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Thomas de Jesus Fernandes

AfD 10.11.2023 Sitzungen 8/68

Sehr geehrtes Präsidium! Werte Abgeordnete! Natürlich geht es in diesem Antrag um eine gesellschaftspolitische Entscheidung, die wir mitdiskutieren. (Thore Stein, AfD: Richtig!) Und mit Erlaubnis des Präsidiums würde ich gerne ein Zitat vortragen: „Bei uns haben sie jetzt das Wählen im Sportunterricht abgeschafft“, weil wenn ein Kind zuletzt gewählt wird, dann wäre das für das Kind „traumatisierend“. (Unruhe vonseiten der Fraktionen der SPD und CDU – David Wulff, FDP: Das war schon immer ganz schön fies.) „Ja, das traumatisiert,“ (allgemeine Unruhe) „und zwar zu Recht,“ (Julian Barlen, SPD: Zu Recht?) „denn wer“ schlecht „spielt, wird nicht gewählt. Das ist ein ganz wichtiges Lernziel der Schule, dass man das begreift.“ (allgemeine Unruhe – Torsten Koplin, DIE LINKE: Auslese. – Zuruf von Hannes Damm, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) „Wir haben eine Grundschule bei uns um die Ecke, und dort haben sie ernsthaft den Wettlauf abgeschafft. … Ich bin zwar nicht wirklich oft zur Schule gerannt …, aber da bin ich hin“ (Zuruf von Julian Barlen, SPD) „und ich habe dort gefragt,“ (Zuruf vonseiten der Fraktion der SPD: Und, angekommen?) „… warum gibt es hier keinen Wettlauf mehr, das macht den Kindern doch Spaß. Da hat mir die Lehrerin wörtlich gesagt: Weil die einen Kinder schneller sind als die anderen.“ Zitatende. Und wissen Sie, von wem das ist? Wissen Sie nicht, ne, weil Ihnen Humor abgeht. Das ist von Dieter Nuhr, der genau über diese gesellschaftspolitischen Themen eben auch seine Satire macht, wo die ganze Bevölkerung sicherlich ihren Spaß dran hat, (Zurufe von Julian Barlen, SPD, und Marcel Falk, SPD) weil die das nämlich nachvollziehen kann, dass das hanebüchener Unsinn ist, wenn man den Wettkampfgedanken verabschiedet, (Heiterkeit und Unruhe vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) meine Damen und Herren! (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD – Zuruf von Julian Barlen, SPD) „Der Leistungsgedanke ist ein zentraler Bestandteil unserer Gesellschaft.“ Diesen treffenden und kernigen Satz aus der Begründung des Antrags hat die Gesellschaft und vor allen Dingen die Schule vergessen. Ein Vorschlag dazu: Man gebe bei schulpolitischen und kultusbürokratischen Schriften die Begriffe „Leistungsbereitschaft“, „Selbstüberwindung“, „Fleiß“ und „Ehrgeiz“ ein. Man wird diese Worte, die einst für Tugenden standen, in der Regel nicht mehr finden. Der enge pädagogische Zusammenhang von Bildung und Erziehung scheint vergessen. Leistung und vor allem Unterscheidung nach Leistungsvermögen gelten mittlerweile bereits als Diskriminierung. Ja, man setzt sich, wenn man auf Leistung setzt, dem Vorwurf aus, man wolle selektieren, man betreibe eine Exklusion statt der permanent geheiligten Inklusion oder gar eine Apartheid der Besten, meine Damen und Herren. Das Land gibt immense Mittel für bildungsideologisch durchdrungene Inklusion aus, fördert damit unter anderem auch Schüler, die nichts leisten wollen, aber beispielsweise unter dem Ticket des sonderpädagogischen Förderbedarfs emotionaler und sozialer Entwicklung betreut werden. Dabei liegt eine anthropologische Grundeinsicht darin, dass der Mensch das, was er technisch, kulturell und gesellschaftlich schuf, nur über Leistung und Höchstleistung erreichte, (Zuruf von Andreas Butzki, SPD) mithin auch über den Wettbewerb, der im Sport quasi spielerisch, aber auch ausbildend betrieben wird. Wenn Leistungsanforderungen und Wettbewerb schon nicht mal mehr im Sport erwünscht sind, dann sind sie allgemein gesellschaftlich längst erledigt. Ohne Leistung und Wettbewerb, ohne hohen Anspruch an sich selbst, ohne Ehrgeiz, ohne Selbstüberwindung, ohne die Kraft, sich und das Seine im Wettbewerb gegen andere durchsetzen zu können, ist keine Entwicklung möglich. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD – Thore Stein, AfD: Richtig!) Die westdeutsche Pädagogik hat sich seit den 70ern mehr und mehr von diesem Grundgedanken verabschiedet. Sie senkte durchweg die Anforderungen, inflationierte im gleichen Zug die Bewertungen, weichte die Maßstäbe auf, kurz, sie verordnete Erfolge, ohne dass sie noch aufwendig errungen werden mussten. Ergebnis: Minimalismus und die Illusion, man könne Erfolge auch ohne echten Einsatz haben. Kein Kampf mehr um ein Resultat oder ein höheres Level, kein Erringen eines Erfolges mehr nötig, weil der einem vom System zugeschoben wird. Die deutsche Schule hat sogar das zweifelhafte Kunststück vollbracht, den Stress an den Schulen durch Formalitäten, Bürokratie und das für den alleinigen Segen gehaltene Ganztagsprogramm zu verstärken, obwohl sie die Inhalte durchweg reduzierte und die Anforderungen senkte. Teilweise steht das sogar in einem Zusammenhang. Indem etwa immer mehr Schüler aufs Gymnasium drängen, stehen dort zwangsläufig immer mehr Limitierte unter Druck. Regiert wird mit dem Prinzip, Erfolge zu erreichen, nicht mehr, um sie ringen zu lassen. Symptomatisch erscheint das letzte Mathematikabitur: 20 Prozent aller Grundkurs-Abiturienten erreichten in den schriftlichen Reifeprüfungen des Faches null Notenpunkte, waren also nicht in der Lage, im Abitur auch nur ein Minimum an mathematischen Kenntnissen nachzuweisen. Aber das Bildungsministerium reagierte prompt, indem es einen Notenpunkt gratis, quasi von Staats wegen, für alle Abiturienten dazugab, so, wie das zwei Jahre davor sogar gleich mit zwei Notenpunkten geschah. (Vizepräsidentin Elke-Annette Schmidt übernimmt den Vorsitz.) Und niemand sieht ein Problem darin. Man geht darüber hinweg. Es wird nicht einmal diskutiert. „Ohne Fleiß keinen Preis“, das soll nicht mehr gelten. Sprüche wie „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ dürften mittlerweile als geradezu faschistisch gelten. Wettbewerb, Anstrengung, Selbstüberwindung, Wahrnehmung und Eigenverantwortung für die eigene Leistung und das eigene Resultat beziehungsweise Abschneiden sind geradezu kulturbildend. So, wie in Deutschland in der Leichtathletik und im Turnen, gerade in der deutschen Sportgeschichte neben dem Fußball Kernbereiche, keine oder kaum mehr Medaillen geholt werden, so versagen die deutschen Schulen in den wichtigen Bildungsteststudien. Verantwortlich dafür soll, das Credo Bildungspolitik, die soziale Herkunft sein, so die gängige politisch erwünschte Erklärung. Dass ein solches Versagen im Sport wie in der Schule primär eine Frage der Erziehung ist, kommt den sogenannten Bildungsforschern gar nicht mehr in den Gedanken. Zur Leistung, zum Fleiß, zur Selbstüberwindung, zur Wahrnehmung der Eigenverantwortung muss erzogen werden, und zwar überhaupt nicht barsch oder mit Drill, dafür aber stetig und konsequent, auf dass das Heranwachsenden erlebbar wird: Wenn ich mich anstrenge, dann schaffe ich etwas. Ich kann mehr leisten, als ich annehme, nur gilt es, den inneren Schweinehund zu überwinden. Und wenn ich mich im fairen Wettbewerb durchsetze und nach vorne komme, dann habe ich Erfolg, aber dafür muss ich mich bemühen, im Sport mitunter sogar schinden, ich muss den toten Punkt überwinden, an dem ich meine, es hat ja keinen Zweck, ich lasse mich hängen, irgendwer wird mir schon helfen, wenn ich nur Bedarfe anmelde. Das ist der Zustand momentan, über den wir hier reden. Und wir sagen Nein, wir sagen, hilf dir selbst, dann hilft dir Gott. Dieser Antrag ist richtig und wir werden diesem Antrag zustimmen. – Vielen Dank, meine Damen und Herren! (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD)

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