landtag-mv.de ↗

Sandy van Baal

FDP 14.11.2024 Sitzungen 8/91

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Wirtschaftswende jetzt, auch in Mecklenburg-Vorpommern. (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP) Wir bringen heute einen Antrag ein, der das Potenzial hat, die Zukunftschancen unserer Schülerinnen und Schüler in Mecklenburg-Vorpommern zu verbessern, indem wir einfach die Grundlage für ein modernes, praxisnahes Wirtschafts- und Finanzwissen legen. Die Fakten sind klar: Im aktuellen INSM-Bildungsmonitor liegt Mecklenburg-Vorpommern im Vergleich der Bundesländer in puncto ökonomische Bildung auf den hinteren Rängen. Diese Zahlen sind ernüchternd, denn ein solides wirtschaftliches Grundwissen ist entscheidend für die Eigenverantwortung und Selbstbestimmung der jungen Generation. Angesichts dieser Ausgangslage müssen wir handeln. Die Wirtschaftsbildung ist in unserer Bildungslandschaft noch zu theoretisch und zu wenig alltagsnah. Viele Schüler verlassen die Schule ohne grundlegendes Wissen darüber, wie unsere soziale Marktwirtschaft funktioniert oder wie man finanziell eigenständig agiert. Das führt in der Regel zu einer Situation, in der junge Menschen zwar fundierte Schulbildung haben – ja, das bestreite ich auch gar nicht –, aber oftmals überfordert sind, wenn es um Finanzentscheidungen geht, sei es im Umgang mit Krediten, bei der Altersvorsorge oder eigentlich nur dem Verstehen wirtschaftlicher Zusammenhänge. Was wollen wir also tun? Erstens schlagen wir vor, das bisherige Fach Arbeit-Wirtschaft-Technik durch das Fach Wirtschaft und Finanzen zu ersetzen und dieses Fach bereits ab der Sekundarstufe I verbindlich zu etablieren. Dies erlaubt es, das Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge frühzeitig zu stärken und schrittweise auszubauen. (Zuruf von Christian Winter, SPD) Es geht darum, nicht nur Wissen über Märkte und Finanzen zu vermitteln, das würde ich noch einmal verdeutlichen, sondern auch um das Prinzip der sozialen Marktwirtschaft als Basis unseres Wohlstands zu verstehen. (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP) Zweitens fordern wir, dass das Schulfach eine praxisnahe Komponente erhält. Die jungen Menschen sollten lernen, wirtschaftliche Zusammenhänge kritisch auch zu hinterfragen, wirtschaftliche Alternativen zu analysieren und eigenverantwortliche finanzielle Entscheidungen zu treffen. Die Fähigkeit, Investitionen und Haushaltsbudgets zu bewerten, die Funktion von Zinsen und Inflation zu verstehen und vor allem die Bedeutung von Sparen und Vorsorgen sind die Basis von allem. Dieses Grundverständnis muss in den Schulen vermittelt werden. (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP) Drittens müssen wir den Mehrwert erfolgreich stärker in den Fokus rücken, und zwar gehts ums Unternehmertum. Unternehmertum ist die Grundlage für Innovationen, für Arbeitsplätze und damit für den Wohlstand unserer Gesellschaft. Mecklenburg-Vorpommern hat bei den Gründungen enormen Nachholbedarf. Wir brauchen ein positives Gründungsklima, und das beginnt unserer Meinung nach schon in den Schulen. Dazu gehört nicht nur das Wissen, sondern auch die Motivation und das Zutrauen, selbst ein Unternehmen zu gründen und führen zu können. Des Weiteren, das wird oft unterschätzt, ist Medienkompetenz im Finanzbereich ein Thema, das wir nicht vernachlässigen dürfen. In einer Welt voller Social-Media-Werbung – und vor allem diese Finanzprodukte – ist es entscheidend, dass junge Menschen lernen und befähigt werden, wirtschaftliche und finanzielle Informationen kritisch zu bewerten. Die Finanzbildungsstrategie, die auf Bundesebene entwickelt wird, gibt dazu wichtige Impulse. Doch es liegt auch in unser aller Verantwortung, diese Kompetenzen an die Schülerinnen und Schüler in Mecklenburg-Vorpommern weiterzugeben. Es geht nicht darum, ökonomisches Wissen theoretisch zu beleuchten, sondern den Schülerinnen und Schülern Werkzeuge für das echte Leben an die Hand zu geben. Finanzielle Bildung und Wirtschaftskompetenz müssen Allgemeinbildung werden, für alle, nicht nur für diejenigen, die später eine wirtschaftliche Laufbahn einschlagen möchten. Deshalb lade ich Sie alle herzlich ein, diesem Antrag zuzustimmen, damit wir in Mecklenburg-Vorpommern eine Bildungspolitik schaffen, die die Zukunftschancen unserer Kinder und Jugendlichen verbessert, die Eigenverantwortung fördert und letztendlich die wirtschaftliche Basis unseres Landes stärkt. Ich freue mich auf eine lebhafte und konstruktive Debatte. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP)

Alle Reden von Sandy van Baal Protokoll ↗