landtag-mv.de ↗

René Domke

fraktionslos 14.05.2025 Sitzungen 8/105

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 80 Jahren, auch hier in Mecklenburg-Vorpommern, war das Ende eines unvorstellbaren Schreckens. Für viele bedeutete der Zweite Weltkrieg Flucht, Vertreibung – und ja, vor und nach dem 8. Mai 1945 –, für nahezu alle bedeutete er aber auch Schmerz, Verlust, Trauer, Verzweiflung. Viele Orte in M-V weisen noch heute deutliche Spuren auf von Zerstörung und Verlust. Zehntausende Gräber allein in Mecklenburg-Vorpommern, teilweise bis heute namenlos, Stolpersteine, Familienstammbäume, die abrupt endeten, Fotos mit Trauerrand in nahezu allen Familienalben. Meine Damen und Herren, ja, das Sterben ging auch nach dem 8. Mai weiter. Ja, wir erinnern uns auch daran, dass viele Menschen sich das Leben nehmen wollten, aus Angst, weil sie einer Hetze aufgesessen waren. (Thore Stein, AfD: Meine Güte!) Wir sehen Spuren noch heute in Baulücken, in Ruinen, und es ist wichtig, dass auch diese schmerzhaften Verluste im Stadtbild erlebbar bleiben, mahnend und erinnernd. Machen wir uns immer wieder bewusst, welches grausame Leid die Verführbarkeit der Massen bringen kann, Massen, die nicht etwa gezwungen wurden, Gräuel zu begehen, sondern diese sogar bejubelten und bereitwillig begingen, Massen, die ihre eigenen Werte und Freiheiten, ihre eigene Demokratie aufgaben für einen Rausch aus Mitläufertum und Größenwahn! Meine Damen und Herren, „Ohne Wahrheit und Verantwortung keine Freiheit“ – eine gut gewählte Überschrift. Es ist die Grundlage unseres demokratischen Selbstverständnisses. Wer Freiheit will, muss bereit sein, sich der Geschichte zu stellen, ehrlich, klar und ohne Relativierung. Die Generationen haben es mehr oder weniger aufgearbeitet, doch viel Schweigen herrschte, verspätete Scham- und Schuldgefühle. Jeder kennt es auch aus der eigenen Familie. Die Wahrheit lautet, von deutschem Boden ging ein beispielloses Verbrechen aus, gegen die Menschlichkeit. Die Verantwortung dafür endet nicht mit dem Tod der Tätergeneration. Sie bleibt unsere politische und moralische Verpflichtung, auch gerade heute. (Beifall vonseiten der Fraktion der SPD, Barbara Becker-Hornickel, fraktionslos, und David Wulff, fraktionslos) Unsere Freiheit ist nicht naturgegeben. Sie muss jeden Tag verteidigt werden gegen das Vergessen, gegen die Verharmlosung, gegen neue autoritäre Versuchungen, gegen neue Verführungen der Massen, nicht aus Schuld allein, sondern aus Verantwortung, Verantwortung gegenüber der Wahrheit, gegenüber den Opfern, über Generationen hinweg. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE, Sebastian Ehlers, CDU, Barbara Becker-Hornickel, fraktionslos, und David Wulff, fraktionslos)

Alle Reden von René Domke Protokoll ↗