Katy Hoffmeister
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das immaterielle Kulturerbe in Mecklenburg-Vorpommern hat einen sehr prominenten Platz in diesem Landtag eingeräumt bekommen, an dem heute Morgen, am Freitag eine solche Debatte stattfindet. Das Thema ist ein nettes und erfreuliches, könnte man sagen. Jedem von uns fällt sicherlich etwas ein, was er dazu beitragen kann aus seinem Heimatort oder aus seiner Gegend. Sie wissen, ich mache immer gleich Werbung, erst mal für das materielle Welterbe, vor allem Kulturerbe, nämlich für mein Bad Doberaner Münster. Und das mache ich an dieser Stelle als Allererstes, bevor ich auch gerne ein Beispiel für das immaterielle Kulturerbe beitragen kann. Also, liebe Frau Schröder, wenn Sie das vorhaben, ich hätte auch das herzogliche Anbaden in Heiligendamm auf dem Schirm. Aber so weit, so gut! Darum soll es hier nicht gehen, sondern ich frage mich ernsthaft, wozu wir diesen Antrag brauchen oder viel besser die Ausgestaltung in der Form dieses Antrages. Sie wissen es, meine Fraktion hat sich immer für die Beachtung und Bewahrung von Tradition und Geschichte eingesetzt, für den Erhalt identitätsstiftender Symbole und Gebäude, so natürlich zuletzt gerade auch für die Kirchen, die gefälligst im Dorf bleiben sollen. Jetzt reden wir also über identitätsstiftende Dinge, die man nicht anfassen kann, über Traditionen, Bräuche und Ausdrucksformen. Und es stimmt, unsere Region ist reich an Dingen, die nicht nur unsere Geschichte prägen, sondern vor allem auch unser gemeinsames Miteinander stärken. Diese lebendigen Traditionen sind es wert, bewahrt und auch gefördert zu werden. Deshalb gibt es ja die Bundesliste für Immaterielles Kulturerbe und die UNESCO-Liste für Immaterielles Kulturerbe. Jetzt also eine Landesliste. Zumindest was die Ausführungen zu den bereits in Bundes- und UNESCO-Liste aufgenommenen Ausdrucksformen angeht, verstehe ich das Problem nicht, Frau Schröder, warum man dafür jetzt komplizierte Prüfungen und Verfahren zusätzlich einführen will. Eigentlich fragt man sich ja, warum neben der Bundes- und der weltweiten Struktur noch überhaupt eine weitere geschaffen werden muss. Aber da kann man natürlich auf die Traditionen abstellen, die wir hier explizit haben, die nicht auf einer dieser beiden Listen stehen. Auch diese haben natürlich das Recht, eine eigene Liste zu führen und möglicherweise auch aktiv bewahrt zu werden. Aber, liebe Frau Kollegin, dahinter stehen im Kern vor allem immer Ehrenamtler mit viel Engagement, Zeit, Motivation und natürlich Lust auf ein besonderes Thema. Da habe ich mich als Erstes gefragt, warum nicht vielleicht auch die Ehrenamtsstiftung der richtige Adressat für das Führen einer Liste gewesen wäre. Viel schwieriger finde ich aber – und deshalb zitiere ich mal aus dem „Nordkurier“ und der SVZ vom 13. 03., ich habe zugegebenermaßen ein bisschen zurückgegriffen auf zusätzliches Material zu Ihrem Antrag, um genauer zu verstehen, was Ihr Kulturerbebegriff eigentlich ist, und ich gebe zu, ich war etwas ratlos –, da steht: „Das lebendige Kulturerbe ist Teil des Alltags der Menschen in Mecklenburg-Vorpommern. Vom Handwerk wie Töpfern …, mediterraner Küche oder Yoga … Chorsingen“ – und vieles andere mehr, das lasse ich jetzt gleich mal weg –, das ist ganz viel Engagement. Aber woran liegt da das geschichtsträchtige, mitgebrachte mecklenburg-vorpommersche Kulturerbe? Das habe ich zugegebenermaßen nicht verstanden. Vielleicht können Sie das noch mal erklären. (Zuruf von Thore Stein, AfD) Darf ich Ihnen sagen, was ich als erste Reaktion von einem Freund bekommen habe, mit dem ich das Thema diskutiert habe? Das hört sich an wie der Veranstaltungskalender der Stadt Bad Doberan, der durch viele Ehrenamtler gestemmt wird. Und das wäre schade. Sehr geehrte Frau Kollegin, vielleicht könnten Sie da auch noch mal ein bisschen für Aufhellung sorgen. Das aber vielleicht dazu. Wenn etwas zu vermissen ist, dann immer bei der Frage: Wie steht es denn um die Finanzierung und was heißt das dann für das Geld? Und genau hier an dieser Stelle wird Ihr Antrag durchaus ungenau. Es wird klar gesagt, dass es mit dem Heimatverband bereits Strukturen gibt. Warum mischt sich dann jetzt das Ministerium ein oder mischt es sich nicht ein? Und warum gibt es diesen Antrag? Wir reden in dem Antrag auch nicht über finanzielle Unterstützung. Der Landtag soll also Listen in Auftrag geben, und Arbeitsgruppen sollen gegründet werden. Und das alles kostet nichts?! Zugegebenermaßen, das glaube ich im Leben nicht. Was wichtig wäre – jedenfalls, wenn man Ihrer Struktur folgen würde –, wäre eine institutionelle Förderung des Heimatverbandes, denn der ist der Netzwerker im Land. Das bleibt hier aber aus. Und deshalb kann ich Ihnen sagen, bei aller Mühe und Verständnis für Ihren Antrag und das Werben dafür, wir können Ihrem Antrag an der Stelle nicht zustimmen. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktion der CDU)
