Thomas Würdisch
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich bin dankbar, dass wir heute die Gelegenheit haben, so ein wichtiges Thema zu debattieren, Antisemitismus in Mecklenburg-Vorpommern die Stirn zu bieten, jüdisches Leben zu fördern, unser Geschichtsbewusstsein zu stärken und als Gesellschaft weltoffen zu sein. Sehr geehrte Damen und Herren, Mecklenburg-Vorpommern ist eine Region, die reich ist an Geschichte, Kultur und Gemeinschaft. Doch auch hier in unserem Land sehen wir, wie wichtig es ist, wachsam zu sein und uns entschieden gegen das Wiedererstarken von Antisemitismus und Diskriminierung zu stellen. Jüdisches Leben hat in unserem Land eine lange Geschichte, die durch die Schoah eine tragische Zäsur erfahren hat. Es grenzt an ein Wunder, dass nach der Schoah wieder jüdisches Leben und jüdische Kultur in unserer Gesellschaft ein Zuhause haben. Unsere Verantwortung ist es, sicherzustellen, dass jüdisches Leben in unserem Bundesland nicht nur erhalten bleibt, sondern aufblüht. Leider erleben wir auch heute noch – beziehungsweise wieder – antisemitische Vorfälle, sei es in Form von Hetze im Internet, Angriffen auf Synagogen oder alltäglicher Diskriminierung jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger. Diese Vorfälle sind nicht nur Angriffe auf jüdisches Leben, sondern auf unsere gesamte Gesellschaft. Antisemitismus darf keinen Platz in Mecklenburg-Vorpommern haben. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, CDU, DIE LINKE, Constanze Oehlrich, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, und Barbara Becker-Hornickel, FDP) Umso wichtiger ist es, dass wir uns als Gesellschaft klar gegen jede Form des Hasses und der Ausgrenzung positionieren. Meine sehr geehrten Damen und Herren, jüdisches Leben gehört zu unserer Kultur und Identität. Es zeigt sich in unseren Gemeinden, in kulturellen Beiträgen, in der Musik, in der Literatur. Diese Vielfalt gilt es sichtbar zu machen und zu stärken. Positive Beispiele sind dafür die Jüdischen Gemeinden in Rostock und Schwerin, die mit ihrer Lebendigkeit und Offenheit ein bedeutendes Zeichen setzen. Projekte wie interreligiöse Dialoge und kulturelle Veranstaltungen sind wichtige Brückenbauer und verdienen unsere Unterstützung. Sehr geehrte Damen und Herren, die Geschichte mahnt uns, Verantwortung zu übernehmen. Unsere Schulen, Hochschulen, Gedenkstätten und Bildungseinrichtungen spielen eine zentrale Rolle dabei, insbesondere jungen Menschen die Bedeutung der jüdischen Geschichte und den Schrecken der Schoah, also die millionenfache Ermordung von Jüdinnen und Juden durch das nationalsozialistische Terrorregime, zu vermitteln. Geschichtsbewusstsein ist der Grundstein für ein klares Werteverständnis. In diesem Zusammenhang möchte ich die Bedeutung von Orten wie dem ehemaligen KZ-Außenlager Wöbbelin hervorheben. Die heutige Mahn- und Gedenkstätte erinnert uns daran, wie zerbrechlich Menschlichkeit, Mitmenschlichkeit sein können. Sie zeigt auch auf eindringliche Weise, wozu Ausgrenzung und Hass führen können. Meine sehr geehrten Damen und Herren, unsere Antwort auf Hass und Intoleranz muss Weltoffenheit und Zusammenhalt sein. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE, Constanze Oehlrich, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, und René Domke, FDP) Mecklenburg-Vorpommern ist eine Heimat für Menschen aus vielen Kulturen und Religionen. Eine offene und tolerante Gesellschaft ist eine starke Gesellschaft. Dabei geht es nicht nur darum, Antisemitismus zu bekämpfen, sondern auch Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und jede Form von Diskriminierung. Mit dem vorliegenden Landesaktionsplan haben wir in Mecklenburg-Vorpommern ein Werkzeug geschaffen, das jüdische Leben zu stärken, Antisemitismus entschieden entgegenzutreten und eine langfristige Strategie für Weltoffenheit zu entwickeln. Dieser Plan dient nicht nur der Bestandsaufnahme, wie sich jüdisches Leben in unserem Land gestaltet, sondern ist auch ein Wegweiser für die Zukunft. Er umfasst Maßnahmen wie Bildungsprogramme, Unterstützung für jüdische Gemeinden und die Förderung von Projekten, die Toleranz und Zusammenhalt fördern. Die Einzelmaßnahmen sind im Landesaktionsplan aufgeführt. Ich danke an dieser Stelle allen, die sich im Beteiligungsprozess eingebracht haben, dem Ministerium für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten, voran unserer Ministerin Bettina Martin und ihrem Team. Mein Dank geht auch an den Beauftragten für das jüdische Leben und gegen Antisemitismus in Mecklenburg-Vorpommern Herrn Nikolaus Voss und den Landesrabbiner Yuriy Kadnykov. Ich danke den zahlreichen Partnern, die sich an der Erarbeitung des Landesaktionsplans beteiligt haben. Sie sind in diesem Papier erwähnt. Vielen Dank Ihnen allen! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE, FDP und Constanze Oehlrich, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Abschließend möchte ich sagen, lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass Mecklenburg-Vorpommern ein Land bleibt, in dem jüdisches Leben willkommen ist, in dem Erinnerung lebendig bleibt und in dem die Vielfalt unserer Gesellschaft als Bereicherung und nicht als Bedrohung angesehen wird! Jede und jeder von uns kann dazu beitragen, sei es durch Bildung, durch den politischen Einsatz gegen Diskriminierung oder durch die Unterstützung von Initiativen vor Ort. Antisemitismus die Stirn zu bieten, ist keine Aufgabe Einzelner, sondern ein Auftrag an uns alle. Lassen Sie uns diesen Auftrag annehmen und gemeinsam für eine weltoffene, respektvolle und gerechte Gesellschaft eintreten! – Herzlichen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, CDU, DIE LINKE, FDP und Constanze Oehlrich, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
