Dirk Bruhn
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Lassen Sie mich heute mit einem Zitat von Minister Backhaus beginnen. In einer am 29. November veröffentlichten Pressemitteilung des Ministers heißt es: „Der Wald ist essentiell für den Klimaschutz. Leider mussten wir mit der Bundeswaldinventur zur Kenntnis nehmen, dass der Wald nicht mehr überall seine Funktion als CO -Senke erfüllen kann. Wir 2 müssen die natürliche Waldentwicklung sowie die Aufforstung und den Umbau der Wälder zu mehr“ Widerstandsfähigkeit „massiv vorantreiben. Dafür muss es Klarheit bei der Finanzierung geben.“ (Vizepräsidentin Beate Schlupp übernimmt den Vorsitz.) „Unser erklärtes Ziel: eine nachhaltige, naturnahe Waldbewirtschaftung hin zum Dauerwald. Dabei haben wir die Sorgen und Nöte der Waldbesitzer im Auge und nehmen sie sehr ernst. Eine forstliche Nutzung des Waldes muss auch weiterhin möglich sein. Denn Holz ist ein nachhaltiger Baustoff, der wichtig ist für den Klimaschutz und den Schutz der natürlichen Ressourcen.“ Eigentlich könnte ich an dieser Stelle meinen Beitrag schon beenden, aber wir sprechen heute über ein Thema, das für uns eine entscheidende Bedeutung hat: die Entwicklung der Wälder in M-V. Die Ergebnisse der letzten Bundeswaldinventur geben uns Anlass, sowohl auf Erfolge zu blicken als auch die Herausforderungen zu analysieren, vor denen wir stehen. Sie zeigen, dass sich die Wälder in M-V überdurchschnittlich gut entwickeln. Sie zeigen aber auch, dass es insgesamt eher schlecht um unsere Wälder in Deutschland bestellt ist. So relativieren sich die Ergebnisse in M-V etwas. Dabei ist unser Ziel klar: klimaangepasste, stabile und artenreiche Wälder, die auch den kommenden Generationen als Lebensgrundlage und Erholungsraum dienen. Lassen Sie mich zunächst zu den Erfolgen beim Waldumbau und bei der Waldmehrung kommen. Beginnen wir also mit den positiven Entwicklungen. M-V hat eine Waldfläche von etwa 558.000 Hektar, was rund 25 Prozent der Landesfläche ausmacht. Das haben wir heute schon mehrfach gehört. In den letzten Jahren konnte die Waldfläche leicht gesteigert werden, ein Zeichen dafür, dass unsere Anstrengungen zum Schutz und zur Wiederbewaldung wirken. Diese Zunahme ist kein Zufall, sondern das Ergebnis gezielter politischer Maßnahmen und des Engagements vieler Waldbesitzer, Forstbetriebe und der Landesforstanstalt. Von den von Rot-Rot versprochenen 5 Millionen Bäumen haben wir bisher mehr als 3,5 Millionen gepflanzt. Für mich besonders erfreulich ist der Fortschritt beim Waldumbau. Immer mehr an Nadelbäumen, Monokulturen, vor allem Kiefern werden in strukturreiche Artenmischwälder umgewandelt. Der Anteil an Laubbäumen, die für ihre Klimawiderstandsfähigkeit und ökologische Vielfalt bekannt sind, steigt kontinuierlich. Dieser Trend ist unverzichtbar, um unsere Wälder widerstandsfähig gegen die Folgen des Klimawandels zu machen. Aber wir stehen auch vor großen Herausforderungen durch den Klimawandel. Die Bundeswaldinventur zeigt uns auch deutlich, dass wir noch einen weiten Weg vor uns haben. Die Klimakrise macht auch vor unseren Wäldern nicht halt. Die Trockenheit der vergangenen Jahre hat Bäume geschwächt, Krankheiten, wie den Befall durch den Borkenkäfer, begünstigt und vielerorts zum Verlust von Waldbeständen geführt. Insbesondere ältere Wälder, die in ihrer Struktur wenig anpassungsfähig sind, haben massiv gelitten, so die bitteren Ergebnisse der Waldinventur. M-V ist von dieser Entwicklung nicht verschont geblieben. Der gesamte Holzwald hat sich zwar seit der letzten Bundeswaldinventur von 167 Millionen Raummeter auf 184 Millionen Raummeter erhöht und die durchschnittliche Biomasse pro Hektar hat sich hierzulande zwar stabil entwickelt, doch auch hier gibt