möglichst dauerhaft. Und genau das wird mit unserem Antrag möglich. Meine sehr geehrten Damen und Herren, Sie reden ja immer ganz viel von Europa, der Europäischen Union und den Nachbarn, aber ich sage Ihnen mal ganz einfach, die Dänen sind mächtig sauer auf uns, denn der Kormoran findet in Mecklenburg-Vorpommern auch sein Urlaubsland Nummer eins. Deshalb rufe ich Sie auf: Stimmen Sie uns zu! Unterstützen Sie diesen pragmatischen, fairen und modernen Weg! Und senden Sie ein Signal an die Fischer in unserem Land, das heißt, ihr werdet gesehen, ihr werdet gehört und ihr werdet nicht länger im Stich gelassen! (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD – Enrico Schult, AfD: Sehr richtig!) Wir sind es den Fischern schuldig, ob in oder an der Küste, nicht länger wegzusehen. Wir müssen jetzt endlich mal handeln, bevor sich die Situation weiter verschlechtert. Unsere Fischer gehören auf See und nicht ins Museum. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Und hierzu dient unser Antrag. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD)
