David Wulff
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Ein Thema, was uns auch hier alle wieder bewegen sollte, denn es ist relevant für den Wirtschaftsstandort Mecklenburg-Vorpommern. (Beifall René Domke, FDP) Wir haben mit dem Fall der Mauer, mit der Wiedervereinigung natürlich den Sozialismus weitestgehend hinter uns gelassen hier in dem Bundesland, (Heiterkeit bei Torsten Koplin, DIE LINKE: Was heißt „weitestgehend“? – Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) und viele Tausende Unternehmer haben Anfang der 90er-Jahre den Mut gefasst, reinzugehen in die Wirtschaft, sich selbstständig zu machen, Betriebe zu unternehmen, und haben die letzten Jahrzehnte hier in diesem Bundesland hervorragende Unternehmen aufgebaut und damit einen wesentlichen Teil zur Wirtschaftsleistung und zum Aufschwung dieses Landes beigetragen. (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP) Nur, im Gegensatz zum Westen, wo natürlich auch viele Nachfolger suchen, haben wir hier auch eine Besonderheit, weil wir natürlich bestimmte Alterskohorten auch einfach drinhaben. Also quasi Anfang der 90er, da sind ja alle auf den Punkt rein und haben alle gleichzeitig die Unternehmen aufgebaut. Das waren natürlich meistens auch Leute, die altersmäßig relativ gleich waren. Das waren nicht überwiegend die Leute, die da eh schon kurz vor der Rente standen, sondern meistens Leute, die dann gesagt haben, ja, ich baue mir hier was auf und das soll für mein Leben sein. Das heißt aber auch im Umkehrschluss, das sind jetzt genau die Leute, die Unternehmer, die jetzt vor dem Renteneintrittsalter stehen, die jahrzehntelang gewirtschaftet haben und jetzt natürlich auch ihre Unternehmen weiter übergeben wollen, damit das a) weiter hier produziert, hier wirtschaftlich tätig ist im Land aber natürlich auch für die persönliche eigene Altersvorsorge, denn auch das gehört zum Unternehmersein dazu, dass das, was man aufgebaut hat, auch im Alter entsprechend zu einem guten Preis übergeben werden kann. Es gibt viele Gründe – da will ich gar nicht hier weiter drauf eingehen –, warum eine Nachfolge funktioniert, warum sie nicht funktioniert. Das ist ein sehr, sehr vielschichtiges Problem. Ich möchte jetzt aber auf ein explizites Problem eingehen, und das ist das Thema Eigenkapital. Das Thema Eigenkapital ist auch eins, was mich im Bereich der Start-up-Gründungen sehr umtreibt, was auch dort ein sehr großes Problem ist. Und ich ging gerade darauf ein, dass wir eine Nachwendegeneration von Unternehmern haben, und auf die Zeit davor. Und die Zeit davor ist ein wesentlicher Faktor, warum wir dieses Eigenkapitalproblem haben. Denn wer hat sich denn zu Ostzeiten hier Geld beiseitelegen können? Wer konnte denn Eigentum anschaffen und weitergeben? (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Die SED.) Privat war das kaum möglich, während das im Westen anders ist. (Beifall René Domke, FDP) Im Westen haben wir Erbschaften, im Westen haben wir Vermögen und natürlich andere Strukturen. Und das sehen wir auch, wenn wir uns die Vermögensverteilung in Deutschland angucken, da haben wir im Osten im Schnitt die Hälfte an Vermögen, was die Menschen in den alten Bundesländern haben. Und das ist ein signifikanter Unterschied. Und dieser signifikante Unterschied trägt dazu bei, dass die Leute, die hier im Land ein Unternehmen übernehmen wollen, vielleicht als Mitarbeiter, als Angestellte aus dem Betrieb heraus einfach nicht das nötige Kleingeld haben, um das zu stemmen. Und das ist wichtig, wenn ich nämlich auch eine Bankenfinanzierung habe. Natürlich kann ich selten mit 200.000 Euro ein komplettes Unternehmen übernehmen, aber ich mache vielleicht auch eine vernünftige Bankenfinanzierung. Und trotzdem muss ich immer meinen Eigenanteil reinbringen. Und diesen Eigenanteil, den wollen wir mit dem Programm, das wir jetzt hier vorschlagen, stützen. (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP) Und wir wollen jetzt nicht großes Steuergeld irgendwie hier raushauen, sondern die Idee ist es, einen Fonds aufzulegen mit 8 Millionen Euro, der kapitalmarktgespeist ist, das heißt also, einen Fonds, der von außen Geld reinholt – also jetzt kein Steuergeld, sondern Kapitalmarktgeld –, und das dann in Form von Eigenkapital den Unternehmerinnen und Unternehmern, also den potenziellen Nachfolgern, zur Verfügung stellt. Das Einzige, was wir hier ganz gerne wollen, ist, einen Teil davon durch Landesbürgschaften abzusichern, weil das natürlich auch die Konditionen wieder entsprechend verbessert. Und ich glaube, das ist ein kleiner Kniff, das ist auch ein Programm oder ein ähnliches Programm, was es in der Vergangenheit auch schon mal gab, womit wir hier einen wesentlichen Beitrag leisten können, dass Unternehmen hier in Mecklenburg-Vorpommern bleiben, Unternehmen hier in Mecklenburg-Vorpommern weiter erfolgreich sein können und die nächste Generation an Unternehmern, Nachfolgern, die auch in ihrem Sinne gleichzeitig Gründer sind, hier erfolgreich wirtschaften können und Mecklenburg-Vorpommern in eine innovative Zukunft bringen. Das ist unser Ziel. – Danke! (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP)
