Katy Hoffmeister
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich hätte jetzt gern eine ganze Rede gehalten, so wie meinen ersten Abschnitt, und Sie werden bald verstehen, warum. Der würde nämlich dann so lauten: Sehr geehrte Frau Ministerpräsidentin! Liebe Kulturministerin! Liebe kulturpolitische Sprecherinnen und Sprecher der Regierungsfraktionen! Meine sehr verehrten Damen und Herren Abgeordnete! 2024, wahrlich ein besonderes Jahr für Mecklenburg-Vorpommern, ein besonderes Kunstjahr! Friedrich, Johnson, Reuter, Douzette, Fühmann, und ich würde die Dauerliebeserklärung an viele weitere geben können. Und warum, meine Damen und Herren, ist uns auch allen klar: weil diese Künstler ein Geschenk für uns sind, weil diese Künstler Geschenke für uns hinterlassen haben. Denn was wäre sie, die Welt, ohne die „Unendlichen Landschaften“, ohne den „Mönch am Meer“, ohne „Das Eismeer“ zu sehen, gerade in der Alten Nationalgalerie in Berlin, zuvor in Hamburg, wir haben es gehört, demnächst in Dresden, nicht in M-V, ein absoluter Kunstgenuss. Fahren Sie hin, darf ich Ihnen sagen! Was wäre die niederdeutsche Sprache ohne jemanden, der dem Volk aufs Maul geschaut hat? Und was wären wir ohne die Werke „Ut de Franzosentid“ und „Ut mine Festungstid“? Und was wären wir ohne „Jahrestage. Aus dem Leben von Gesine Cresspahl“? Und ich erinnere an die großartige Verfilmung des Romans aus dem Ende der 90er-Jahre, auch eine besondere Filmempfehlung. Liebe Kolleginnen und Kollegen, das könnte ich jetzt unendlich begeistert fortsetzen, eine Dauerhommage für die Werke, eine Dauerhommage für die Künstler. Aus verschiedenen Gründen mache ich das jetzt nicht. Seit März wollen wir eigentlich schon über dieses für die Regierungskoalition angeblich so wichtige Thema sprechen. Aber es hatte jetzt doch vier Monate Zeit, mehrfaches Verschieben inklusive, vier Monate! Im März erstmalig auf der Tagesordnung, vier Monate! Zynisch könnte man jetzt anmerken, na, zum Glück haben wir es in 2024 noch geschafft. (Heiterkeit bei Sebastian Ehlers, CDU: Ja, knapp.) Im Ausschuss, meine Damen und Herren, übrigens Gleiches, auch hier wurde der Antrag, Sie werden es nicht glauben, auf Antrag der Regierungsfraktionen geschoben. Fällt Ihnen nebenbei etwas auf? Ja, wir haben das Thema schon im Ausschuss behandelt. Dieses eigentümliche Dauerverschieben kann daran liegen, dass die Landesregierung sich zwar an den Jubiläen finanziell beteiligt hat, aber über eine gefühlt bemühte Unterstützung ist sie dann doch nicht hinausgekommen. Im Fonds des Staatssekretärs für Vorpommern sind Gelder zur Verfügung gestellt, aber nicht offiziell im Haushalt der zuständigen Ministerin, sondern eher im Geldkonvolut. 500.000 Euro sollen es sein und dann noch die Finanzierung der Koordinatorenstelle im Greifswalder Organisationsbüro. Dass es vielleicht doch nicht so gut ist, wenn man als zuständiges Ministerium sich so gar nicht für das Kunstjahr engagiert, scheint dann doch Ende letzten Jahres aufgefallen zu sein, nämlich am 28.12., man könnte sagen, in der Silvestervorbereitung, sodass dort noch Geld zur Verfügung gestellt worden ist, und zwar aus den Restmitteln des Strategiefonds. (Zuruf von Patrick Dahlemann, SPD) Liebe Landesregierung, genau, ja, das kann man gut finden, finden wir auch, (Patrick Dahlemann, SPD: Sehr gut! – Zuruf von Julian Barlen, SPD) aber mit der Pointe „besser als