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Jeannine Rösler

Die Linke 09.11.2023 Sitzungen 8/67

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Nach meinem Verständnis gehört die finanzielle Allgemeinbildung zur ökonomischen Bildung, und darum ist es hier sehr verwunderlich, dass die Begriffe voneinander abgegrenzt werden. (Zuruf von Martin Schmidt, AfD) Unbestritten ist es natürlich so, dass sich auch Kinder und Jugendliche in bestimmten Alltagssituationen mit finanziellen Dingen auskennen sollten. Beispielsweise sollen Schülerinnen und Schüler Kompetenzen erlernen, ihr Konsumverhalten zu überdenken, es angemessen zu gestalten und die dazugehörige Werbung kritisch zu betrachten. Letzteres erlernen die Kinder bereits in der Grundschule im Sachunterricht. (Zuruf von Enrico Schult, AfD) Die ökonomische Bildung wird bereits erfolgreich in schulischen Rahmenplänen und in die Bausteine der beruflichen Orientierung des Landes integriert und ist ganz fester Bestandteil des Bildungssystems. Das ist hier von allen Vorrednerinnen und Vorrednern deutlich gemacht worden. (Unruhe vonseiten der Fraktion der AfD) Wir alle wissen, welche wichtige Rolle hier auch die Regionale Schule spielt, und zwar mit dem erfolgreichen Übergang in das Berufsleben. Sie vermittelt handlungs- und anwendungsbezogene Inhalte und Methoden und bietet somit eine gute Orientierung für die berufliche Bildung und die persönliche Lebensgestaltung. Schülerinnen und Schüler werden unter anderem befähigt, auch ökologische Verantwortung durch bewusstes Konsumverhalten zu übernehmen. Es ist Ihnen von der AfD offenbar entgangen, dass die berufliche Orientierung ein ganz zentrales Aufgabenfeld der Schule ist, (Heiterkeit bei Jens Schulze-Wiehenbrauk, AfD) um auf die Berufswelt vorzubereiten. (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) Und wir reden dabei vor allem über die Berufswahl als lebenslanger Prozess, (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) die fachübergreifende und fächerverbindende berufliche Orientierung, den Erwerb von Kenntnissen über den Arbeits- und Ausbildungsstellenmarkt, Bildungswege und über Bildungs-, Einkommens- und Karrierechancen. Diese Punkte zeigen schon die ganzheitliche Herangehensweise, die sowohl Wissen als auch Einstellungen und Fertigkeiten betont. Die Ministerin hat es gesagt und auch der Kollege Renz, im Rahmenplan AWT der Regionalschule werden ebenfalls ökonomische Kompetenzen inklusive der finanziellen festgeschrieben. Auch die Verbraucherbildung ist ein ganz wichtiger Aspekt der schulischen Bildung, der den Schülerinnen und Schülern hilft, praktische Alltagskompetenzen zu erwerben, etwa den Umgang mit Geld, nachhaltiger Einkauf und der Schutz persönlicher Daten. Darüber hinaus hilft die Verbraucherbildung den Schülerinnen und Schülern, die politischen, ökonomischen und ökologischen Zusammenhänge aktueller Krisen zu verstehen. Die Verbraucherzentrale, auch ein ganz wichtiger Partner, bietet eine ganze Reihe von Bildungsangeboten für alle Altersgruppen und Schulformen an. Auch das Netzwerk Verbraucherschule unterstützt bei der Kompetenz- und Profilentwicklung durch Austausch und Fortbildungsmaterial. In der Peer-Scout-Ausbildung des Projekts „Verbraucherchecker“ gestalten Jugendliche selbst Verbraucherschutz, definieren für sie relevante Themen und geben ihr Wissen an die Peergroup weiter. Die „Finance for your Future“-Fortbildung von MMT Academics zielt darauf ab, wichtige Finanzkompetenzen für Lehrkräfte zu vermitteln. Sie sensibilisiert zum Beispiel für den Umgang mit eigenen Finanzen. Das Ziel ist es, die Verschuldung junger Menschen zu verringern und ihnen zu zeigen, wie sie ihre Finanzen selbstbewusst und selbstbestimmt gestalten können. Die Fortbildung behandelt Themen wie finanzielle Grundlagen, Organisation der eigenen Finanzen, variable und fixe Kosten, finanzielles Selbstbewusstsein, digitaler Fußabdruck, Humankapital, passives Einkommen, Altersvorsorge und Vermögensaufbau. Es gibt die vielfältigen Kooperationen mit Wirtschaftsunternehmen, mit IHK, Handwerkskammern. Es gibt die Schülerfirmen. Es gibt den Wettbewerb „Jugend gründet“, ein Unternehmensplanspiel, bei dem zum Beispiel ein virtuelles Start-up gegründet und gemanagt werden muss. Meine Damen und Herren, wenn das alles keine ökonomische Bildung ist, was dann?! – Herzlichen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)

Alle Reden von Jeannine Rösler Protokoll ↗