Henning Foerster
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Im Selbstbild der Branche sind Games gleichermaßen Kulturgut, Innovationsmotor und Wirtschaftsfaktor. Sie vereinen viele Medienformen, wie Sprache, Text, Klang und bewegte Bilder, und erweitern diese durch ihre spezifischen Eigenschaften wie die Interaktivität, das Spielerische und das Soziale zu einer einzigartigen Erfahrung. Zur Gamesbranche gehören zahlreiche Akteure, allen voran natürlich die Spieleentwickler und Publisher. In der heutigen Gamesbranche sind die früheren Grenzen zwischen klassischen Entwicklungsstudios und Publishern zunehmend verschwunden. Und dank unterschiedlich kostenintensiver Produktionsmittel können Spiele mittlerweile sowohl von kleinen 2-Mann-Studios entwickelt werden als auch von Teams mit mehreren Hundert Spezialisten. Durch Downloadportale ist es so einfach wie nie, sein digitales Spiel weltweit zu verbreiten. Dieser Wandel in den Produktions- und Distributionsmöglichkeiten hat zu einer nie dagewesenen Vielfalt an Spielen und Entwicklungsstudios geführt, und immer häufiger entwickeln Publisher Spiele in eigenen großen Entwicklungsabteilungen. Nicht selten operieren die dann mit Produktionsbudgets von mehreren Hundert Millionen Euro, um hausinterne Spieleprojekte zu realisieren, die auf der ganzen Welt Verbreitung finden. Die Fans des Gaming unter uns freuen sich zum Beispiel seit Jahren auf die Fortsetzung eines echten Action-Adventure-Klassikers GTA VI. (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) In etwa einem Jahr sollte es soweit sein. Der 26. Mai 2026 war als Erscheinungsdatum angekündigt. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Vor drei Jahren, haben wir schon gesagt.) Seit mittlerweile acht Jahren wird an dem neuen Teil gearbeitet. Das Budget für die Entwicklung liegt bei rund 2 Milliarden Euro. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Ja.) Kosten und Erwartungen sind also enorm und das Risiko für den Entwickler Rockstar Games auch entsprechend hoch. Sollte das Spiel ein Flop werden, könnte das sogar für ein so großes Studio existenzbedrohend sein. Beispiele für gescheiterte Großprojekte gibt es viele. So hat etwa der Konsolenhersteller Sony mit dem Ego-Shooter „Concord“ völlig danebengelegen. Das Spiel wurde nach nur zwei Wochen vom Markt genommen, die Käuferinnen und Käufer erhielten ihr Geld zurück. Die Entwicklungskosten betrugen in diesem Fall mehr als 400 Millionen US-Dollar. Meine Damen und Herren! Sehr geehrter Herr Kollege Peters! Ich habe beim ersten Lesen dieses Antrags durchaus Sympathie verspürt. Doch bei genauerem Hinsehen wurde mir schnell klar, Mecklenburg-Vorpommern kann sich diese Spielweise – Spielwiese, Entschuldigung – nicht leisten. Natürlich könnte man versuchen, im Markt von Ubisoft, EA, Sony oder Nintendo mitzumischen. Aber angesichts der eben von mir genannten Budgets und der Summen, die heute für die Entwicklung konkurrenzfähiger Spiele aufgewendet werden, sind die Forderungen der CDU zumindest aus unserer Sicht leider eher Wunschträume. Denn wenn wir wirklich sagen, M-V soll Gamingstandort werden, dann müsste man nicht kleckern, sondern massiv klotzen. Da gäbe es ganz viel aufzuholen, denn die Entwicklungen der letzten zehn Jahre wurden leider verschlafen, auch während der Zeit, in der Sie Verantwortung für das Wirtschaftsministerium getragen haben. Fest steht, hierzulande fehlt es einfach an entsprechenden Strukturen. In Deutschland gibt es insgesamt 908 Unternehmen mit circa 12.000 Beschäftigten.