nichts“. Aber wenn 2024 Veranstaltungen geplant sind – und auch das werden Sie zur Kenntnis nehmen –, dann laufen die Planungen nicht erst ab Dezember 2023, und das wissen Sie auch. Sie sind ja in der Regel fortgeschritten, in der Regel sogar abgeschlossen. Planung mit Weitblick, meine sehr geehrten Damen und Herren, sieht einfach anders aus. (Beifall vonseiten der Fraktion der CDU – Zuruf von Patrick Dahlemann, SPD) Also, also wir verschieben die Aussprache mehrfach, wir finden das Geld auf den letzten Metern. Aber einen Punkt, meine Damen und Herren, den erspare ich Ihnen jetzt überhaupt nicht, und zwar mit Blick auf die Glaubwürdigkeit. Als zuständiger Ausschuss haben wir uns nach Greifswald begeben, (Patrick Dahlemann, SPD: Auch gut.) ich nicht das erste Mal, um diese Ausstellung in Greifswald zu sehen oder noch einmal zu sehen, wobei der Begriff „Ausschuss“, meine Damen und Herren, mehr als geschmeichelt ist. Gerade einmal drei – in Zahlen: drei – Abgeordnete waren vor Ort, drei von neun Abgeordneten. (Patrick Dahlemann, SPD: Nicht gut.) Und ich würde Sie mal raten lassen – das wird Ihnen gleich vergehen, dieses „Sehr gut!“ –, ich würde Sie gerne mal raten lassen, wie viele davon von den fünf Regierungsfraktionsabgeordneten beziehungsweise deren Vertretern denn da waren. Lasse ich lieber, ich gehe davon aus, dass Sie es selber wissen. Und ehrlich gesagt, das war ein hochpeinliches Zeugnis, und zwar nicht nur für die Regierungsfraktionen, (Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) sondern auch für den Ausschuss. Ehrlich gesagt, ich habe mich nicht sehr ehrenvoll gefühlt, als ich Teil dieses Ausschusses an diesem Tag war. Das, meine Damen und Herren, hat das Pommersche Landesmuseum nicht verdient. (Beifall vonseiten der Fraktion der CDU) Und ein Wort, weil Sie es angesprochen haben, Frau Hegenkötter, zum Herrenberger Urteil. (Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) Es ist nicht nur Aufgabe der Träger, nämlich von Kreisen und kreisfreien Städten, sondern es ist auch Aufgabe des Landes, für eine flächendeckende kulturelle, künstlerische Bildung zu sorgen und diese sicherzustellen. Und es ist großartig, dass Sie das angesprochen haben und sich da engagieren wollen, das können Sie nämlich gleich. Der Dringlichkeitsantrag liegt im Parlamentssekretariat und wird Sie gleich erreichen. Ich freue mich darauf, dass Sie dieser Dringlichkeit dann zustimmen und wir dieses Thema dann noch im Laufe dieser Landtagswoche hier bearbeiten werden. (Beifall vonseiten der Fraktion der CDU – Sebastian Ehlers, CDU, und Marc Reinhardt, CDU: Sehr gut!) Ich will aber, ich will aber an dieser Stelle natürlich eins vor allem machen, ich will denjenigen danken, die sich für dieses Jahr, für dieses besondere Kunstjahr 2024 engagieren. Sie geben ein Geschenk erneut an uns. Die Künstlerinnen und Künstler haben es getan, und dadurch, dass sie es uns ermöglichen, die Künstlerinnen und Künstler dieser Zeit, dieses besonderen Jahres, noch einmal wahrzunehmen, ist es ein Geschenk für uns alle, zu dem wir uns alle eingeladen fühlen sollen. Und deshalb bedanke ich mich auf diese Art und Weise noch mal ganz herzlich im Namen meiner gesamten Fraktion für Ihr Engagement. Sie tun viel für dieses Land Mecklenburg-Vorpommern. – Haben Sie vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, CDU und DIE LINKE – Zuruf von Julian Barlen, SPD)
