Henning Foerster
Ja, schönen guten Morgen, Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Seit vielen Jahren diskutieren wir über geeignete Maßnahmen zur Sicherung des Arbeits- und Fachkräftebedarfes. Sie wissen, 2030 werden uns nach der neuesten Arbeitsmarktanalyse circa 60.000 Personen fehlen. Wir sprechen in diesem Zusammenhang sehr oft über Themen wie die Verbesserung der Berufsorientierung, die Rückgewinnung ehemaliger Landeskinder und Pendler oder die Anwerbung von Menschen aus dem Ausland. Und viel zu selten richten wir unser Augenmerk auf diejenigen, die bereits in den Unternehmen tätig sind. Dabei wäre es doch naheliegend, sich besser um diese Erfahrungsträger zu kümmern. Ich hatte schon in der Debatte zum Arbeitsmarktantrag der CDU auf der letzten Plenarsitzung die Zahlen der Deutschen Rentenversicherung im Bund genannt. Aktuell gehen immer mehr Menschen vorzeitig in Rente, und das trotz Abschlägen. Im Schnitt verabschieden sie sich 27,7 Monate früher aus dem Erwerbsleben. Meine Schlussfolgerung daraus ist folgende: Bedingt durch demografische und gesellschaftliche Veränderungen sowie erhöhte Ansprüche in der Arbeitswelt wird die Förderung von Gesundheit am Arbeitsplatz immer bedeutender, denn nur, wer sich an seinem Arbeitsplatz wohlfühlt, kann auch einen entscheidenden Beitrag zur Produktivität seines Unternehmens leisten. Und davon profitieren sowohl die Beschäftigten als auch die Unternehmen selbst. In Klein- und Kleinstunternehmen, die bis zu 96 Prozent aller deutschen Unternehmen ausmachen, hat die Betriebliche Gesundheitsförderung noch nicht im gleichen Ausmaß Fuß gefasst wie in mittleren und größeren. Und aus diesem Grund sind wir sehr daran interessiert, genau diesen das Thema „Betriebliche Gesundheitsförderung“ näherzubringen. Deshalb werden wir einen Präventionspreis Mecklenburg-Vorpommern ausloben, der Klein- und Kleinstunternehmen aus unserem Land darin bestärkt, Angebote im Bereich der Betrieblichen Gesundheitsförderung und Prävention zu unterbreiten. Wir laden interessierte potenzielle Partner wie die Krankenkassen ein, sich in diesen Prozess mit einzubringen. (Zuruf aus dem Plenum: Sehr gut!) Darüber hinaus sollen gute Praxisbeispiele vorgestellt und bekannt gemacht werden, um so Impulse zu geben und zur Nachahmung anzuregen, denn auch in Mecklenburg-Vorpommern handelt es sich bei der überwiegenden Mehrheit der Unternehmen um Klein- und Kleinstbetriebe. Diese unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht von Großbetrieben. Bedingungen wie ein institutionalisierter Arbeits- und Gesundheitsschutz, Personalabteilungen oder Betriebsräte begünstigen nach einhelliger Auffassung der Wissenschaft die Entfaltung und Umsetzung der Betrieblichen Gesundheitsförderung. In Klein- und Kleinstbetrieben gibt es diese aber oft gar nicht. Dafür gibt es aber andere Bedingungen, die dennoch die Durchführung von erfolgreicher Betrieblicher Gesundheitsförderung begünstigen können. So bestehen beispielsweise flache Hierarchien. Daraus ergeben sich kurze Kommunikationswege und relativ große Handlungs- und Entscheidungsspielräume. Zudem sind die Beschäftigten meist gut informiert und ihre Arbeitsbedingungen unterscheiden sich oft nur gering von denen der Betriebsinhaber. Studien von Krankenkassen zufolge räumen die meisten Betriebe dem Thema Gesundheit eine sehr hohe Relevanz ein. (Zuruf von Wolfgang Waldmüller, CDU) So finden durchschnittlich mehr als 90 Prozent der Befragten, dass der Gesundheit der Beschäftigten ein hoher Stellenwert zukommt. Und immerhin mehr als 70 Prozent zeigen sich erst mal grundsätzlich offen für die Durchführung gesundheitsbezogener Maßnahmen. Sich dem Thema verstärkt zuzuwenden, macht Sinn, denn die Betriebliche Gesundheitsförderung trägt sowohl zur Imagesteigerung des Unternehmens als auch zur Verbesserung des Betriebsklimas sowie der Kommunikation zwischen Mitarbeitenden und Vorgesetzten bei, auch und gerade in Klein- und Kleinstunternehmen. Meine Damen und Herren, ich denke, wir sind uns einig: Die Gesundheit jeder und jedes Einzelnen wird sehr stark von der Arbeitswelt geprägt. Und das liegt nicht nur daran, dass die meisten von uns einen großen Teil ihrer Lebenszeit am Arbeitsplatz verbringen, sondern auch an der Situation im jeweiligen Unternehmen, die direkten Einfluss auf den Gesundheitszustand der Beschäftigten hat. Umgekehrt sind die Unternehmen natürlich auch auf die Leistungsfähigkeit und somit die Gesundheit ihrer Beschäftigten angewiesen. Arbeitsmediziner gehen von drei Faktoren aus, die durch ihre Wechselwirkung