David Wulff
Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrte Frau Präsidentin! Die Arbeit der Enquete-Kommission ist, glaube ich, schon eine sehr wichtige Arbeit, die wir hier im Land leisten. Und nachdem ja in der letzten Wahlperiode bereits das Alt-Sein im Mecklenburg-Vorpommern näher beleuchtet wurde, ist es tatsächlich nur folgerichtig zu sagen, was können wir für die Verbesserung, für junge Menschen in diesem Lande tun? Viele engagierte Mitglieder der Enquete-Kommission sind ja auch in Mecklenburg-Vorpommern aufgewachsen und können auch ein bisschen aus der Praxis sprechen. Das finde ich eigentlich auch immer ganz gut, wenn man weiß, worüber man redet. Und ich glaube, wir in der Kommission sind uns zumindest weitgehend einig, dass junge Menschen gefördert, anerkannt und respektiert werden müssen, und wir sind uns auch, glaube ich, weitestgehend darüber einig, dass das in der Realität nicht immer der Fall ist. Und da haben wir schon einige Fälle ausgearbeitet, mit denen wir hier auch in diesem Bericht darauf hinweisen, was man noch besser machen kann, denn man wächst mit seinen Aufgaben. Und ich glaube, auch Kinder und Jugendliche wachsen mit den Aufgaben, die man ihnen übergibt, und sie wachsen mit dem Vertrauen, was man ihnen angedeihen lässt. Die Anerkennung und Förderung von jungem Engagement ist nicht nur eine Frage des Respekts, sondern auch des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Und die vorgeschlagene Zusammenführung der Jugendleiterkarte und der Ehrenamtskarte zum Beispiel ist für uns ein sinnvolles Signal, um bürokratische Hürden an der Stelle abzubauen, denn wir als Erwachsene haben eigentlich immer alle schon keine Lust auf Bürokratie und Sonstiges (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Ach so?!) und junge Menschen erst recht nicht. Und noch wichtiger allerdings ist halt auch die Verankerung verbindlicher Beteiligungsrechte auf Landes- und kommunaler Ebene. Das ist nämlich das, woran es momentan eher noch hapert, das Bewusstsein ist einfach noch nicht da. Man spricht Jugendlichen zu oft noch die Reife ab, man spricht Jugendlichen noch zu oft ab, dass sie selber in der Lage sind, darüber bestimmen zu können, was sie wollen und was nicht. Das liegt häufig aber auch daran, dass das Denken und die Wünsche junger Menschen nicht immer dem entsprechen, was Erwachsene vielleicht gerne denken wollen. (Beifall Hannes Damm, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Und wir müssen an der Stelle anerkennen und das fördern und sagen, da sind junge Menschen, die eine andere Meinung haben als wir, die andere Wünsche haben als wir, und wenn wir wollen, dass diese jungen Menschen selbstbewusst in unserer Gesellschaft aufwachsen, dann müssen wir ihnen auch vertrauen und ihnen die Möglichkeit geben, selbstständig Entscheidungen zu treffen. Und ich glaube, das ist auch ein guter Erziehungsstil, und das kann man ja auch machen. Ich glaube, jedes Kind hat das Recht auf seine eigene Beule. Und ich glaube, jeder Jugendliche hat auch das Recht auf seine falsche Entscheidung an der Stelle. Und das muss man einfach im Erwachsenwerden dazulernen und das zubilligen. (Zuruf von Horst Förster, AfD) Und deswegen glaube ich, politische Bildung ist natürlich auch ein Grundstein für das Verständnis und die Teilhabe an demokratischen Prozessen. Man kann natürlich, also man muss Kinder und Jugendliche nicht ins offene Messer laufen lassen, sondern man kann sie auch entsprechend bilden, man kann Möglichkeiten eröffnen und Wege aufzeigen. Gehen müssen sie am Ende tatsächlich immer alleine. Und es reicht nicht aus, Beteiligung nur auf dem Papier zu verankern, und wir müssen junge Menschen auch mit den nötigen Ressourcen ausstatten, damit sie ihre Ideen und Projekte auch verwirklichen können, denn das Taschengeld von jungen Menschen reicht häufig nicht dafür aus, um größere Projekte in der Gemeinde umzusetzen. Und wenn man dann sagt, man macht verbindliche Budgets, wo Kinder und Jugendliche drüber entscheiden können, dann ist das in der Regel eine Summe, die für den Haushalt nicht besonders relevant ist, aber für den Entscheidungshorizont und für die Lebenswirklichkeit junger Menschen doch wirklich einen sehr erheblichen Einfluss hat. Und ich glaube, das ist eine einfache und gute Möglichkeit, um Kinder- und Jugendbeteiligung in diesem Land voranzubringen. Genauso auch das Initiativrecht für junge Gremien. Und ich merke das auch sehr häufig in Gesprächen mit jungen Menschen, da geht es dann um die Gestaltung von öffentlichen Plätzen und Co. Und wenn sie dort die Möglichkeit haben, auch Initiativen vorzubringen in den kommunalen Vertretungen, denn die Lebenswirklichkeit von jungen Menschen ist in der Kommune, die ist vor Ort, dann haben wir schon viel erreicht. Und wenn wir mit diesem Bericht einen Anstoß geben können, auch für die nächste Legislatur, dort deutlich mehr Bewegung reinzubringen, dann bin ich sehr stolz auf unsere Arbeit. – Danke schön! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP)
