Sandy van Baal
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Im vorliegenden Antrag beschäftigen sich die Regierungsfraktionen mit dem Wolf. Wunderbar, die unendliche Geschichte vom Wolf! (Ann Christin von Allwörden, CDU: Das Märchen, es ist ein Märchen.) Seit Jahrzehnten vermehrt und verbreitet sich der Wolf nun aufgrund seines Status als streng geschützte Art stark, auch hier in Mecklenburg-Vorpommern. Wir haben stabile Bestände gebildet inzwischen, und die Zahlen wurden hier auch genannt. Aufgrund der Ausbreitung, Etablierung und Vermehrung des Wolfes muss, zumindest in wolfsreichen Regionen, von einem günstigen Erhaltungszustand des Wolfes ausgegangen werden. Im vorliegenden Antrag wird die Feststellung des günstigen Erhaltungszustandes zu Recht noch vermisst. Und auch wir begrüßen die Entscheidung der europäischen Umweltminister, den Schutzstatus des Wolfes in der Berner Konvention herabzustufen. Dieser Schritt war übrigens längst überfällig und zeigt eine bemerkenswerte Einsicht bei unserer grünen Bundesumweltministerin, die maßgeblich dazu beigetragen hat, dass diese Anpassung angestoßen werden konnte. Nur so kann nämlich – und das wurde hier auch schon richtig gesagt – schließlich das Bundesnaturschutzgesetz angepasst werden und Mecklenburg-Vorpommern in dieser Frage rechtssicher agieren. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, FDP und Dr. Harald Terpe, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Zur Wahrheit gehört aber auch, dass sich für die Weidetierhalter bei der Wolfsproblematik zunächst nix verändern wird. Im Gegenteil, angesichts einer jährlichen Populationssteigerung von 30 Prozent, und das ist wissenschaftlich belegt, selbst laut Wolfsflüsterinnen, wie ich sie gerne nenne, wird die Situation allgemein noch angespannter werden. Mit der zunehmenden Verbreitung des Wolfes steigt auch die Anzahl der Nutztierrisse, ganz logisch. Seitens der Bundesregierung und auch der Vorgängerregierung wurde viel zu spät reagiert. Aber es ist nun mal so, wie es aktuell ist. Dabei kann der Landesregierung – und so fair bin ich – und unserem Wolfsminister gar kein Vorwurf gemacht werden, auch wenn hier die Einsicht sehr spät kam, dass es beim Wolf Handlungsbedarf gibt, aber einen Vorwurf mache ich hier nicht. Es gibt auch schließlich mehrere Anträge, der Kollege Stein hat es erwähnt, von der Opposition und auch etliche von uns. Das Schlimme an der ganzen Geschichte ist einfach, es wird noch ewig dauern. Die Weidetierhalter bleiben weiterhin die Leidtragenden beim Thema Wolf. Der Prozess zu rechtssicheren Entnahme wird einfach noch Jahre, Jahre dauern. Und auch der vorliegende Antrag von SPD und LINKEN wird daran nichts ändern. Die Weidetierhalter und insbesondere die Wanderschäferei brauchen jetzt konkrete Lösungen, nicht erst, wenn die Verhandlungen in Brüssel und Berlin abgeschlossen sind. (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP und Enrico Schult, AfD) Und noch ein ganz wichtiger Punkt: Anders, als das hierzulande oft behauptet wird, ermöglicht die EU eine Schutzbejagung, eine sogenannte Schutzbejagung von 4,3 Prozent des Gesamtbestandes jetzt schon. Das entspräche in Deutschland circa 100 Stück pro Jagdjahr. Wie gesagt, es ist jetzt schon möglich, ich frage mich bloß, warum wir es nicht umsetzen. Anstelle von konkreten Vorschlägen finden wir in diesem Antrag die Forderung nach Aufklärung – da wurde ich richtig böse, da ging es mir wie Frau Schlupp – für unsere Bevölkerung in Mecklenburg-Vorpommern, weil die ja Angst haben und nichts über die Verhaltensweisen von Wölfen wissen. Ganz ehrlich, das grenzt im ausgesprochen ländlich geprägten Mecklenburg-Vorpommern geradezu an Verhöhnung. (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP, Thore Stein, AfD, und Beate Schlupp, CDU) Wir brauchen dringend ein aktives Wolfsmanagement, das die Sorgen im ländlichen Raum ernst nimmt. Ich habe es schon hundertmal gesagt, ich sage es auch noch mal hundertmal: Jedes Schaf und jedes andere Nutztier, das gerissen wird, ist eines zu viel! Und ich habe ja eine Minute mehr und dann kann ich gleich mal eine Geschichte noch aus der Praxis erzählen: Zurzeit finden Drückjagden statt – zum Schluss gerne, Herr Damm –, zurzeit finden ja Drückjagden statt, und die Jäger, also die Hundeführer, die trauen sich schon gar nicht mehr, ihre Hunde mitzunehmen zu diesen Drückjagden, weil Wölfe die verletzen. Da können Sie nachfragen bei Ihren Jägern. Das ist ein Zustand, der ist einfach nicht mehr haltbar. (Zuruf von Marcel Falk, SPD) Einfache und unbürokratische Hilfe für die Weidetierhalter ist jetzt notwendig, bevor wir einen unaufgeregten Umgang mit dem Wolf im Sinne der Jagd rechtlich ermöglichen können. Dann kann auch eine Wolfsverordnung in Mecklenburg-Vorpommern zum Tragen kommen. Inhaltlich, wirklich, bis auf diese Aufklärung, widersprechen wir Ihnen gar nicht viel. Aber dieser Antrag hat eher einen symbolischen Charakter. Und wie gesagt, es stört mich wirklich, dass Sie die Bevölkerung hier im ländlichen Raum ein bisschen veralbern. Die können mit dem Wolf umgehen. Der Wolf ist übrigens ein ganz, ganz schlaues Tier. Er hat keine natürlichen Feinde. Und wenn man einen Wolf erlegt, dann kriegen die anderen natürlich auch ein bisschen mehr Angst, das ist normales Verhalten, und er passt sich auch mehr unseren Kulturlandschaften an. Mich regt es einfach wirklich auf, wie wir den Realitäten einfach nicht ins Auge schauen und keine Lösung dafür finden, wo es jetzt schon in Teilen möglich ist. Zu dem Änderungsantrag der AfD muss ich noch was sagen. Ich verstehe den Sinn dahinter. Wenn wir eine Wolfsverordnung hätten, Herr Stein, dann würde Ihr Antrag Sinn machen. Jetzt zu dem Antrag macht das aus meiner Sicht gar keinen Sinn, weil der Antrag ist einfach nichtssagend. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP und Beate Schlupp, CDU)
