Sandy van Baal
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich werde mal ein bisschen gutmütig starten. (Julian Barlen, SPD: Danke für die Warnung!) Die Linksfraktion hat es erkannt: Wetterextreme werden häufiger, und ja, wir müssen uns wappnen. Wo sind denn die Maßnahmen?! Herr Damm hat es eben auch erwähnt. Das Klimaschutzgesetz kommt, wahrscheinlich dieses Jahr, vielleicht, eventuell. (Torsten Koplin, DIE LINKE: Das kommt!) Wir warten ab. Wir sind da auch sehr gespannt drauf und hoffen wirklich, dass es kein Verbotsgesetz für unsere Landnutzer im Land sein wird. Es gab hier schon viele Anträge zu Katastrophenschutz und Brandschutz. Und auch in dieser Plenarwoche (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP) ist ein Antrag von uns Freien Demokraten dabei. Noch mal gut anschauen, bevor Sie ihn wieder pauschal ablehnen! Vielleicht kann man noch was mitnehmen. (Marc Reinhardt, CDU: Schwierig, wird schwierig!) Und es stimmt, dass gerade die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern, die im Alltag mit der Natur zu tun haben und unsere Kulturlandschaft hegen, pflegen und bewirtschaften, den Klimawandel in den letzten Jahren immer wieder spüren. Dass wir das Klima schützen müssen, ist überhaupt gar keine Frage. Wir Freien Demokraten setzen in Fragen um den Klimawandel – das ist allseits schon bekannt – unter anderem auf Innovation. Und die gibt es auch schon. Durch Innovation finden bereits Klimaanpassungen statt. Und doch stehen wir uns leider selbst noch oft im Weg. Grüne Gentechnik zum Beispiel muss nicht noch erfunden werden. Anwendbare Möglichkeiten gibt es bereits, wir nutzen sie leider nur noch nicht. Wir müssen den Klimawandel ernst nehmen, sollten dem Thema aber nicht mit Panik begegnen, wie das in dieser Debatte gerne gemacht wird und auch hier schon gemacht wurde. Durch Panik und Angst, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, kommt selten etwas Konstruktives zustande. Konstruktiv wären Aufklärung und Information und das Bewusstsein für eine sich wandelnde Welt, angepasste Ausbildungspläne zum Beispiel für Berufe, die es betrifft, und vor allem die Ermutigung der Menschen, selbst aktiv zu werden. (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP) Jeder Einzelne von uns kann einen Beitrag leisten, sei es durch bewussteren Konsum, Energieeinsparungen, weniger Lebensmittelverschwendung. Die Themen hatten wir auch schon alle hier, wurde bloß wenig von umgesetzt. Der Klimawandel – da gebe ich Ihnen recht – ist sicher eine Bedrohung und auch eine Herausforderung für unser Land. Wir können aber auch die Transformation als Chance nutzen. (Torsten Koplin, DIE LINKE: Richtig!) Das ging mir heute noch komplett unter. Über die Chancen hat hier noch keiner weiter im Detail berichtet. Wir können diese Chancen nutzen. Ein zuversichtlicher Ausblick in die Zukunft wird dabei auch helfen. (Wolfgang Waldmüller, CDU: Machen Sie mal einen!) Wir machen diese Woche noch mehrere. Übrigens, wo ich den Zwischenruf gerade vernommen habe, (Sebastian Ehlers, CDU: Sitzordnung!) aber das eigentliche Highlight – neben der Sitzordnung, Herr Ehlers – dieser Aktuellen Stunde ist ihr Titel: „Nicht Migration, sondern die Klimakrise bedroht das Land“. Als ich den Titel gelesen habe, habe ich mir eine gelbe Karte genommen, (Patrick Dahlemann, SPD: Wir haben nur Gelb.) habe ich raufgeschrieben: „Universum, drei Fragezeichen“ und „Katrin“. Kennen Sie Katrin? Katrin ist Anfang 50, verheiratet, zwei Kinder, wohnt im Landkreis Rostock, vor Kurzem Oma geworden, Einfamilienhaus. (Zuruf von Patrick Dahlemann, SPD) Wissen Sie, worum sich Katrin Sorgen macht? Nicht um ein Sturmtief, das ihren Zaun umreist. Katrin macht sich Sorgen um ihre Sicherheit, über die Sicherheit von sich selber und von ihren Kindern und Enkelkindern. Sie möchte zu jeder Tageszeit mit einem Sicherheitsgefühl in unserem Land unterwegs sein. Und dieses Sicherheitsgefühl haben die Katrins in unserem Land nicht mehr. Das ist ein Fakt. Und dass Sie das verdrängen (Torsten Koplin, DIE LINKE: Das verdrängen wir gar nicht. Das verdrängen wir nicht.) und das in so einem Titel unterbringen, das hat mich enttäuscht, und ich bin wütend. Und so geht es ganz vielen Bürgern auch im Land. (Beifall vonseiten der Fraktionen der AfD, FDP und Wolfgang Waldmüller, CDU – Zuruf von Elke-Annette Schmidt, DIE LINKE) So viel Ferne gegenüber den Menschen im Land wie in diesem Titel hätte ich, ehrlich gesagt, von Ihnen nicht erwartet. Enttäuscht bin ich, und bin entsetzt. Ich habe mich ernsthaft gefragt, ob Sie in den letzten Monaten mit den Menschen hier im Land gesprochen haben. Jede Umfrage, wirklich jede Umfrage zeigt, was ist das wichtigste Thema für die Menschen in diesem Land zurzeit. (Zuruf von Horst Förster, AfD) Sicherheit, Migration steht ganz weit oben. Aber hier im Landtag scheinen wir ja in einer anderen Welt zu leben. (Daniel Seiffert, DIE LINKE: Das wird auch ständig thematisiert. – Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) Und da draußen vor der Tür die Menschen, die die unkontrollierte Migration – die unkontrollierte – als größte Bedrohung für unser Land empfinden, das ignorieren Sie völlig! (Jeannine Rösler, DIE LINKE: Das stimmt doch gar nicht! – Daniel Seiffert, DIE LINKE: Das haben wir gerade thematisiert.) Denn es passt nicht in Ihre heile, liebe Blümchenwelt. (Unruhe bei Thomas de Jesus Fernandes, AfD, und Sebastian Ehlers, CDU – Daniel Seiffert, DIE LINKE: Das haben wir gerade thematisiert. – Zuruf von Jeannine Rösler, DIE LINKE) Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich sage es mal so: Ja, wir müssen uns für Wetterextreme wappnen, aber vielleicht sollten Sie sich mal für die Lebensrealitäten unserer Menschen im Land wappnen. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der CDU und FDP – Zurufe von Elke-Annette Schmidt, DIE LINKE, und Daniel Seiffert, DIE LINKE)
