David Wulff
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Nach einer sehr intensiven Debatte, wo sich alle doch mit sehr viel Redezeitbudget darum bemüht haben, versuchen wir mal wieder, zu einem anderen Thema zu kommen, was ebenso der Aufmerksamkeit des Parlaments und der Gesellschaft bedarf. Denn manchmal fühlt sich das in der Politik so an wie beim Fußball in der F-Jugend, da laufen einfach alle Kinder dem gleichen Ball hinterher und vergessen dann, dass es auf dem Feld noch andere Probleme zu bearbeiten gibt. Ich möchte hier das Feld mit dem Katastrophenschutz und der Resilienz der Bevölkerung erneut aufmachen. Wir hatten die Verabschiedung des Brigadegenerals Nerger vor Kurzem gerade gehabt. Dort waren auch alle Fraktionen entsprechend vertreten. Und auch hier, denke ich, ist jedem klar, das Thema ist wichtig. Es ist wichtig, dass wir uns damit beschäftigen. Wie wir auch in der Aktuellen Stunde festgestellt haben, das Thema Naturkatastrophen ist etwas, was uns immer mehr begleitet, und dass die nächste Naturkatastrophe kommt, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Da können wir uns drauf verlassen. Wir können aber nicht immer nur sagen, dass wir uns auf den Staat verlassen, sondern wir müssen auch die Eigenverantwortung (Beifall René Domke, FDP) und die Selbstschutzfähigkeiten der Bevölkerung stärken, (Beifall Barbara Becker-Hornickel, FDP) denn das Ganze schafft Sicherheit durch Vertrauen in eigene Fähigkeiten. Wenn ich selber in der Lage bin, mich zu schützen, wenn ich weiß, was ich zu tun habe, dann fühle ich mich sicherer. Und wir hatten gerade erst den großen Warntag wieder mal gehabt, auch hier während des Innenausschusses. Alle Mobilgeräte haben angefangen zu piepen, die Sirenen draußen haben geheult. Und jetzt frage ich mal ganz offen und ehrlich in die Runde: Wer weiß denn hier, welcher Sirenenwarnton welche Gefahrenlage bedeutet? (Sandy van Baal, FDP: Ich weiß das!) Wer weiß denn, was denn genau zu tun ist, wenn uns ein Hochwasser droht? Wer weiß, was zu tun ist, wenn eine Großbrandlage da ist? Wer weiß, was zu tun ist, wenn ein Sturm durchzieht? Wer weiß, was bei sonstigen Großschadenslagen zu tun ist? Das ist etwas, was total lebensnah ist. Es passiert immer wieder. Wir haben die Tornados hier, wir haben die Hochwasser hier, wir haben die Großbrandlagen hier. In anderen Ländern ist es völlig normal, dass dort auch in der Schule entsprechend geschult wird, wie ich mich entsprechend verhalte. Und das ist das, was wir hier in dem Antrag fordern. Wir wollen die Selbstschutzfähigkeit und die Eigenverantwortlichkeit der Bürgerinnen und Bürger dieses Landes stärken, und das durch Projektunterricht in der Schule, weil wir dadurch sukzessive das Wissen in die Bevölkerung hineingetragen bekommen. (Enrico Schult, AfD: Ist das nicht schon möglich?) Elemente eines solchen Kurses können sein: Was mache ich, wenn mal fünf Tage kein Strom und kein Wasser da ist, wenn das Handy leer ist, wenn ich kein Essen mehr im Kühlschrank habe, wenn die Klospülung mal fünf Tage lang nicht geht? Wie organisiere ich Kommunikation? Wie empfange ich Nachrichten? Wie sende ich vielleicht Hilfesignale? Wir kennen doch alle die Bilder von Hochwassern, wo Menschen auf ihren Dächern ausharren und warten, dass Rettung kommt. Wir wissen alle, dass im Ahrtal natürlich erst einmal die Hilfskräfte da angreifen, wo sie erst mal rankommen und müssen sich langsam vorarbeiten. Wir werden immer Lagen haben, wo Menschen nicht sofort geholfen werden kann. Das sind nicht immer sofort lebensbedrohliche Lagen, das sind aber Lagen, wo ich nach ein paar Tagen ohne Hilfe und ohne Versorgung in ernsthafte Schwierigkeiten komme. Und damit ich keine Angst haben muss und damit ich weiß, wie das Ganze funktioniert, brauche ich natürlich auch vielleicht ein bisschen Schulung, ein bisschen Anleitung. Und wenn ich das wenigstens einmal in der Schule gehabt habe, wie ich mich damit befasse, dann fühle ich mich sicherer an der Stelle. (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP) Teil einer solchen Projektwoche meinetwegen, oder Projekttage, ist natürlich auch immer das Erste-Hilfe-Training. Auch hier, Erste Hilfe, wir kennen es einfach ganz normal aus dem Straßenverkehr: Wie viele Menschen fahren vorbei an einem Verkehrsunfall, weil sie Angst haben zu helfen, weil sie nicht wissen, was sie zu tun haben, weil sie nicht wissen, wie sie helfen können? Das gefährdet Menschenleben einfach nur aus Angst und Unwissenheit. Und auch dem können wir dementsprechend entgegenwirken. (Beifall René Domke, FDP) Und das Ergebnis eines solchen Projektes wird es einfach sein, dass wir stückweise immer mehr Menschen bekommen, die Vertrauen in ihre eigene Leistungsfähigkeit, in ihre eigene Widerstandskraft erlangen, wir in der gesamten Bevölkerung viel mehr Resilienz, Widerstandskraft gegen solche Ereignisse entwickeln und vielleicht als kleinen Nebeneffekt mehr Leute, die Kontakt haben zu unseren Hilfsorganisationen und vielleicht bereit sind, sich ehrenamtlich dort zu engagieren und professionell mit zu agieren, wenn der Tag kommt, wo wir alle auf deren Hilfe angewiesen sind. – Danke schön! (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP und Marc Reinhardt, CDU)
