Dr. Heiko Geue
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Es ist besonders wichtig, nachhaltige Wege zu finden, um auf der einen Seite den Klimaschutz voranzutreiben, aber auf der anderen Seite gleichzeitig wirtschaftliche Chancen zu nutzen. Unser Land hat bereits klar Position bezogen, die dauerhafte Speicherung von CO in Mecklenburg-2 Vorpommern soll ausgeschlossen bleiben. Diese Entscheidung basiert wesentlich auf den berechtigten Sorgen unserer Bürgerinnen und Bürger bezüglich der Sicherheit und Umweltverträglichkeit solcher Speichermethoden. Zudem wollen wir unsere geologischen Potenziale im Land zu anderen Zwecken nutzen. Gleichzeitig sehen wir die Notwendigkeit, einen aktiven Beitrag zur Reduzierung von CO -Emissionen zu leisten und die 2 Wirtschaft unseres Landes zu stärken. (Zuruf von Hannes Damm, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Wie können wir diesen scheinbaren Widerspruch auflösen? Die Antwort kann in der Abscheidung und Nutzung von CO liegen, auch bekannt als Carbon Capture and 2 Utilization, kurz CCU. (Zuruf von Hannes Damm, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Durch CCU-Technologien können wir das CO , das bei 2 industriellen Prozessen entsteht, auffangen und als wertvollen Rohstoff weiterverwenden. Trotz aller Bemühungen um erneuerbare Energien und Energieeffizienz gibt es unvermeidbare CO -Emissionen, 2 insbesondere in der chemischen Industrie oder in der Zement- und Stahlproduktion. Hier bieten die CO - 2 Abscheidung und -Nutzung praktikable Alternativen, um diese Emissionen zu reduzieren. Die Technologien zur Abscheidung und Nutzung von CO ermöglichen es uns, 2 CO als Rohstoff in verschiedenen industriellen Prozes-2 sen zu nutzen, wodurch wir Emissionen mindern und gleichzeitig neue wirtschaftliche Chancen schaffen können. Dass solche innovativen Ideen erfolgreich umgesetzt werden können, zeigt sich für mich an einem Beispiel in Grevesmühlen, Landkreis Nordwestmecklenburg, der Novocarbo GmbH. Die Anlage Carbon Removal Park Baltic Sea der Novocarbo GmbH in Grevesmühlen wurde im Oktober vergangenen Jahres offiziell in Betrieb genommen. Die Novocarbo GmbH hat hier eine praxisrelevante Lösung für die dauerhafte Bindung von Kohlendioxid entwickelt. In der Grevesmühlener Anlage wird ein Verfahren eingesetzt, mit dem unter hohem Druck und viel Hitze biogene Reststoffe in nutzbare Pflanzenkohle verwandelt werden, wer immer das technisch hier nachvollziehen kann. Die im Produktionsverfahren entstehende CO -neutrale 2 Wärmeenergie wird in das Fernwärmenetz der Stadt Grevesmühlen eingespeist. Darüber hinaus gibt es weitere wirklich spannende Beispiele, auf die ich hier aber aus Zeitgründen gar nicht weiter eingehen möchte. Meine Damen und Herren, wie geht es nun nach dem Beschluss der Eckpunkte der sogenannten Carbon-Management-Strategie auf Bundesebene und der im Bundeskabinett beschlossenen Novellierung des Kohlendioxidspeichergesetzes weiter? Was können wir in Mecklenburg-Vorpommern tun? Erstens. Förderung von Forschung und Entwicklung Wir wollen uns einsetzen für gezielte Förderprogramme, um Forschungsprojekte im Bereich der CO -Abscheidung 2 und Nutzung sowie der geothermischen Energie- und Wärmespeicherung zu unterstützen. Mecklenburg-Vorpommern kann ein Vorreiter der Entwicklung innovativer Technologien in diesem Bereich sein. Die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft ist hierbei von entscheidender Bedeutung, um marktfähige Lösungen zu entwickeln und sowohl ökologisch als auch ökonomisch nachhaltige Lösungen hinzubekommen. Zweitens. Schaffung wirtschaftlicher Anreize Wir sollten uns dafür einsetzen, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Investitionen in CO -Abscheidung 2 und -Nutzung erleichtern. Steuervergünstigungen und Fördermittel könnten diese wichtigen Technologien voranbringen. Drittens. Entwicklung der notwendigen Infrastruktur Um den Transport und die Nutzung von CO -Effizienz 2 zu gestalten, sollten wir in die notwendige Infrastruktur investieren. Dies umfasst sowohl die Ertüchtigung bestehender Transportmittel als auch den Aufbau neuer Leitungen und Einrichtungen. Gleichzeitig sollten wir die Infrastruktur für geothermische Energie und die Speicherung von Wärmeenergie ausbauen. Viertens. Integration in bestehende Wirtschaftssektoren Die Landwirtschaft, die chemische Industrie und die Energiewirtschaft in unserem Land könnten erheblich von der Nutzung von CO profitieren. CO kann als Dünge-2 2 mittel in Gewächshäusern, als Rohstoff in der chemischen Industrie und zur Produktion synthetischer Brennstoffe verwendet werden. Fünftens. EU-Fördermittel nutzen Wir wollen aktiv EU-Fördermittel einwerben, um Projekte zur CO -Abscheidung und -Nutzung zu unterstützen. 2 Programme wie der Innovationsfonds oder Horizont Europa bieten großartige Möglichkeiten, die Entwicklung und Implementierung dieser Technologien zu finanzieren. Sechstens. Öffentlichkeitsarbeit und Bewusstseinsbildung Denkbar sind Informationskampagnen, um Unternehmen und die Öffentlichkeit über die Vorteile und Möglichkeiten der CO -Abscheidung und Nutzung zu informieren. Eine 2 gut informierte Öffentlichkeit ist entscheidend, um Akzeptanz und Unterstützung in diese Maßnahmen zu gewinnen, siehe Grevesmühlen. Meine Damen und Herren, ich fasse zusammen: Mecklenburg-Vorpommern hat die Chance, eine Vorreiterrolle im Klimaschutz und in der nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung einzunehmen. Lassen Sie uns den Weg in eine nachhaltige und wirtschaftlich starke Zukunft gemeinsam gehen! – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)