es Risiken. Die Dürreperioden setzen den Böden massiv zu und gefährden die natürliche Verjüngung unserer Wälder. Maßnahmen wie die Steigerung des Wasserhaltevermögens oder der Schutz vor Erosionen sind dringend erforderlich. Unsere Wälder sind aber nicht nur Lebensraum und Naherholung, sondern auch unverzichtbar für den Klimaschutz. Sie speichern enorme Mengen an Kohlenstoff und leisten damit einen Beitrag zur Reduktion der Treibhausgase. Allerdings warnt die Bundeswaldinventur, dass Deutschlands Wälder und damit auch die in Mecklenburg-Vorpommern in den letzten Jahren zur Kohlenstoffquelle geworden sind. Daran müssen wir intensiv arbeiten, indem wir die Wiederbewaldung weiter fördern und Totholz als Kohlenstoffspeicher anerkennen. Gleichzeitig ist der Wald ein wichtiger Wirtschaftsraum. Die Holzwirtschaft ist von den Veränderungen stark betroffen, da insbesondere die Fichte, die lange Zeit wirtschaftlich bedeutend war, zurückgeht. Wir müssen Lösungen finden, um nachhaltige Holznutzung mit dem Erhalt ökologischer Funktionen in Einklang zu bringen. Die Ergebnisse der Bundeswaldinventur sind ein Weckruf und eine Ermutigung zugleich. M-V hat die Chance, Vorreiter für klimaangepasste Wälder in M-V zu werden. Dafür müssen wir gemeinsam folgende Schritte vorantreiben: Erstens: Fortsetzung des Waldumbaus. Mehr Mischwälder mit klimawiderstandsfähigen Baumarten, insbesondere heimische Laubbäume, müssen gefördert werden. Der Anteil der Nadelbaumarten ist in M-V unter 50 Prozent gefallen, während Laubbäume, insbesondere Buche und Eiche, zunehmen. Kiefern bleiben mit gut 37 Prozent die häufigste Baumart. Zweitens: Förderung von Forschung und Innovation. Wir brauchen bessere Kenntnisse über die Anpassungsfähigkeit verschiedener Baumarten und innovative Technologien zur Waldbewirtschaftung. Drittens: Stärkung des Waldschutzes. Maßnahmen gegen Waldbrände, invasive Arten und Schädlinge müssen weiter intensiviert werden. Viertens: Förderung der natürlichen Verjüngung. Naturverjüngung ist die nachhaltigste Form der Waldentwicklung und sollte noch stärker unterstützt werden. Fünftens: Waldnaturschutz weiter vorantreiben. Der Waldnaturschutz ist zwar auf einem hohen Niveau mit 12,5 Prozent der Waldfläche, die nicht genutzt wird – dies zeigt das Engagement für nachhaltige Bewirtschaftung –, wir müssen aber auch insbesondere die privaten Waldbesitzer für mehr Waldnaturschutz gewinnen. Sechstens: Bessere finanzielle Ausstattung. Waldbesitzer, insbesondere Kleinwaldbesitzer, benötigen mehr Unterstützung, um die Herausforderungen des Klimawandels zu bewältigen. Aber auch das Land muss die auf Bundesebene zur Verfügung stehenden Mittel für den Klimaschutz im Wald maximal nutzen. Insgesamt sind 2027 3,5 Millionen Euro für verschiedene Maßnahmen eingeplant. Siebtens: die Personalausstattung der Landesforst. Hier bin ich der Meinung, dass naturnahe Wälder mehr Personal brauchen. Rot-Rot ist trotz der nicht gerade rosigen Finanzlage dazu bereit, eigenes Geld zur Kofinanzierung in die Hand zu nehmen, die gesetzlichen Vorgaben auf den Weg zu bringen und an der Zukunft der Wälder weiter erfolgreich zu arbeiten. Sehr geehrte Damen und Herren, der Wald in M-V ist ein unverzichtbares Erbe. Lassen Sie uns diesen Schatz gemeinsam bewahren, indem wir ihn an die Herausforderungen des Klimawandels anpassen und für kommende Generationen sichern. Die Bundeswaldinventur hat uns die richtige Richtung gewiesen. Nun liegt es an uns zu handeln. Dazu gehört für meine Fraktion auch, dass wir Ihnen in dieser Legislaturperiode eine Novelle des Landeswaldgesetzes vorlegen, die die Herausforderungen nicht nur beschreibt, sondern auch Wege aufzeigt, um Probleme zu lösen. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)
