Wolfgang Waldmüller
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Wenn meine Enkel zu mir kommen, dann ist es regelmäßig, dass wir rausgehen und dass wir um die Wette laufen. (Beifall vonseiten der Fraktion der CDU – Torsten Koplin, DIE LINKE: Jawoll!) Und mein kleiner Enkel ist schon richtig schnell geworden. Und wissen Sie, was er als Erstes sagt, wenn er am Ziel ist? Ich bin Erster, Opa! (Sebastian Ehlers, CDU: So ist es. Meiner auch.) Und das macht ihm Freude. Ich will das nur …, ich selbst … (Julian Barlen, SPD: Und dann ziehen Sie ihn richtig ab, weil Sie das nicht auf sich sitzen lassen. – Heiterkeit und Unruhe vonseiten der Fraktion der SPD – Sebastian Ehlers, CDU: Oh Gott, oh Gott, oh Gott!) Mein Gott! (Sebastian Ehlers, CDU: Peinlich!) Mein Gott, Herr Barlen! (Julian Barlen, SPD: Oder was meinen Sie, bisschen Leistung gegen den Burschen?! – Sebastian Ehlers, CDU: Kein Niveau, Herr Barlen!) Es ist einfach so erschreckend, (Julian Barlen, SPD: Was jetzt?) so erschreckend niveaulos, wie Sie sind, das ist unglaublich. (Beifall vonseiten der Fraktionen der AfD, CDU und FDP) Ich will damit, ich will damit, (Unruhe vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) ich will damit zum Ausdruck bringen, (Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) ich will damit zum Ausdruck bringen, dass das den Kindern ureigenste Sache ist, dass sie sich vergleichen wollen, dass sie Sport machen, dass sie Spaß haben, dass sie Erster sein wollen. (Zuruf von Julian Barlen, SPD) Das machen sie schon überall. Ich persönlich, als ich an den Bundesjugendspielen teilgenommen habe, ich wollte immer Erster sein. Das war mein grundlegendes Ziel. Wenn ich Zweiter war, war ich stinkig, dann wollte ich Erster werden. Also das ist ein völlig normales Verhalten, und das ist auch gut so. Und es hat viele auch geprägt in ihrem künftigen Leben, gerade wenn es, und das ist unbenommen, aber Sie wollen, glaube ich, eine andere Gesellschaftsform haben. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Ja.) Ich bin trotzdem der Meinung, dass eine Leistungsgesellschaft uns im Wettbewerb, jeden selbst im Wettbewerb, Deutschland insgesamt, dass wir in einer Leistungsgesellschaft leben und auch nur diese uns voranbringt. (Beifall vonseiten der Fraktion der CDU – Petra Federau, AfD: Richtig!) Ich will aber kurz auf ein paar, (Zuruf von Jens Schulze-Wiehenbrauk, AfD) auf ein paar Antworten eingehen. (Zuruf von Jens-Holger Schneider, AfD) Zunächst zu Frau Oldenburg: Ja, das ist ein Thema natürlich in allen Bundesländern, überall ist das Thema. Das bewegt Leute, insbesondere jetzt, ich rede ja für meine Partei, für die CDU, und das ist nicht nur hier in Mecklenburg-Vorpommern, sondern es ist generell in ganz Deutschland. Deswegen wird das natürlich auch in anderen Bundesländern mit angesprochen. Und ich möchte eins klarstellen, nicht, dass das in den falschen Hals gekommen ist oder falsch unterstellt wird, unterstellt will ich jetzt nicht sagen, aber ich habe zu keiner Zeit irgendjemand, der daran beteiligt war, irgendwo ein Kompetenzproblem unterstellt. Das habe ich nicht gemacht. Ich habe, glaube ich, das mehr als sachlich eingebracht, ohne irgendeine politische Färbung oder dergleichen. Und der Unterschied, weil das ja gesagt wurde, Mensch, was wollt ihr denn, Bundesjugendspiele, das hat doch mit dem Sportverein nichts zu tun. Ja, das ist mir schon klar, dass wir hier von Bundesjugendspielen, von einem Vergleich, in dem Fall von der 1. bis 4. Klasse, in der Schule sprechen und nicht vom Sportverein, wo der Leistungsgedanke Gott sei Dank bis heute noch ist. (Daniel Seiffert, DIE LINKE: Wirklich? Doch?) Das ist gut so. Aber ich sage nur mal, wehret den Anfängen! Und na ja, selbst wenn Sie das als Lappalie empfinden, ich weiß nicht, wer es gesagt hat, als Lappalie – Herr Damm hat es, glaube ich, gesagt, es ist eigentlich eine Lappalie –, aber es geht schon um eine gesellschaftliche Entwicklung, die wir haben. Ich will nur andere gesellschaftliche Entwicklungen nennen: Das ist die 4-Tage-Woche, bedingungsloses Grundeinkommen, Grunderbe mit 18, alles Dinge, sage ich mal, die einen gesellschaftlichen Wandel vollziehen, wo Leistung nicht mehr in Ordnung ist. