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Thomas de Jesus Fernandes

AfD 10.04.2025 Sitzungen 8/103

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern verlieren gerade das Vertrauen in ein Gesundheitssystem, das sie längst nicht mehr erreicht. Denn was nützt es, auf dem Papier gut versorgt zu sein, wenn man wochenlang auf einen Facharzttermin warten muss? Was hilft eine ausgeglichene Bedarfsplanung, wenn der Hausarzt in Gadebusch oder Hagenow seit zwei Jahren keinen Nachfolger findet? Was bringen uns knapp 400 Medizinstudenten im Land für je 200.000 Euro Investition pro Studienplatz, wenn davon am Ende nur knapp ein Drittel im eigenen Land bleibt? Hier läuft etwas gewaltig falsch. Ich will ein Beispiel nennen. Sie wollen eine Schlaganfallvorsorge in Rostock, dann haben Sie bis zu zwölf Monate Wartezeit. In Greifswald behandelt eine HNO-Ärztin 3.000 Patienten pro Quartal, das sind 100 Patienten pro Tag, und dennoch bedeutet das 140 Prozent Versorgung auf dem Papier. Und wer denkt, das sei ein Ausnahmefall, der irrt. Sie suchen einen Augenarzt in Schwerin – Fehlanzeige, keine Praxis nimmt neue Patienten auf, auch nicht in Wismar oder Umgebung, es sei denn, Sie zahlen privat, dann sind Termine verfügbar. Stellen Sie sich das vor, Sie zahlen jeden Monat Beiträge an Ihre Krankenkasse, doch wenn Sie ärztliche Hilfe brauchen, müssen Sie trotzdem tief in die Tasche greifen, und das, obwohl zu Jahresbeginn die höchsten Beitragssteigerungen seit jeher stattgefunden haben. Da fragt sich der Bürger zu Recht, was mit dem sauer verdienten Geld passiert. Und dann warten Sie trotzdem Wochen auf einen Termin. (Torsten Koplin, DIE LINKE: Sind Sie denn für die Abschaffung der privaten Versicherung? Darf man das schlussfolgern?) Das ist die Realität in diesem Land. Und was sagt die Bedarfsplanung? Alle sind ausreichend versorgt. Wer versucht, einen Zahnarzt für sein Kind in Hagenow zu finden, der kann sich auf eine halbe Tagesreise einstellen, nach Büchen über die Landesgrenzen hinaus. Dafür nimmt man dann Urlaub, um überhaupt eine Versorgung möglich zu machen. Hier läuft etwas gewaltig falsch, ganz einfach. Wunsch und Realität klaffen hier auseinander, und das dramatisch. Und das betrifft nicht nur die Patienten, sondern auch die Ärzte selbst, denn sie leisten Übermenschliches, sie behandeln weit über die Sprechstundenzeiten hinaus, übernehmen Verantwortung, obwohl das System versagt, sehen Probleme und ergreifen Eigeninitiative und werden dann mit bürokratischen Hürden blockiert. Die Folge: unzufriedene Ärzte und wieder weitere Wege für Patienten. Und jetzt hören wir von der geplanten Einführung des Primärarztsystems. Künftig soll also der Hausarzt erste Anlaufstelle und Vermittler für Facharztbesuche werden. Nur wer eine Überweisung hat, soll überhaupt einen Termin bekommen. Und wer sich aus Sorge oder Vorsicht trotzdem zum Facharzt begibt, soll womöglich noch selber dafür zahlen. Meine Damen und Herren, diese Art von Steuerung ist keine Lösung, sie ist ein Rückschritt, denn wer heute krank ist, muss behandelt werden und nicht verwaltet, wer heute Schmerzen hat, braucht Behandlung und keine Bürokratie. Und dabei ist Mecklenburg-Vorpommern das Land mit der höchsten Krankheitsquote bundesweit: 230 Krankmeldungen pro 100 Versicherte. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 206. Das ist nicht nur ein medizinisches Problem, das ist ein wirtschaftlicher Schaden, eine soziale Belastung und ein politisches Alarmsignal. Was also fordern wir? Eine ehrliche, transparente Bedarfsplanung – wir fordern eine Bedarfsanalyse, die nicht nur die Versorgung auf dem Papier bewertet – , Transparenz statt Blindflug – wir wollen ein öffentliches Register, in dem jeder nachschauen kann, welche Praxen haben Kapazitäten, wie lange sind die Wartezeiten – , Förderprogramme für Praxisgründung – klar, attraktiv und entbürokratisiert –, digitale Entlastung der Praxen – weniger Formulare, mehr Patientenzeit –, Prävention in der Fläche gegen Sucht, Übergewicht, chronische Erkrankungen. Mecklenburg-Vorpommern hat bundesweit die meisten übergewichtigen Kinder, zunehmende Suchtprobleme, steigenden Drogenkonsum, das belegen auch Abwasseranalysen. (Heiterkeit und Zuruf von Christine Klingohr, SPD) Wir brauchen Gesundheitsbildung von klein auf, betriebliche Gesundheitsförderung und eine Kampagne für eine aktive Versorgung. Wir reden in der Enquete-Kommission „Jung sein in M-V“ darüber, wie wir unser Land lebenswert und zukunftsfähig machen wollen. Fangen wir doch hier an mit verlässlicher, erreichbarer menschlicher Gesundheitsversorgung, denn Gesundheit ist Leben, und das sollte jedem Menschen im Mecklenburg-Vorpommern gleichermaßen bereitstehen, nicht nur denen mit Geld, Geduld oder Beziehungen. Lassen Sie uns gemeinsam für eine ehrliche, verlässliche Gesundheitsversorgung eintreten, denn Wartezeiten sind kein Schicksal, Versorgungslücken sind kein Naturgesetz. Beides ist das Ergebnis politischer Entscheidungen, und beides kann politisch geändert werden, deshalb unser Antrag. – Vielen Dank, meine Damen und Herren! (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD und Dr. Eva Maria Schneider-Gärtner, fraktionslos)

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