David Wulff
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! (Unruhe bei Thomas de Jesus Fernandes, AfD, und Sebastian Ehlers, CDU) Ja, Spieleentwicklung macht unglaublich viel Spaß und kann unglaublich lukrativ sein. Kann ich aus eigener Erfahrung berichten, ich habe selbst mehrere Toptitel produzieren dürfen, hier in Mecklenburg-Vorpommern, die dann in die Welt verkauft wurden – Nummer-eins-Titel in den USA, Italien, Frankreich, Deutschland natürlich auch, in den unterschiedlichsten Formen und Farben, Apple Sponsoring und Co, also nicht nur einen Titel, sondern mehrere Titel, nachhaltig. Aber es ist unglaublich teuer. Überlegen Sie sich mal, was die Entwicklung eines Spiels kostet! Alleine, wenn ich mit einem kleinen Team arbeite, mit vernünftig ausgebildeten Entwicklern/Spieleentwicklern, und mache nur einen kleinen Titel, komme ich unter 500.000 Euro Investitionen gar nicht weg. Und das Geld muss irgendwie erst mal aufgebracht werden. Und ich verstehe das, wenn das gut läuft, dann kann man das ähnlich wie in Hamburg machen. Hamburg Spielecity, Goodgame war einer unserer Hauptkonkurrenten damals auch gewesen, unglaublich erfolgreich, übrigens auch so mit In-App-Käufen, machen bestimmt auch ein paar Lootboxen noch irgendwo mit rein. Es gibt große, große Spieleentwickler in Stockholm, die ich auch besuchen durfte, mit denen ich zusammenarbeiten durfte, Paradox Interactive als Beispiel. Da hat sich auch sehr, sehr viel drum rum angesiedelt. Das ist eine Kreativbranche mit unglaublich viel Drive, die, wenn es gut läuft, wirklich Geld abwerfen kann. Aber hier kommt das „Wenn“. In der Regel geht es schief. In der Regel ist das ein super hohes Investment und in der Regel ist das, was hinten rauskommt, nicht das, was die Kosten deckt. Und das ist das Problem, wo ich sagen würde, okay, wenn man das möchte und wenn man das fördert, dann brauche ich ja nur einen guten Treffer, mit dem ich alles irgendwie wieder wettmachen kann. Dann brauche ich aber auch ein Fördersystem, wo ich vielleicht die ganzen Nieten, die ich mal mitgefördert habe, das wieder zurückbekomme, und dann brauche ich aber auch ein Finanzvolumen, was das halt trägt. Dann kommen wir wieder an die Problematik, wenn ich Fördergelder reinhaue, dann brauche ich einen Eigenanteil, und selbst wenn ich jetzt 500.000 Euro nur für einen Titel veranschlage, und das ist ein kleiner Titel, und das Land irgendwie 100.000 oder 200.000 Euro dazugibt, muss ich ja immer noch 300.000 Euro aufbringen. Und da komme ich schon wieder an ganz große Probleme. Das heißt, ich muss eine Kulisse mit unglaublich viel Geld machen. Und glauben Sie mir, wenn das Land so ein Programm auflegen würde mit hinreichend Geld, ich werde schon einen Antrag schreiben, super gerne! (Heiterkeit bei Philipp da Cunha, SPD, und Michael Noetzel, DIE LINKE) Aber ich halte es jetzt aus politischer Perspektive hier für nicht richtig, weil ich glaube, wir haben andere Prioritäten. Ich würde es sinnvoller finden, wenn der Bund sein Programm wieder mit Geld füttert, weil da die Mittel und die Titel einfach viel höher waren. Und dann könnte man eher gucken, ob man wie zum Beispiel das DIZ in Neubrandenburg und Co … Fairerweise, die Spieleentwicklerszene in Mecklenburg-Vorpommern ist so klein, man kennt sich untereinander. Selbst Minister Pegel, ich erinnere mich, war auch mal eine Runde mit dabei – alle ganz aufgeregt, oh, der Minister kommt, der Minister kommt! Na ja, mittlerweile, es machen auch alle was anderes, sie müssen auch alle irgendwie anders Geld verdienen, weil diese großen Titel zu produzieren, nicht so leicht ist. Deswegen kann ich dem Antrag so nicht zustimmen, weil er politisch nicht zielführend ist, (Michael Noetzel, DIE LINKE: Aber cool!) aber cool wäre es. (allgemeine Heiterkeit – Beifall Barbara Becker-Hornickel, fraktionslos – Zuruf von Rainer Albrecht, SPD)