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Work-Life-Balance.) Und wenn ich von Hause aus oder in der Schule, überall, ich glaube, auch wenn Sie es als Lappalie nennen, wenn ich schon nicht mehr fördere, dass es eine Leistung gibt, wie soll sich denn ein Kind in der Entwicklung mit Leistung auseinandersetzen. (Beifall vonseiten der Fraktionen der CDU und FDP) Meine Damen und Herren, wir haben in Deutschland ja sowieso aufgrund der Beispiele, die ich Ihnen genannt habe, eine Leistungsallergie. (Torsten Koplin, DIE LINKE: Was definieren Sie denn als Leistung?) Und insofern wird das, wenn wir das gutheißen, wird das noch zusätzlich befördert. Und ich glaube, es ist eine völlige Fehlannahme, eine völlige Fehlannahme, wenn Leistung und Freude ein Widerspruch ist. Das gehört zusammen. Das gehört ganz einfach zusammen. In der Schule gibt es ja einen Sportlehrer, (Zuruf von Hannes Damm, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) das ist ein ausgebildeter Pädagoge. (Zuruf von Hannes Damm, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Und der wird ja sehr wohl in der Lage sein, Ehrgeiz zu wecken und Spaß zu überbringen. Und wenn es nach Ihnen, nach Ihrer Argumentation geht, dann müssen Sie auch morgen „Mensch ärgere dich nicht“ abschaffen. (Heiterkeit vonseiten der Fraktion der CDU) Ja! Mein Gott! (Beifall vonseiten der Fraktionen der CDU und FDP – Sebastian Ehlers, CDU: Sehr richtig!) Ich möchte noch natürlich eingehen auf den Herrn Brade, (Julian Barlen, SPD: Aber wo wird denn verpflichtend „Mensch ärgere dich nicht“ gespielt?) weil er ja selbst, (Julian Barlen, SPD: Können Sie das bitte mal sagen?) weil er selbst der selbsternannte … (Julian Barlen, SPD: Können Sie mal sagen, wo man verpflichtend „Mensch ärgere dich nicht“ spielt?) Ach Gott! Mein Gott! Sie hören scheinbar nicht zu (Zuruf von Ann Christin von Allwörden, CDU) oder verstehen das Ganze nicht. (allgemeine Unruhe – Julian Barlen, SPD: Nein, ich habe genau zugehört und gehe auf Ihre Argumente ein.) Also geben Sie Ruhe! Ich möchte weiter fortfahren. (Zuruf von Torsten Koplin, DIE LINKE) Ich will auf Herrn Brades Rede eingehen, (Julian Barlen, SPD: Na denn!) weil Sie ja der selbsternannte Sportler sind und ja Ihre Rede für heute im Landtag ja bereits per Facebook am Dienstag oder Mittwoch angekündigt haben, jetzt haben Sie Ihren Showauftritt gehabt. Ich hoffe, alle haben zugeguckt. Die Quintessenz, die ich bei Ihnen mitgenommen habe, ist, dass Sie eigentlich nach Hause gehen wollen. Mehr haben Sie hier eigentlich nicht gut beigebracht. (Zurufe von Christian Brade, SPD, und Michael Noetzel, DIE LINKE) Ich möchte aber einen Vergleich noch nennen. Wir reden hier von Kindern 1. bis 4. Klasse, und Sie bringen den Vergleich mit Sportlern, warum der Speerwerfer dann und dann … Also Sie verwechseln komplett alles. Da ist eine Entwicklung dahinter. Und auch die Aussage, liebe Frau Oldenburg, bei den U20-Europameisterschaften, dass wir da den ersten Platz gemacht haben. (Zuruf von Ministerin Simone Oldenburg) Ja, klar, das ist, aber ich sage mal, das sind Entwicklungen, die sind 20 Jahre zurück. Wir reden von einer Entwicklung, die jetzt stattfindet, mit unseren jetzigen Kindern. Und da ist doch die Frage, was in Zukunft kommt, und nicht, was jetzt kommt. Das ist doch kein Vergleich! Das ist doch nur, billige Polemik ist doch das! Und wenn Sie dann sagen, ja, wir kümmern uns im Land, wir machen Olympiastützpunkte und machen das, alles schön und gut. Wenn Sie keinen mehr haben, den Sie im Olympiastützpunkt fördern können und betreiben können, weil dieser Leistungsgedanke eben nicht mehr ausgeprägt ist, weil sich eben Leistung nicht mehr durchsetzt, dann können Sie doch so viel Geld reingeben, wie Sie wollen, das nutzt nichts. (Beifall vonseiten der Fraktion der CDU) Das ist natürlich, momentan nutzt es, das ist überhaupt keine Frage. Aber beim besten Willen, Herr Brade, (Zuruf von Christian Brade, SPD) Ihr Beitrag trägt nicht dazu bei, und es ist auch der einzige Beitrag gewesen, der sich eigentlich über die Sache lächerlich gemacht hat und das nicht ernst genommen hat. (Christian Brade, SPD: Ja, natürlich!) Abschließend möchte ich noch darauf hinweisen, dass es ja schon eine Diskrepanz gibt, auch, denke ich mal, noch in der Landesregierung, weil ich sage mal, das eine ist die Kultusministerkonferenz, die das beschlossen hat, und das andere ist die Sportministerkonferenz, die gesagt hat, nein, wir wollen das nicht (Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) und wir wären die geeignete Stelle oder wir wollen gerne, als Sportminister möchten wir dazu beitragen, dass das an die Kultusminister oder an die Gremien herangetragen wird, dass das eben zurückgeführt wird. Also was denn nun? Werden Sie sich doch, werden Sie sich einig! Ich bin jetzt ganz klar bei der Frau Drese, (Sebastian Ehlers, CDU: Sehr richtig!) bei der Sportministerkonferenz, das ist überhaupt keine Frage, bei der Sportministerin. Aber ich sage mal klar, Sport ist das eine, Schule ist das andere. Es wäre schön, wenn Sie eine gemeinsame Meinung haben in Richtung des Sports. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der CDU und FDP)
