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Jeannine Rösler

Die Linke 12.07.2024 Sitzungen 8/86

Studien belegen, dass gut ausgebildete Fachkräfte einen erheblichen positiven Einfluss auf die Entwicklung haben und die Kinder, die eine Kita besuchen, deutlich bessere schulische Leistungen haben und seltener eine Klassenstufe wiederholen. Insofern haben wir hier bei uns im Land gute Voraussetzungen, was natürlich nicht heißt, dass wir die Hände in den Schoß legen können. Aber dass wir hier gute Voraussetzungen haben, genau das bescheinigt ja auch die aktuelle ifo-Studie, auf die die Bildungsministerin schon eingegangen ist. Wir haben nicht bei uns im Land so große Unterschiede wie in vielen anderen Bundesländern. Wir wollen und müssen – das ist ganz klar – frühkindliche Bildung weiter voranbringen. 2023 gingen bei uns im Land insgesamt 39.841 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren in Kindertageseinrichtungen. Das sind 39.841 Chancen für mehr Bildungsgerechtigkeit und auch Chancen für die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Mecklenburg-Vorpommern hat ganz klar Fortschritte erzielt und ist in vielen Bereichen Vorbild für andere Regionen geworden. Ich wiederhole das gern: Mit einer Betreuungsquote von 60 Prozent bei den Null- bis Dreijährigen und einer herausragenden Quote von fast 95 Prozent bei den Drei- bis Sechsjährigen liegt Mecklenburg-Vorpommern im bundesweiten Vergleich an der Spitze. Und das ist ein Fakt, und das zeigt, dass die Kindertagesförderung flächendeckend und in hoher Qualität angeboten wird. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Ein weiterer Meilenstein in Sachen Bildungsgerechtigkeit ist dabei die vollständige Gebührenfreiheit für Kita und Ferienhort, was die Chancengleichheit ebenfalls verbessert und Familien finanziell spürbar entlastet. Zudem bieten unsere Kitas die umfangreichsten Betreuungszeiten in Deutschland. Das, was auf den Weg gebracht wurde und wird, das entfaltet Wirkung. Und natürlich ist das nicht von heute auf morgen spürbar. Das versteht sich doch von selbst. Es ist völlig klar, dass wir dabei nicht stehen bleiben können, sondern dass wir weiter jetzt auch an Verbesserungen arbeiten und immer schauen, was ist überhaupt angesichts der schwierigen finanziellen Lage und der unsäglichen Schuldenbremse überhaupt noch machbar? (Heiterkeit bei Enrico Schult, AfD: Unsäglich!) Unser Ziel ist es, nicht nur das Land der besten Öffnungszeiten, der besten Betreuungsquote oder der besten Fachkraftquote zu sein, (Zuruf von Jens-Holger Schneider, AfD) sondern auch ein Land mit sehr guten Arbeits- und Ausbildungsbedingungen für die Fachkräfte in unseren Einrichtungen. Über eines müssen wir uns aber auch im Klaren sein: Ohne Unterstützung der Familien und einem liebevollen familiären Background ist Bildungsgerechtigkeit nur schwer erreichbar. Eltern brauchen die nötigen Ressourcen in vielerlei Hinsicht, um ihre Kinder bestmöglich fördern zu können. Laut einer Studie der OECD haben Länder, die in die Familienbildung investieren, signifikant bessere Bildungsabschlüsse ihrer Kinder zu verzeichnen. Bildungsgerechtigkeit beginnt also zu Hause. Eltern sind nun mal die wichtigsten Bezugspersonen ihrer Kinder, und ihre Rolle in den frühen Jahren ist von unschätzbarem Wert. Es gibt, wie wir wissen, Eltern, die eben nicht die nötigen Ressourcen haben, die selbst mit vielen Problemen beladen sind, sie brauchen selbst viel Unterstützung. (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) Und hier setzen vor allem frühe Hilfen und die Familienbildung an durch gezielte Bildungsangebote und Beratungsdienste. Die Angebote sind vielfältig, sie sind niederschwellig, und das ist auch gut so. Dazu gehören beispielsweise Kurse über gesunde Ernährung, Sprachförderung, frühkindliche Entwicklung und Erziehungskompetenzen. Ein oft übersehener Aspekt ist die gesundheitliche Versorgung. Kinder aus benachteiligten Familien haben oft schlechteren Zugang zu medizinischer Versorgung und gesunder Ernährung. Und auch hier müssen wir ansetzen und der Prävention auf allen Ebenen einen noch größeren Stellenwert einräumen. Selbstverständlich müssen wir auch die finanzielle Situation der Familien beachten. Armut ist eine der größten Barrieren für Bildungsgerechtigkeit. Ein angemessener Mindestlohn, ein starkes soziales Sicherheitsnetz und eine hohe Tarifbindung (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) für bessere Löhne sind unerlässlich, um den Armutskreislauf zu durchbrechen. Eine Studie des DIW (Zuruf von Jens-Holger Schneider, AfD) aus dem Jahr 2020 belegt, dass Kinder, die in Armut aufwachsen, deutlich geringere Chancen auf einen erfolgreichen Bildungsweg haben. Ganz wichtig ist – an dieser Stelle will ich das auch noch mal erwähnen – die Sprachförderung. Sprache ist der Schlüssel zur Welt. Und ich bin sehr froh, dass das Land aus eigener Kraft das Programm Sprach-Kitas fortsetzt, nachdem der Bund sich hier – wie auch an vielen anderen Stellen – einen schlanken Fuß macht. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE – Zuruf von Jutta Wegner, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Aber nur, wenn alle an einem Strang ziehen, kann gute Bildung von Anfang an gelingen. – Herzlichen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)

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