landtag-mv.de ↗

Jacqueline Bernhardt

15.03.2024 Sitzungen 8/77

Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! In Vertretung der Bildungsministerin Simone Oldenburg darf ich wie folgt ausführen: Was sagt die Handschrift über die kognitiven Fähigkeiten eines Menschen aus? Oder anders gefragt: Ist derjenige, der keine verbundene Handschrift erlernt hat, kognitiv benachteiligt? Diese Frage bedeutet im Umkehrschluss, dass der Bildungserfolg maßgeblich vom Erlernen einer verbundenen Handschrift abhängig ist. Und genauso formulieren es, nur mit anderen Worten, die Antragsteller, wenn sie feststellen, ich zitiere, „dass der Erwerb einer gebundenen Handschrift für den Unterrichtserfolg wie überhaupt den Erwerb von Bildung essenziell ist und sich Defizite im routinierten bzw. automatisierten Schreibenkönnen von Hand negativ auf andere basale kognitive, sprachliche und motorische Befähigungen auswirken und daher einem Ausbildungserfolg in den Sekundarstufen, in der Berufsausbildung bzw. im Studium entgegenstehen“. Frau Oldenburg kann die Behauptung, die Sie aufstellen, nicht teilen, dass die, die zum Beispiel in Druckschrift schreiben, weniger begabt seien als andere, die verbunden schreiben, denn sie muss zugeben, dass sie den Schwerpunkt ihrer Unterrichtstätigkeit anders gelegt habe. Ihr ging es weniger um die Art der Handschrift als um Wissensvermittlung, zum Beispiel über Regeln der Grammatik, der Orthografie oder eben der Syntax. Sehr geehrte Damen und Herren, allein das Schreiben von Hand wirkt sich im Gegensatz zum Schreiben auf der Tastatur positiv auf die kognitive Entwicklung der Schülerinnen und Schüler aus, aber es gibt keinen ernst zu nehmenden Unterschied zwischen der Schreibschrift und der Druckschrift. Auf fachdidaktischer Ebene wird kontrovers diskutiert, ob als Erstschrift eine verbundene Handschrift, zum Beispiel die Schulausgangsschrift, oder eine unverbundene Handschrift, die Druckschrift, gelehrt werden soll. Tendenziell sprechen sich die Fachdidaktiker für die Druckschrift als Erstschrift aus. Das Schreibmotorik Institut, mit dem das Ministerium beim Erstellen des Rahmenplans Deutsch für die Grundschule eng zusammengearbeitet hat, vertritt fachlich die Meinung, dass nicht die gewählte Ausgangsschrift für den Lernerfolg ausschlaggebend ist, sondern dass die Schreibmotorik als grundlegende Fähigkeit eine zentrale Rolle spielt. Somit sieht der Rahmenplan vor, dass die Schülerinnen und Schüler in Mecklenburg-Vorpommern eine unverbundene und eine verbundene Handschrift erlernen, eine Reihenfolge wird nicht explizit festgelegt. Und so wird gewährleistet, dass die Lehrkräfte ein hohes Maß an pädagogischer Flexibilität haben. Dadurch können sie sich auch auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder einstellen, denn nur so kann es in einem heterogenitätssensiblen Anfangsunterricht gelingen, den Schreiblernprozess erfolgreich anzubahnen. So ist es gegenwärtig und so soll es auch zukünftig bleiben. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)

Alle Reden von Jacqueline Bernhardt Protokoll ↗