Sandy van Baal
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Gäste! Vielen Dank, Frau Ministerpräsidentin, dass Sie mir das letzte Wort hier überlassen heute. Hinzu kommt, dass meine liebe Kollegin Barbara Becker-Hornickel gerne zu diesem Thema gesprochen hätte. Sie ist leider durch einen medizinischen Eingriff verhindert. Liebe Barbara, ich hoffe, ich mache das einigermaßen vernünftig in deinem Sinne. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE und David Wulff, FDP – Zurufe von Christian Brade, SPD, und Thomas Krüger, SPD) Der Titel der Aussprache „2024 – Das besondere Kunstjahr für Mecklenburg-Vorpommern“, macht viele Fragen auf. Warum ist 2024 so ein besonderes Jahr? Kunst ist nämlich immer da. Sie begleitet uns durch Zeit und durch unser aller Leben. Sind all die Jubiläen von Caspar David Friedrich und Fritz Reuter ein Anlass für ein besonderes Kunstjahr, oder eröffnet das Jahr uns neue Betrachtungsweisen? Die Kunst ist durch ihre immer neu auferlegte Betrachtung und Interpretation stets lebendig, weil wir Menschen uns auch verändern, wir als Gesellschaft in einem ständigen Wandlungsprozess sind, und das verändert auch immer wieder die individuelle Wahrnehmung von Kunst. In diesem Jahr trifft nun vieles aufeinander. Es ist ein Jubiläumsjahr, es ist ein Kunstjahr, auf das wir auch stolz sein können. (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP und Christiane Berg, CDU – Patrick Dahlemann, SPD: Sehr gut!) Wir hatten zu Pfingsten zum Beispiel auch das 30. KunstOffen in Mecklenburg-Vorpommern. Das ist mir persönlich immer sehr wichtig. Malerei, Fotografie, Plastik, Keramik, Design, Schmuck begeistern die Besucher, die Einheimischen und die Touristen und sehr, sehr viele davon im ländlichen Raum in der Herzkammer von Mecklenburg-Vorpommern. (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP) Der Greifswalder Caspar David Friedrich wurde vor 250 Jahren geboren. Der große Sohn der Stadt Greifswald lässt uns sein Jubiläum feiern. Die Faszination seiner Bilder bietet die Abbildung der Natur in besonderer Art und Weise. Sie führen uns auch in die Jahre der Romantik. Auch feiern wir unseren Fritz Reuter. Er hat in seinen Werken die wunderbaren Figuren seiner Zeit festgehalten und der plattdeutschen Sprache ein Denkmal gesetzt. Die Festspiele M-V, ihre Wirkung auf Einheimische und Touristen kennen in diesem Raum wohl alle, das hoffe ich zumindest, ein Leuchtturm unseres Landes, genau wie das kleinere Usedomer Festival, das in diesem Jahr den Schwerpunkt auf die Musik unseres Nachbarlandes Polen legt. Und wie jedes Jahr gab es auf Usedom die Literaturtage. Im Rahmen der Festspiele erklang die 9. Sinfonie von Beethoven, „Ode an die Freude“, in Sankt Georgen in Wismar. Ich glaube, da war Barbara sogar. Sie wurde erstmals vor genau 200 Jahren in Wien aufgeführt. Wir konnten sie diesmal mit 180 Sängerinnen und Sängern erleben. Was für ein Jahr! Und das sind nur einige Highlights uns allen zur Freude. Allerdings, das wurde hier auch schon erwähnt, legt sich ein Schatten auf dieses besondere Kunstjahr. Die Situation an den Musikschulen wurde hier schon erörtert. Und obwohl das Herrenberg-Urteil die Landesregierung schon 2022 in Alarm- und Handlungsbereitschaft versetzen sollte, versuchte man scheinbar, dieses auszusitzen. Jetzt wurde dazu schon viel gesagt. Es liegt dazu ja jetzt auch ein Dringlichkeitsantrag vor. Das Ergebnis, jetzt droht vielen Musiklehrerinnen und Musiklehrern in M-V die Arbeitslosigkeit. Und meine Kollegin hat sich auch mit welchen getroffen. Und sie hat mir ein Zitat von einem Musikschüler aufgeschrieben, das ich bitte verlesen soll: „Es bedeutet mir besonders viel, Musikunterricht erteilt zu bekommen, vor allem vor dem Hintergrund, dass meine Familie an der Armutsgrenze lebt und mir generell viele Möglichkeiten zur Teilhabe am Leben außerhalb des Familienkreises verwehrt bleiben.“ Ich schlage vor, dass die Landesregierung sich der Situation stellt (Patrick Dahlemann, SPD: Tun wir! Tun wir!) und Lösungen erarbeitet, sonst wird das Jahr 2024 statt besonderem Kunstjahr ein trauriges Kunstjahr. Und das will niemand von uns. (Beifall vonseiten der Fraktionen der CDU und FDP – Zuruf von Patrick Dahlemann, SPD) Kultur und Kunst sind kein Luxus. (Zuruf von Patrick Dahlemann, SPD) Unsere Kunst muss von jungen Menschen weiterhin getragen und ausgeübt werden. Dafür braucht es Engagement und die bitter nötigen Mittel. Und das liegt in Ihrer Verantwortung. Sehr geehrte Damen und Herren der Koalition, das von Ihnen als besonderes Kunstjahr ausgerufene 2024 muss für die Landesregierung Anlass und Verpflichtung sein, dass junge Menschen von Kindheit an ihre Chance für ihr Talent bekommen. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der CDU und FDP)
