Jeannine Rösler
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die Probleme im Zusammenhang mit übermäßiger Smartphone-Nutzung sind keine abstrakten Phänomene. Sie begegnen uns tagtäglich. Das hat die Debatte auch gezeigt. Wir sehen Schülerinnen und Schüler, die übermüdet in den Unterricht kommen, weil sie die halbe Nacht an ihren Bildschirmen kleben. Wir beobachten, wie Jugendliche in der Pause deutlich weniger miteinander sprechen, weil sie wie in Trance durch TikTok oder Instagram scrollen. Und wir erleben Klassenchats, in denen nicht nur harmlose Späße kursieren. Diese Entwicklungen dürfen uns nicht kaltlassen. Wir müssen uns damit beschäftigen. Wir müssen uns die Frage stellen, wie gehen wir damit um. Helfen uns pauschale Verbote weiter oder brauchen wir nicht vielmehr einen reflektierten, pädagogisch begleiteten Umgang mit digitalen Medien? Brauchen wir nicht Bildung, Aufklärung und Regeln, die von der gesamten Schulgemeinschaft getragen werden? Diese Diskussion bewegt viele – Eltern, Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler, die Expertinnen und Experten in der Medienpädagogik, Mitglieder von Schulkonferenzen und viele andere. Das Smartphone ist ein ständiger Begleiter im Alltag, das ist ein Fakt. Es ist Uhr, Wecker, Lexikon, Kamera, Rechner, soziales Netzwerk, Musikbibliothek, Spielekonsole, Kommunikationsmittel und vieles, vieles mehr. Es ist ein Zugang zur Welt und ein Lernmittel. Es ist aber auch – und davor können und dürfen wir auch die Augen nicht verschließen – eine Quelle permanenter Ablenkung. Die AfD fordert in ihrem Antrag ein generelles Verbot von Smartphones bis zur 6. Klasse. Wir finden, Sie ignorieren damit einfach die Lebenswirklichkeit von Kindern und Jugendlichen. Der Antrag der FDP, er ist ausgewogen. Es geht um mehr Medienbildung, bessere Fortbildungen für Lehrkräfte, Handlungsspielräume für Schulen – alles Punkte, die wir grundsätzlich begrüßen. Vieles davon wird bereits gemacht. Die Ministerin ist insbesondere auch auf den Bereich der Fortbildung eingegangen und wie hoch hier auch die Inanspruchnahme durch die Lehrkräfte ist. Schulen in Mecklenburg-Vorpommern haben längst auch eigene Konzepte zum Umgang mit Smartphones entwickelt im Rahmen ihrer Medienbildungskonzepte und im Sinne der Schulautonomie. Meine Fraktion lehnt ganz klar autoritäre Verbote ab. (Heiterkeit vonseiten der Fraktion der AfD) Wir setzen auf Beteiligung, auf Aufklärung und auf demokratische Prozesse. Schulen sollten eben nicht bevormundet werden. Sie können bereits gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern, mit den Lehrkräften und Eltern Regeln entwickeln, die im Alltag dann auch tragfähig sind. Der schulische Alltag zeigt es deutlich: Die digitalen Geräte gehören fest zum Alltag der Schülerinnen und Schüler, zur Kommunikation, zur Unterhaltung, zur Orientierung, aber sie können auch zur Belastung werden. Die DAK-Studie in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf aus dem letzten Jahr liefert hierzu alarmierende Zahlen. Rund ein Viertel der Jugendlichen zeigt eine problematische Nutzung sozialer Medien. 360.000 junge Menschen in Deutschland erfüllen sogar die Kriterien einer Abhängigkeit. Wie oft wir selbst hier aufs Handy schauen, das wissen Sie, wenn Sie sich wirklich kritisch reflektieren. Das tue ich auch selbstkritisch. Und dann bitte ich Sie, mal darüber nachzudenken, wie es in Ihrer eigenen Schul- oder Studienzeit war. Wie oft haben Sie im Unterricht, in einer Vorlesung oder in einer Konferenz gedanklich abgeschaltet, weil Sie etwas anderes beschäftigt hat? Dann stellen Sie sich vor, Sie wären 13 Jahre alt mit allen Eindrücken, mit dem Druck, und dann überlegen Sie noch einmal, ob ein einfaches Verbot wirklich zielführend ist.
