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Anne Shepley

GRÜNE 26.06.2025 Sitzungen 8/109

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleg/-innen! Im vergangenen Jahr haben sich nach einer Erhebung der Kaufmännischen Krankenkasse in Mecklenburg-Vorpommern die proportional meisten Menschen krankgemeldet. Seit 2019 stieg die Zahl der eingereichten Atteste um 60 Prozent. Dies lag nicht nur an der Umstellung auf die elektronische Krankschreibung oder Corona, sondern auch vermehrt an psychischen Leiden. Diagnosen wie Anpassungsstörungen, Depressionen oder chronische Erschöpfung nehmen kontinuierlich zu. Gerade auch bei jungen Menschen treten spätestens seit der Covid-19-Pandemie Einsamkeit, Angstzustände und eine Vielzahl weiterer psychischer Herausforderungen immer öfter zutage. Gleichzeitig gibt es lange Wartezeiten bei Therapeut/-innen und Fachärzten, aber auch in Krankenhäusern. Für die Betroffenen dauert es einfach oft zu lange, bis sie Hilfe bekommen. Und wir dürfen auch nicht vergessen, dass die medizinische Therapie nur eine Säule auf dem langen Weg oder oft langen Weg zur Genesung ist und dass Selbsthilfegruppen eine echte Alternative sind und aus diesem Grund auch die vierte Säule des Gesundheitswesens genannt werden und sie deshalb eine wichtige Säule darstellen von Kindern und Jugendlichen, über Erwachsene, Krebskranke, Menschen mit psychischen Herausforderungen oder chronischen Erkrankungen. Hilfe zur Selbsthilfe kann zwar keine Therapie oder fachkundige medizinische Behandlung ersetzen, aber Hilfe zur Selbsthilfe lindert Leiden. Menschen fühlen sich in Selbsthilfegruppen verstanden und akzeptiert. Sie können ihre Gefühle, Ängste oder Sorgen in einer sicheren Umgebung teilen. Das Beobachten, wie andere Menschen mit ähnlichen Problemen umgehen und Fortschritte machen, kann Hoffnung und Mut schenken. Es zeigt, dass Veränderung möglich ist. Das offene Gespräch über Schwächen, Ängste und alltägliche Herausforderungen fördert nicht nur die Selbstakzeptanz, sondern auch das Selbstwertgefühl. Kurz, Selbsthilfegruppen können emotionale Stütze sein und Menschen Kraft, Hoffnung und Verbundenheit schenken. Unklar ist für die Betroffenen jedoch oft, wo es die passende Selbsthilfegruppe gibt oder wie man im Bedarfsfall eine solche gründen kann. An dieser Stelle kommen Selbsthilfekontaktstellen ins Spiel. Von denen gibt es derzeit neun in Mecklenburg-Vorpommern, und sie sind dafür zuständig, das Ganze zu organisieren, zu steuern und das Selbsthilfeengagement vor Ort, was natürlich ehrenamtlich getragen wird, zu ermöglichen. Sie ermöglichen niedrigschwellige Angebote und vernetzen Betroffene untereinander. Gleichsam mit der Zahl der Erkrankten steigen jedoch auch hier die Bedarfe. Allein in Schwerin wurden im vergangenen Jahr mithilfe der Selbsthilfekontaktstelle 19 neue Gruppen gegründet, zusätzlich zu den bereits vorhandenen circa 160 Gruppen. Meine Damen und Herren, die Zahl der Erkrankten ist gestiegen. Die Zahl und Komplexität der betroffenen Themen ist gestiegen, und in den letzten zehn Jahren ist das Einzige, was fast gleich geblieben ist, die Landesförderung und auch die kommunalen Mittel. Was einst sechs Selbsthilfekontaktstellen finanzierte, wird mit Ausnahme einer minimalen Erhöhung im letzten Doppelhaushalt jetzt schlicht auf neun verteilt. Das führt bei vielen Kontaktstellen zu de facto Stellenkürzungen. Die Mitarbeitenden sind am Limit und können ihrer Aufgabe nicht mehr gerecht werden. Lassen Sie mich an dieser Stelle einmal hervorheben, dass wir hier von einem sehr spezialisierten Arbeitsfeld sprechen, wenn wir von haupt- und ehrenamtlicher Betätigung sprechen! Bei Ehrenamt stellen wir uns Feuerwehr vor, stellen wir uns THW vor, aber hier sind Ehrenamtler und Hauptamtler unter großem psychologischen Druck mit Menschen dabei, ihnen zu helfen, denen oft jede Hoffnung fehlt und die sich in sehr schwierigen Lebenslagen befinden. Hinzu kommt als Herausforderung Mecklenburg-Vorpommern als Flächenland. Insbesondere im ländlichen Raum gibt es durch fehlende auch digitale Ressourcen weiße Flecken in der Versorgung. Die eigene Isolation, Einsamkeit und nicht vorhandene soziale Kontakte lassen dadurch viele Menschen allein, obwohl Selbsthilfe doch die niedrigschwelligste Option der Hilfe in unserem Gesundheitssystem ist. Und weil wir gerade in Zeiten wie diesen Menschen mit ihren Sorgen nicht alleinlassen dürfen, ist es unser aller Aufgabe, Selbsthilfestrukturen in Mecklenburg-Vorpommern zu stärken. Deshalb fordert meine Fraktion mit unserem Antrag, dass wir zum einen die Landesförderung für die vorhandenen Selbsthilfekontaktstellen bedarfsgerecht erhöhen, sodass auch Tariferhöhungen endlich einkalkuliert werden können. Dafür ist es auch zentral, dass mit dem Doppelhaushalt 2026/27 eine institutionalisierte Förderung erfolgt und es klare Kriterien für die Vergabe der Mittel gibt, decken wir im Sinne der Erkrankten und zur Entlastung des allgemeinen Gesundheitswesens die Bedarfe. Dazu braucht es einen landesweit einheitlichen Personalschlüssel, auch unter Berücksichtigung regionaler Besonderheiten. Weiße Flecken in der Versorgung müssen Geschichte sein. Andere Regionen, wie Nordrhein-Westfalen und Berlin, leben dies bereits erfolgreich vor. Und nicht zuletzt, aber dennoch zentral: Lassen Sie uns die Landeskontaktstelle für Selbsthilfegruppen endlich ins Leben rufen! Nur so kann hauptamtlich, wie in anderen Bundesländern auch, Vernetzung aktiv erreicht und eine bundesweite Gremienarbeit und Repräsentanz Mecklenburg-Vorpommerns überhaupt erst vorangetrieben werden. (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ich bitte um Zustimmung zu unserem Antrag und freue mich jetzt auf die Debatte. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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