bestimmend für die Gesundheit der Beschäftigten sind, erstens die bestehende Arbeitsbelastung, zweitens die vorhandenen gesundheitlichen Ressourcen und drittens das soziale Klima im Unternehmen. Die Betriebliche Gesundheitsförderung setzt folgerichtig dort an und versucht, passende Antworten zu finden. Modellprojekte in unterschiedlichsten Ländern zeigen, dass sich durch Maßnahmen der Betrieblichen Gesundheitsförderung in Klein- und Kleinstunternehmen positive Effekte in Bezug auf die Gesundheit und Zufriedenheit der Beschäftigten einstellen. Und eine weitere Erkenntnis lautet, dieser Ansatz rechnet sich auch ökonomisch. Klein- und Kleinstunternehmen, die davon bislang gehört, aber noch keine eigenen Erfahrungen gemacht haben, müssen überzeugt werden. Auf die Frage, warum sie so zurückhaltend agieren, führen sie häufig den Vorrang des Tagesgeschäfts, fehlende personelle und zeitliche Ressourcen sowie fehlende Informationen an. Betriebliche Gesundheitsförderung ist jedoch eine Investition, die sich in jedem Fall rechnet, denn gesunde Beschäftigte, die sich bei der Arbeit in ihrem Unternehmen wohlfühlen, haben bekanntlich geringere Fehlzeiten, was sich auch in einer Reduktion der krankheitsbedingten Kosten niederschlägt. Zudem steigen sowohl die Arbeitszufriedenheit als auch die Produktivität, was mit einer Ersparnis an Fluktuationskosten einhergeht. Die Betriebliche Gesundheitsförderung führt darüber hinaus auch zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen beim Arbeitsklima und in den Organisationsprozessen. Kurzum, sie erzeugt eine Win-win-Situation. Meine Damen und Herren, ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit dem Thema. Es stand schon während meiner Zeit als Betriebsratsvorsitzender sehr weit oben auf meinem Zettel. Ich habe also dazu den Austausch mit der IHK, mit Unternehmen, Gewerkschaften, dem ISBW oder zuletzt auch den Kollegen von der Perspektive Arbeit & Gesundheit in der Metropolregion Hamburg gesucht. Ich freue mich ausdrücklich über die positiven Rückmeldungen und das Bestärken darin, das Thema ins Parlament zu bringen. In der Praxis zeigt sich, dass zur erfolgreichen Umsetzung in Klein- und Kleinstunternehmen allerdings einige Grundvoraussetzungen erfüllt sein müssen: Erstens kann die Betriebliche Gesundheitsförderung nur dann erfolgreich sein, wenn sie vom Geschäftsinhaber beziehungsweise der Inhaberin des jeweiligen Unternehmens auch als wichtige Aufgabe erkannt und behandelt wird. Zweitens müssen alle Beteiligten einbezogen werden, denn die Beschäftigten wissen oft mehr, als die Chefs glauben. Diesen Vorteil sollte man nutzen, indem die Kenntnisse, Ideen und Erfahrungen der Belegschaft einbezogen werden. Und drittens ist Betriebliche Gesundheitsförderung mehr als die Reduzierung von Krankenständen. Im Wesentlichen geht es dabei um Innovation und um die gesamte Unternehmenskultur, damit gesundheitliche Belange in Zukunft auch stärker Beachtung finden. Zum Schluss noch einige wenige Anmerkungen dazu, was unter gesundheitsfördernden Maßnahmen verstanden wird. Diejenigen, die solche selbst zertifizieren, geben beispielsweise folgende Handlungsfelder an: Bewegung, Ernährung, Entspannung, Suchtprävention, Ergonomie, Kommunikation und Führung sowie Digitalisierung. (Zuruf von Wolfgang Waldmüller, CDU) Den Handlungsfeldern werden dann Einzelmaßnahmen zugeordnet, die im Betrieb umgesetzt werden können. (Heiterkeit bei Wolfgang Waldmüller, CDU: Prima!) Dazu gehören zum Beispiel ein Zuschuss zur Mitgliedschaft im Fitnessklub, eine gesunde Pausenversorgung, Massagen am Arbeitsplatz, (Wolfgang Waldmüller, CDU: Hm, oh, am Arbeitsplatz!) Vermittlung zur Suchtberatung, Maßnahmen der Lärmminderung, höhenverstellbare Handwerksbänke, gemeinsame Gesundheitstage kleinerer Unternehmen auch in Kooperation mit Krankenkassen, mobiles Arbeiten oder geregelte Erreichbarkeiten. Der Katalog ist im Grunde unendlich groß, und die Entscheidungen, was jeweils passend und notwendig ist, müssen natürlich im Unternehmen selbst getroffen werden. Als MV-Koalition wollen und werden wir gemeinsam mit interessierten Partnern dafür sorgen, dass dieses Thema künftig mehr Aufmerksamkeit erfährt. Den Fokus legen wir dabei, wie schon im Antragstitel ersichtlich, auf Klein- und Kleinstunternehmen, denn laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit sind mehr als 42.000 Betriebe im Land in einer Größenordnung von bis zu zehn Beschäftigten. Und genau dort liegt das größte Potenzial, das wollen wir gerne heben. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)
