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Reinhard Meyer

15.11.2024 Sitzungen 8/92

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Es ist zweifelsohne so, dass wir einen Fachkräfte- und Arbeitskräftemangel in Mecklenburg-Vorpommern haben. Und da spielt die Demografie die allergrößte Rolle, aber viele andere Dinge auch. Und deswegen sind wir schon seit Jahren dabei, dass wir Politik betreiben in der Arbeitsmarktpolitik, in der Wirtschaftspolitik, in der Bildungspolitik, und zwar vernetzt, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Aber das Wichtigste, meine Damen und Herren, ist der Mindset, was denken die Leute, was empfinden sie. Und ich will Ihnen ein Beispiel nennen, weil es in Mecklenburg-Vorpommern vor 20 Jahren so war, dass auf jede Ausbildungsstelle mindestens zwei/drei Bewerber theoretisch kamen, dass wir eine Arbeitslosigkeit hatten bei 25 Prozent und dass alle im Kopf hatten, wenn die Eltern, die Großeltern mit ihren jungen Menschen gesprochen haben, die sie kennen, in der Familie gesagt haben, Junge/Mädel, wenn du etwas werden möchtest, dann verlass das Land Mecklenburg-Vorpommern. (Thomas Krüger, SPD: So ist das. So war das.) Das ist vorbei, und das ist schon lange vorbei, meine Damen und Herren. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE – Thomas Krüger, SPD: Das ist auch gut so.) Und ich rufe dazu auf, dass wir, dass wir alle gemeinsam die Botschaft aussenden, jeder junge Mensch in Mecklenburg-Vorpommern wird gebraucht und jeder bekommt seine Chance. Das ist ganz, ganz wichtig, um Vertrauen in die Heimat zu setzen. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Und dazu, meine Damen und Herren, gehört natürlich die Stärkung der dualen Ausbildung. Immer, wenn ich im Ausland bin – das habe ich an dieser Stelle schon häufiger erwähnt –, dann wird als ein Punkt, der für Deutschland spricht als Standort, immer wieder die duale Ausbildung genannt. (Dr. Harald Terpe, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Richtig!) Das ist in der ganzen Welt bekannt, und wir haben es, und ich glaube, wir müssen das noch mehr wertschätzen. Und, meine Damen und Herren, dazu gehört natürlich auch die Gleichwertigkeit der akademischen und der beruflichen Bildung, etwas, was wir seit ganz langer Zeit schon miteinander anstreben. Und ich sage ja auch bei jeder Rede, natürlich muss man den Menschen, vor allen Dingen den jungen Leuten klarmachen, dass man auch gerade im Handwerk Karriere machen kann. Und dazu, meine Damen und Herren, gehört eine vernetzte Politik. Das heißt, die Ressorts der Landesregierung arbeiten zusammen in der Fachkräftestrategie Mecklenburg-Vorpommern, aber nicht alleine die Ressorts der Landesregierung, sondern mit dem Zukunftsbündnis Mecklenburg-Vorpommern, das heißt mit den Sozialpartnern, mit den Verbänden, mit den Akteuren, denn wir brauchen für unsere Maßnahmen alle an Bord. Und bei den Maßnahmen steht natürlich mit im Vordergrund die berufliche Orientierung und die ökonomische Bildung. Und man kann im Grunde genommen sagen, gerade was die Berufsorientierung angeht, ist es ganz, ganz wichtig, früh anzufangen, und das beginnt ehrlicherweise schon in der Kita. Und deswegen bedanke ich mich auch bei der Bildungsministerin, die dazu ein Konzept vorgelegt hat, das in die Fachkräftestrategie integriert worden ist, wo eine Vielzahl von Maßnahmen genau auf diesen Punkt abzielt: in der Kita schon Berufe vorzustellen, meine Damen und Herren, weitere Projekttage in den Schulen einzuführen, Verantwortliche in den Schulen zu benennen, die für die Berufsorientierung verantwortlich sind, die Berufsorientierung auf die Gymnasien auszuweiten, die Schülerbetriebspraktika weiter auszuweiten, in der Regionalschule, Klasse 8 oder 9, Praxistage/Praxislerntage einzuführen in den letzten Jahren, damit die jungen Leute ganz konkret und praktisch mit der Berufswelt konfrontiert werden. Und wir brauchen Patenschaften zwischen Unternehmen und Schulen, weil wer früh anfängt – ich höre das immer wieder in den Unternehmen –, der muss in den Schulen für seinen Beruf werben. Und dass man regionale Berufsbildungsmessen seit Jahren organisiert, gehört natürlich auch dazu, meine Damen und Herren. Und dazu gehört auch die Praktikumsprämie – Herr Winter hat es angesprochen –, die wir gemeinsam mit den Handwerkskammern eingeführt haben, weil hier immer gesagt wurde, wir tun nichts. Jetzt habe ich ja schon eine ganze Menge erzählt, was die Landesregierung macht. Auch die Praktikumsprämie gehört dazu, die Zahlen sind genannt worden. Und ich glaube, sie werden im nächsten Jahr, Herr Winter, weitaus höher sein, weil das Produkt, wenn ich das so sagen darf, ja noch relativ kurz am Markt ist. Weiter geht es natürlich, dass wir Auszubildende unterstützen beim Deutschlandticket. Ich hoffe – und dazu brauchen wir ja auch die CDU im Bund, und die Zeichen sind gut –, dass das Deutschlandticket auch für das nächste Jahr gesichert wird. Wir als Landesregierung haben entschieden, dass wir das, was wir bei dem ermäßigten Ticket subventionieren, nämlich 20 Euro aus Landesmitteln pro Azubi-Ticket, dass wir das fortführen werden, meine Damen und Herren. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Andere Maßnahmen, wie die Fahrt- und Übernachtungskosten, hat Herr Winter schon genannt. Lassen Sie mich noch einen Punkt nennen, der ganz wichtig ist. Wo wir uns noch mehr gemeinsam kümmern müssen, ist der Übergang von Schule und Beruf. In der Tat, niemand soll verloren gehen. Und auch hier wird es in Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit weitere Maßnahmen geben müssen, um das voranzubringen. Natürlich gehört auch die Infrastruktur „Berufsschulen“ zu den wichtigsten Dingen – und für uns ist es sehr, sehr wichtig, wenn eine Berufsschule wie in Waren an der Müritz, häufig zitiert, zur besten Schule in ganz Deutschland gewählt wird –, (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) nicht nur Berufsschulen, sondern alle Schulen. Das zeigt, wir investieren in die Infrastruktur der Zukunft der Berufsschulen. Und in Waren an der Müritz, übrigens auch an vielen anderen Orten im Land auch, kann man sehr gut besichtigen, wie das funktioniert, meine Damen und Herren. Ich habe auf die Demografie hingewiesen, meine Damen und Herren. Das können wir nur bedingt ändern. Aber ich sage auch, alle sind gefordert, dass wir den jungen Menschen in Mecklenburg-Vorpommern ihre beruflichen Perspektiven in ihrer Heimat aufzeigen. Die haben sie nämlich. Und damit können wir auch erreichen, dass die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern glücklicher werden. – Danke! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)

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